Ka­pi­tal wird nicht teu­rer

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - TM

Ra­bo­b­ank hat den ers­ten Tier-1-Hy­brid lan­ciert, der den neu­en har­ten Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen ge­nügt. Die Ren­di­te be­trägt 8,375%. Zum Ver­gleich: Cre­dit Suis­se weist als Spre­ad bis­he­ri­ger nach­ran­gi­ger An­lei­hen zu vor­ran­gi­gen 100 bis 750 Ba­sis­punk­te (Bp) auf. Für den letz­ten vor­ran­gi­gen, va­ria­bel ver­zins­ten Fran­ken­bond bot Ra­bo­b­ank 20 Bp über Drei­mo­nats­li­bor (vgl. FuW Nr. 4 vom 15. Ja­nu­ar, Sei­te 5). Die Neu­emis­si­on stellt in­des kei­nen lu­pen­rei­nen Con­tin­gent Con­ver­ti­ble (Co­co) dar, da we­gen Ra­bos Ge­nos­sen­schafssstruk­tur nicht in Ak­ti­en ge­wan­delt wer­den kann.

Ge­mäss Swiss Fi­nish dür­fen Ban­ken ma­xi­mal 9% der ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven (RGA) mit Co­co un­ter­le­gen. Da die bei­den Gross­ban­ken zu­sam­men rund 400 Mrd. Fr. RGA auf die Wa­ge brin­gen, müss­ten Co­co über rund 72 Mrd. Fran­ken emit­tiert wer­den. Her­um­ge­reicht wird da­her die Be­fürch­tung, dass da­durch in ei­nem recht klei­nen Emis­si­ons­markt wie dem des Fran­kens an­de­re Schuld­ner ver­drängt wür­den (Crodwing-out) bzw. auch an­de­re Schuld­ner hö­he­re Zin­sen be­zah­len müss­ten. Doch ers­tens senkt mehr ver­lust­ab­sor­bie­ren­des Ka­pi­tal des­sen Kos­ten ge­ra­de ( ja selbst das von Fremd­ka­pi­tal), da die Bank bes­ser ab­ge­stützt ist: Je­de Ein­heit Ka­pi­tal trägt we­ni­ger Ri­si­ko, der von den In­ves­to­ren ver­lang­te Ri­si­ko­auf­schlag sinkt.

Zu­dem geht es nicht um das Zins­ni­veau im en­ge­ren Sinn, son­dern um die Ri­si­ko­kom­po­nen­te für die­se Art Schul­den. Kon­kur­renz be­stün­de al­len­falls für An­lei­hen von Un­ter­neh­men mit der­sel­ben Bo­ni­tät. Doch da­ge­gen spricht die Di­ver­si­fi­zie­rung der An­le­ger: Ban­ken­lei­hen sind kei­ne per­fek­ten Sub­sti­tu­te für Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. Und selbst wenn – trotz Sub­sti­tu­ti­ons­ef­fekt durch weg­fal­len­de Hy­bri­de, die nach Ba­sel III nicht mehr emit­tiert wer­den – we­gen der hö­he­ren An­for­de­run­gen ins­ge­samt mehr Ka­pi­tal nach­ge­fragt bzw. die­ses knap­per wür­de, könn­te das neue In­stru­ment auch ei­ne neue Nach­fra­ge ge­ne­rie­ren und fri­sches Ka­pi­tal an­zie­hen – ge­treu dem Say’schen Theo­rem: Ein gu­tes Pro­dukt schafft sich die Nach­fra­ge selbst.

Dies­be­züg­lich gibt es in­des Be­den­ken: Ab­ge­se­hen von der steu­er­li­chen Be­nach­tei­li­gung von In­land­be­ge­bun­gen, die aus Fi­nanz­sta­bi­li­täts­sicht ge­ra­de wün­schens­wert wä­ren, könn­te sich ein Bond mit aus­ge­präg­ten Ak­ti­en­ri­si­ken als La­den­hü­ter ent­pup­pen (vgl. FuW Nr. 79 vom 9. Ok­to­ber 2010). Zu klä­ren bleibt auch die Re­po­fä­hig­keit. Zwar müs­sen Fran­ken­an­lei­hen nur ein Sing­le-A auf­wei­sen. Doch die von der Na­tio­nal­bank ak­zep­tier­ten Ef­fek­te müs­sen «auf ei­nen fes­ten Ka­pi­tal­be­trag, des­sen Rück­zah­lung nicht an Be­din­gun­gen ge­knüpft ist», lau­ten. Ef­fek­ten von Schwei­zer Ban­ken sind i. d .R. nicht ak­zep­tiert.

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