Gross­ban­ken sind un­eins über Co­co Bonds

Cre­dit Suis­se Group und UBS ha­ben un­ter­schied­li­che Stra­te­gie – Ex­per­ten­kom­mis­si­on des Bun­des sieht ge­wich­ti­ge Vor­tei­le – Steu­er­sys­tem muss an­ge­passt wer­den

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - MO­NI­CA HEGG­LIN UND THO­MAS WYSS

Die nie­der­län­di­sche Ra­bo­b­ank hat so­eben ei­nen Co­co Bond aus­ge­ge­ben und da­mit den Rei­gen der Ban­ken er­öff­net, die die­se neue Form von Pflicht­wan­del­an­lei­hen zur Stär­kung ih­rer Ei­gen­mit­tel her­an­zie­hen. Stan­dard & Poor’s schätzt, dass die Ban­ken welt­weit ver­su­chen wer­den, in den nächs­ten fünf bis zehn Jah­ren min­des­tens 1000 Mrd. $ Co­co auf­zu­neh­men, um die ver­schärf­ten re­gu­la­to­ri­schen Auf­la­gen zu er­fül­len.

Die Cre­dit Suis­se, die – im Ge­gen­satz zur UBS – der neu­en Ka­pi­tal­klas­se ge­gen­über auf­ge­schlos­sen ist und gu­te Ge­schäf­te wit­tert, war Emis­si­ons­bank für Rabo. In den kom­men­den Mo­na­ten will die CS selbst Co­co aus­ge­ben, ob­wohl es noch min­des­tens ein Jahr dau­ern dürf­te, bis sich da­für die steu­er­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen in der Schweiz ver­bes­sern. Sie sieht Staats­fonds, aber auch ge­wöhn­li­che Ob­li­ga­tio­nen­an­le­ger als Ab­neh­mer.

Fra­ge der Bi­lan­zie­rung

Noch be­fin­den sich die Vor­schlä­ge, mit de­nen der Bun­des­rat ge­mäss An­trag sei­ner Ex­per­ten­kom­mis­si­on die Sys­tem­ri­si­ken der Gross­ban­ken mil­dern will, in der Ver­nehm­las­sung. Kern­ele­ment sind Ei­gen­mit­tel­an­for­de­run­gen von 19% der ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven. Da­von müs­sen 10% in Form von Com­mon Equi­ty (Ak­ti­en­ka­pi­tal, Re­ser­ven) und 9% in Form von Co­co ge­hal­ten wer­den. Co­co sind An­lei­hen, wer­den aber beim Un­ter­schrei­ten ei­ner be­stimm­ten Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te ( Trig­ger) au­to­ma­tisch in Ak­ti­en ge­tauscht. Sie müs­sen al­so Ver­lus­te ab­sor­bie­ren, was die Sta­bi­li­tät des Fi­nanz­in­sti­tuts er­hö­hen soll­te. Für die Schwei­zer Ban­ken soll es Co­co mit ver­schie­de­nen Trig­ger-Wer­ten (5% und 7%) ge­ben.

Aus­ser­dem wer­den un­ter Ba­sel III die Ri­si­ko­ge­wich­te für Ak­ti­ven deut­lich ver­schärft und die De­fi­ni­ti­on des Ka­pi­tals en­ger ge­fasst. Die Vor­schlä­ge der Ex­per­ten­kom­mis­si­on er­ge­ben un­ter An­nah­me ei­nes un­ver­än­der­ten Ge­schäfts­mix ri­si­ko­ge­wich­te­te Ak­ti­ven von 400 Mrd. Fr. je Bank und ein Co­co-Vo­lu­men von je 36 Mrd. Fr. Vie­les bleibt un­ge­klärt, zum Bei­spiel die Fra­ge, ob Co­co als Ob­li­ga­tio­nen oder als Ak­ti­en zu bi­lan­zie­ren sind. Die of­fen­sicht­li­che Ant­wort ist: vor dem Ein­tre­ten des Trig­ger Ob­li­ga­tio­nen, nach­her Ak­ti­en. Dar­aus lei­ten sich für In­ves­to­ren ( Ver­si­che­run­gen, Fonds, Pen­si­ons­kas­sen) wich­ti­ge Kri­te­ri­en ab. Auch für die Bank er­ge­ben sich wohl Kos­ten­fol­gen, muss die CS doch ih­re aus­ste­hen­den Hy­brid­an­lei­hen durch­schnitt­lich 480 Ba­sis­punk­te hö­her ver­zin­sen als ge­wöhn­li­che An­lei­hen. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass Co­co, die die bis­he­ri­gen Hy­bridka­pi­ta­li­en er­set­zen wer­den, noch hö­her ver­zinst wer­den.

Kos­ten­grün­de näh­ren die Skep­sis der UBS. Sie wer­de erst dann Pflicht­wan­del-

Co­co Bonds, an­lei­hen be­ge­ben, wenn das Ei­gen­ka­pi­tal über Ge­winn­rück­be­halt wei­ter auf­ge­stockt wor­den sei, liess die Bank ver­lau­ten. Des­halb ver­zich­tet sie, an­ders als die CS, «bis auf wei­te­res» auf ei­ne Di­vi­den­den­zah­lung. Fi­nanz­chef Cryan hält die vor­ge­se­he­nen, auf ei­ner Ei­gen­ka­pi­tal­schwel­le von 7% wan­del­ba­ren Co­co für zu teu­er und will ge­wöhn­li­ches Ei­gen­ka­pi­tal schaf­fen, was mit den re­gu­la­to­ri­schen Auf­la­gen ver­ein­bar ist. Die Fin­ma will al­ler­dings auf der Emis­si­on von Co­co mit tie­fen Schwel­len­wer­ten (5%) be­har­ren.

