Die Dy­na­mik im Che­mie­sek­tor lässt nach

Ho­he Ver­gleichs­ba­sis schmä­lert Wachs­tum 2011 – For­schung ent­schei­dend für lang­fris­ti­gen Er­folg – Ak­ti­en Cla­ri­ant blei­ben mit­tel­fris­tig reiz­voll

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - FRAN­ZIS­KA PFIS­TER

Un­ge­bro­chen, aber nur noch leicht, soll es die­ses Jahr im Che­mie­sek­tor auf­wärts­ge­hen. So lau­tet zu­min­dest die Er­war­tung in der Bran­che. Sie ist mit Vor­sicht zu ge­nies­sen, auch wenn zur­zeit nichts auf ei­nen Nach­fra­ge­knick hin­deu­tet. Doch die Vor­lauf­zeit für Be­stel­lun­gen ist kurz, die Pl­an­bar­keit ge­ring. Gröss­te Her­aus­for­de­rung stel­len stark schwan­ken­de Roh­stoff­prei­se dar.

2010 war ein su­per Jahr für die eu­ro­päi­schen An­bie­ter. Dass die Kun­den die La­ger so rasch wie­der so stark auf­fül­len wür­den, über­rasch­te selbst Füh­rungs­kräf­te aus der Bran­che. Ent­spre­chend gross war der Run auf Che­mie­ak­ti­en. Zu Jah­res­be­ginn setz­te je­doch ei­ne Kor­rek­tur ein. Die­se geht wohl mehr auf Ge­winn­mit­nah­men zu­rück als auf die Furcht vor ei­ner Kon­junk­tur­del­le. Den­noch scheint der Spiel­raum für wei­te­re Avan­cen auf kur­ze Sicht li­mi­tiert zu sein. Be­ach­tens­wert blei­ben die Ti­tel für mit­tel­fris­tig dis­po­nie­ren­de An­le­ger, die auf ei­nen an­hal­ten­den, for­schen Auf­schwung set­zen, al­le­mal.

Ob­wohl vie­le Che­mieti­tel mar­kant vor­ge­rückt sind, lie­gen die Be­wer­tun­gen klar un­ter den his­to­ri­schen Mit­tel­wer­ten: Von 2004 bis zur Fi­nanz­kri­se wur­den eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men zum Kurs-Ge­win­nVer­hält­nis 14 bis 16 be­wer­tet. Ba­sie­rend auf Kon­sens­schät­zun­gen der Ana­lys­ten no­tie­ren Cla­ri­ant, BASF und Lan­xess ak­tu­ell zu KGV 2011 von 9 bis 10.

Roh­stof­fe ver­teu­ert

Pro­gno­sen zum Ge­schäfts­gang des lau­fen­den Jah­res wag­te bis­lang kein Kon­zern. «Wir sind auch für die Zu­kunft klar op­ti­mis­tisch», er­klär­te Lan­xess-Chef Axel Heit­mann Mit­te Ja­nu­ar va­ge in ei­nem In­ter­view mit dem deut­schen «Ta­ges­spie­gel». An­de­re Un­ter­neh­men si­gna­li­sie­ren, dass sie mit ei­ner sta­bi­len Nach­fra­ge rech­nen. Wachs­tums­sprün­ge lie­gen aber nicht drin. Denn an­ders als 2010 ist die Ver­gleichs­ba­sis an­spruchs­voll. Die meis­ten An­bie­ter be­schnit­ten in der Kri­se Kos­ten und Ka­pa­zi­tät. Der ge­dros­sel­te Aus­stoss ver­half ih­nen ne­ben ei­ner hö­he­ren Aus­las­tung (vgl. Gra­fik) auch zu neu­er Preis­macht. Die gilt es in nächs­ter Zeit zu ver­tei­di­gen. Je stär­ker die Prei­se für Roh­stof­fe schwan­ken, des­to schwie­ri­ger wird das.

«Das Tem­po der Er­ho­lung wird sich in den nächs­ten Mo­na­ten wei­ter ver­lang­sa- men», pro­gnos­ti­zier­te Klaus En­gel, Prä­si­dent des deut­schen Bran­chen­ver­bands VCI Mit­te De­zem­ber vor den Me­di­en. Gros­se Zu­wachs­ra­ten sei­en in den nächs­ten Mo­na­ten nicht zu er­war­ten – auch nicht in den Schwel­len­län­dern. Mit ei­nem kon­junk­tu­rel­len Rück­schlag rech­ne in der Bran­che in­des «kaum je­mand».

Der Ver­band er­war­tet 2011 ein Um­satz­wachs­tum von 4% und ei­nen um 2,5% hö­he­ren Aus­stoss. Ana­lys­ten rech­nen für BASF und Lan­xess mit ei­nem hö­he­ren ein­stel­li­gen Zu­wachs des Ge­winns je Ak­tie. Cla­ri­ants Er­geb­nis wur­de 2010 noch stark ver­zerrt durch die Re­struk­tu­rie­rung. Die­se Be­las­tung fällt 2011 weg, ein Ge­winn­sprung wird die Fol­ge sein (vgl. Ak­ti­en­sta­tis­tik).

Von ei­nem selbst­tra­gen­den Auf­schwung der Welt­wirt­schaft kön­ne nicht die Re­de sein, warnt En­gel vom VCI. Brem­sen wird mit­tel­fris­tig, dass vie­le Staa­ten Spar­schrit­te ein­ge­lei­tet ha­ben. In den meis­ten Län­dern sind zu­dem die Kon­junk­tur­för­der­pro­gram­me aus­ge­lau­fen. Ge­fah­ren blei­ben da­ne­ben ei­ne Über­hit­zung oder Bla­sen in Schwel­len­län­dern, die als Ab­satz­märk­te ste­tig be­deu­ten­der wer­den. Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds warn­te am Di­ens­tag vor ei­nem wach­sen­den In­fla­ti­ons­druck in In­di­en und Chi­na.

Kon­kur­renz aus Asi­en

Cla­ri­ant hat sich ge­mäss Aus­sa­gen des Ma­nage­ments kos­ten­mäs­sig ei­nen Vor­sprung auf die Wett­be­wer­ber er­ar­bei­tet und strebt pro­fi­ta­bles Wachs­tum an. Der lang­fris­ti­ge Er­folg hängt von der For­schung ab: ob es dem Kon­zern ge­lingt, in­no­va­ti­ve, mar­gen­star­ke Spe­zia­li­tä­ten zu ent­wi­ckeln. Nur so kann die er­star­ken­de Bil­lig­kon­kur­renz aus Asi­en auf Ab­stand ge­hal­ten wer­den. Lan­xess-Chef Heit­mann kon­tert die­se Her­aus­for­de­rung be­tont selbst­be­wusst: «Wir ha­ben die bes­se­re Tech­no­lo­gie!» Die­sen Weg müs­sen auch die Ba­sel­bie­ter ge­hen.

Wie ver­hal­ten sich die Kun­den? Die Vor­lauf­zeit von Be­stel­lun­gen ist in der Che­mie sehr kurz.

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