Bri­ti­sche Wirt­schaft schrumpft er­neut

LONDON Pfund gibt nach – BSkyB geht noch nicht an Mur­doch – De La Rue weist Über­nah­me ab

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN EUROPA - CP

Ge­ra­de als al­les rund lief, dämp­fen neue Zah­len zur bri­ti­schen Volks­wirt­schaft den Op­ti­mis­mus. An­ge­sichts des Um­satz­an­teils der in London ko­tier­ten Un­ter­neh­men, der im Aus­land er­zielt wird, ist das er­staun­lich. Bro­ker schät­zen den Teil der Ver­käu­fe, die von der bri­ti­schen Wirt­schaft ab­hän­gen, auf ein Drit­tel. Der FTSE-100-In­dex gab aber nur Ge­win­ne des Vor­ta­ges preis und schloss auf 5924,5 ( Ve­rän­de­rung seit Frei­tag: +0,5%).

Das Pfund Ster­ling gab ge­gen­über den wich­tigs­ten Han­dels­wäh­run­gen nach, als be­kannt­wur­de, dass das Brut­to­in­land­pro­dukt im vier­ten Quar­tal ge­mäss ers­ter of­fi­zi­el­ler Schät­zung zum Vor­quar­tal um 0,5% sank. Man­che mö­gen ar­gu­men­tie­ren, der Ver­weis des na­tio­na­len Sta­tis­tik­bü­ros auf das schlech­te Wet­ter sei ty­pisch bri­tisch. Ge­sperr­te Stras­sen, Zug­un­ter­brü­che und die Schlies­sung von Flug­hä­fen hat­ten aber un­be­strit­ten ei­nen ne­ga­ti­ven Ef­fekt. Der An­stieg der Ren­di­ten der zehn- jäh­ri­gen Staats­an­lei­hen wur­de ge­stoppt. Gilts ren­tier­ten 3,63% (–6 Ba­sis­punk­te).

Meh­re­re ver­such­te und ab­ge­bro­che­ne Über­nah­men be­weg­ten zu Wo­chen­be­ginn den Markt. Im Fall des Me­dien­un­ter­neh­mens BSkyB (Ak­ti­en: +0,1% auf 752 p) hat der po­ten­zi­el­le Käu­fer, News Corp des Me­di­en­za­ren Ru­pert Mur­doch, be­schie­den er­hal­ten, der Ent­scheid ver­zö­ge­re sich. Be­vor der Kul­tur­mi­nis­ter Je­re­my Hunt den Fall der Wett­be­werbs­be­hör­de für ei­ne län­ge­re Un­ter­su­chung über­gibt, will er erst die Vor­schlä­ge von News Corp prü­fen, die die Sor­gen um die Me­di­en­viel­falt lin­dern sol­len. News Corp will BSkyB voll­stän­dig über­neh­men und hält be­reits 39% am Un­ter­neh­men so­wie meh­re­re Zei­tun­gen, dar­un­ter «The Ti­mes».

Der Out­sour­cing-Di­enst­leis­ter Ser­co (–0,7% auf 554 p) will das US-Mi­li­tär­be­ra­tungs­un­ter­neh­men SRA In­ter­na­tio­nal nun doch nicht über­neh­men. Der Zu­kauf hät­te 2 Mrd. $ ge­kos­tet. Ser­co teil­te als Re­ak­ti­on auf Me­dien­spe­ku­la­tio­nen le­dig­lich mit, sie sei «mo­men­tan» nicht in Ge­sprä­chen, die zu ei­ner grös­se­ren Über­nah­me füh­ren könn­ten.

Hef­ti­ge Aus­wir­kun­gen zei­tig­te der Rück­zug ei­nes An­ge­bots für den Bank­no­ten­dru­cker De La Rue (–12,1% auf 720 p). Die fran­zö­si­sche Ober­thur hat­te zu­letzt ei­nen Preis von 935 p ge­bo­ten, was De La Rue als im­mer noch zu nied­rig ab­lehn­te (vgl. Sei­te 14). Ent­spre­chend fie­len die Ak­ti­en auf das Ni­veau von An­fang De­zem­ber zu­rück.

Um den Nah­rungs­mit­tel­ver­ar­bei­ter Nort­hern Foods (+17,5% auf 74 p) ist ein Über­nah­me­kampf im Gang. Der Un­ter­neh­mer Ran­jit Bo­pa­ran, ger­ne als Hüh­ner-Ma­gnat be­schrie­ben, weil er die füh­ren­den bri­ti­schen De­tail­händ­ler mit Hüh­ner­fleisch be­lie­fert, si­cher­te sich mit sei­nem An­ge­bot von 73 p je Ti­tel in bar die Un­ter­stüt­zung des Ver­wal­tungs­rats von Nort­hern Foods, der da­mit die Plä­ne zur Fu­si­on mit der iri­schen Green­co­re (–3,3% auf 1.16 €) über den Hau­fen warf.

Die Ak­ti­en der teil­ver­staat­lich­ten Roy­al Bank of Scot­land (–3,7% auf 43,29 p) und Lloyds Ban­king (–6,3% auf 63,15 p) ver­lo­ren. Als Grund wur­de ei­ne Auf­spal­tung der Uni­ver­sal­ban­ken in Re­tail-und In­vest­ment­teil ge­nannt, die die un­ab­hän­gi­ge Bank­kom­mis­si­on vor­schla­gen könn­te.

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