Bo­nus in Form von Co­co

Ei­ne Blü­te könn­ten Co­co Bonds er­le­ben, falls sie für die Bo­nus­zah­lun­gen an Ma­na­ger her­an­ge­zo­gen wer­den soll­ten. Ge­mäss Fin­ma-Di­rek­tor Patrick Raaf­laub sind Co­co «gu­te In­stru­men­te für Gross­ban­kenVer­gü­tungs­sys­te­me». Mit auf­ge­scho­be­nen Bo­ni stel­le sich ja im­mer die Fra­ge der Ver­zin­sung, er­klär­te er ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft». Die­ses Pro­blem wür­den Co­co Bonds lö­sen. Zu­dem ha­be das Bank­ma­nage­ment ein gros­ses In­ter­es­se dar­an, dass der Trig­ger nicht aus­ge­löst wer­de. Mit Co­co wür­den so­mit die In­ter­es­sen der Bank mit den In­ter­es­sen des Ma­nage­ments gleich­ge­schal­tet.

Im Ex­per­ten­be­richt des Bun­des zur Pro­ble­ma­tik Too big to fail wur­den wei­te­re Vor­tei­le der Co­co auf­ge­lis­tet: «Die Fi­nan­zie­rung über Fremd­ka­pi­tal hat für Un­ter­neh­men Vor­tei­le. Steu­er­li­che Über­le­gun­gen, die fi­xe Ver­zin­sung, die Dis­zi- pli­nie­rungs­wir­kung auf das Ma­nage­ment und der Le­ver­a­ge-Ef­fekt, dank dem die Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te ge­stei­gert wer­den kann, spie­len da­bei ei­ne Rol­le.» Mit dem Wand­lungs­ka­pi­tal blie­ben die Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­keit über Fremd­ka­pi­tal und die da­mit ver­bun­de­nen Vor­tei­le er­hal­ten. Durch die Mög­lich­keit der Wand­lung des Fremd­ka­pi­tals in Ei­gen­ka­pi­tal in ei­ner Kri­sen­si­tua­ti­on wer­de gleich­zei­tig auch die Ei­gen­mit­tel­de­cke und da­mit die Si­cher­heit be­reits im Zeit­punkt der Aus­ga­be er­höht. «Aus­ser­dem wird mit der Wand­lung selbst die Ver­schul­dung ver­rin­gert und durch den Weg­fall von Zin­s­und Til­gungs­zah­lun­gen auch die Li­qui­di­täts­la­ge der Bank ver­bes­sert», heisst es im Be­richt.

Die Aus­ga­be von Co­co führt ge­mäss die­sen Aus­sa­gen – über die gan­ze Bi­lanz ge­se­hen – nicht zu ei­ner Auf­nah­me von zu­sätz­li­chen Mit­teln, son­dern le­dig­lich zu ei­ner Um­schich­tung in­ner­halb des Fremd­ka­pi­tals: «Zwar wer­den sich die Gläu­bi­ger ihr er­höh­tes Ri­si­ko ent­schä­di­gen las­sen, durch die Pflicht zur Wand­lung in ei­ner Kri­se wird aber gleich­zei­tig das üb­ri­ge Fremd­ka­pi­tal si­che­rer und da­mit güns­ti­ger.» Da­her soll­te der Ein­satz von Wand­lungs­ka­pi­tal kei­nen Ein­fluss auf die Ge­samt­fremd­ka­pi­tal­kos­ten und da­mit die Ren­ta­bi­li­tät der Bank ha­ben.

Ein wei­te­rer Vor­teil liegt ge­mäss Ex­per­ten­be­richt dar­in, dass sie, wenn sie ko­tiert sind, ei­ne lau­fen­de Beur­tei­lung des be­tref­fen­den Fi­nanz­in­sti­tuts durch den Markt lie­fern. «Die­ses Si­gnal leis­tet ei­nen Bei­trag zur früh­zei­ti­gen Er­ken­nung von Kri­sen.» Schliess­lich wür­den Fremd­ka­pi­tal­ge­bern in ei­ner Kri­se Kos­ten über­tra­gen, die sonst Drit­te – un­ter an­de­rem der Staat – zu tra­gen hät­ten.

Noch be­ste­hen steu­er­li­che Hin­der­nis­se für die Aus­ga­be be­ding­ter Pflicht­wan­del­an­lei­hen und ähn­li­cher In­stru­men­te. In der Ver­nehm­las­sung schlägt der Bun­des­rat steu­er­li­che Er­leich­te­run­gen für Emis­sio­nen im In­land vor: Die Emis­si­ons­ab­ga­be auf Ob­li­ga­tio­nen und Geld­markt­pa­pie­ren wird ab­ge­schafft. Die Be­tei­li­gungs­rech­te aus der Wand­lung sol­cher An­lei­hen wer­den von der Emis­si­ons­ab­ga­be be­freit. Und die klas­si­sche Ver­rech­nungs­steu­er wird zu­guns­ten ei­ner Zahl­stel­len­steu­er auf Zin­sen von Ob­li­ga­tio­nen und Geld­markt­pa­pie­ren ab­ge­schafft.

Al­les ei­ne Fra­ge der Ba­lan­ce:

die im Not­fall in Ei­gen­ka­pi­tal ge­wan­delt wer­den, kön­nen sich für Ban­ken als Se­gen er­wei­sen.

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