Plä­doy­er der Fin­ma für den SST

Pro­ble­me ra­scher er­ken­nen – «Ver­si­che­rungs­bran­che im Gros­sen und Gan­zen in gu­tem Zu­stand»

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - ARNO SCHMO­CKER

Seit An­fang Ja­nu­ar ist der Swiss Sol­vency Test (SST) de­fi­ni­tiv in Kraft. Er soll der Fi­nanz­markt­auf­sichts­be­hör­de Fin­ma ein wirk­sa­mes In­stru­ment zur Beur­tei­lung der fi­nan­zi­el­len Ver­fas­sung (Sol­venz) von Ver­si­che­run­gen lie­fern. Trotz jah­re­lan­ger Vor­be­rei­tungs-und Test­pha­se sind noch nicht al­le Tei­le des ver­schärf­ten Auf­sichts­re­gimes in St­ein ge­meis­selt. Die un­ter dem nied­ri­gen Zins­ni­veau äch­zen­de Bran­che hat in den letz­ten Mo­na­ten im­mer wie­der Vor­be­hal­te an­ge­bracht.

Im Grund­satz sind die neu­en Vor­schrif­ten des SST un­be­strit­ten. Das frü­he­re Re­gime, Sol­venz I, bil­de­te Markt-und Kre­dit­ri­si­ken un­zu­läng­lich ab. «Im Sol­venz-IQuo­ti­ent hät­te die jüngs­te Fi­nanz­kri­se gar nicht statt­ge­fun­den», mein­te Re­né Schnie­per, Lei­ter des Fin­ma-Ge­schäfts­be­reich Ver­si­che­run­gen, an ei­nem Tref­fen mit der Pres­se am Di­ens­tag.

Im Prin­zip ja, aber . . .

Anstoss für ein neu­es Re­gime war die Ak­ti­en­markt­kri­se 2001/02, in die ei­ni­ge Ver­si­che­run­gen mit viel zu ho­hem Ri­si­ko im Wert­schrif­ten­porte­feuille schlit­ter­ten. In der Fol­ge ent­wi­ckel­te die Auf­sichts­be­hör­de den SST – un­ter Ein­be­zug der Ver­si­che­run­gen, wie Fin­ma-Di­rek­tor Patrick Raaf­laub un­ter­strich. En­de 2010 en­de­te die fünf­jäh­ri­ge Über­gangs­frist.

Die Kri­tik aus der Bran­che ent­zün­de­te sich denn auch nicht an den Mecha­nis­men des SST sel­ber, son­dern an der Aus­ge­stal­tung (Ka­li­brie­rung). Et­li­che Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men mo­nier­ten et­wa, ei­ne «si­che­re» An­la­ge­ka­te­go­rie wie ver­mie­te­te Ren­di­te­lie­gen­schaf­ten müs­se mit zu viel Ei­gen­ka­pi­tal un­ter­legt wer­den.

Ei­ne gros­se Sor­ge der Erst-und der Rück­ver­si­che­rer ist zu­dem, im Ver­gleich zur Kon­kur­renz in der EU be­nach­tei­ligt zu wer­den. Das in den Grund­sät­zen ver­gleich­ba­re EU-Re­gel­werk Sol­vency II tritt frü­hes­tens (bzw. ver­spä­tet) 2013 in Kraft. Fin­ma-Di­rek­tor Raaf­laub ist sich der zeit­li­chen Dif­fe­renz und «der dar­aus re­sul­tie­ren­den Kon­se­quen­zen für die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men sehr be­wusst». Doch für die Auf­sichts­be­hör­de ha­ben die bei­den Haupt­zie­le des SST, ein ver­bes­ser­ter Schutz der Ver­si­cher­ten und ei­ne hö­he­re Sys­tem­sta­bi­li­tät, Vor­rang. Zu­dem wer­de sich die Fin­ma über­le­gen, An­pas­sun­gen vor­zu­neh­men, so­bald mehr Ein­zel­hei­ten über Sol­vency II be­kannt sei­en.

Die Fin­ma ver­spricht sich mit dem SST ein prä­zi­se­res Bild der öko­no­mi­schen Ri­si­ko­si­tua­ti­on der Ver­si­che­rer als frü­her. Ak­ti­ven und Pas­si­ven wer­den markt­nah und nicht mehr auf his­to­ri­schen Wer­ten be­wer­tet. Zu­dem wer­den die Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen ri­si­ko­ge­recht aus­ge­stal­tet. Auch soll der Ri­si­ko­steue­rungs­pro­zess in der Bi­lanz (As­set & Lia­bi­li­ty Ma­nage­ment) ver­bes­sert wer­den. Ins­ge­samt er­mög­li­che der SST ein «früh­zei­ti­ges Ein­grei­fen» im Kri­sen­fall, be­ton­te Raaf­laub.

Für In­ves­to­ren wich­tig zu wis­sen: Weil die An­for­de­run­gen an die Ka­pi­tal­un­ter­le­gung stei­gen, wird der SST-Quo­ti­ent nied­ri­ger sein als die Sol­venz I; zu­dem wird er we­gen des markt­na­hen An­sat­zes hef­ti­ger schwan­ken. Es ob­liegt den Ver­si­che­rern, wie de­tail­liert sie über den SST be­rich­ten.

Mass­nah­men grei­fen

Die Fin­ma stellt der Bran­che ins­ge­samt ein gu­tes Zeug­nis aus. Die letz­ten vor­lie­gen­den Re­sul­ta­te des SST er­ga­ben, dass die meis­ten Un­ter­neh­men aus­rei­chend bis sehr gut mit Ka­pi­tal aus­ge­rüs­tet wa­ren. Per Stich­tag 1. Ja­nu­ar 2010 er­füll­ten neun von 133 Ver­si­che­rern den SST-Test nicht.

Schnie­per liess durch­bli­cken, dass der ak­tu­el­le Test (1. Jan. 2011) eher bes­ser aus­ge­fal­len ist, weil die Durch­ge­fal­le­nen Mass­nah­men er­grif­fen ha­ben. Da­zu zäh­len ei­ne Re­duk­ti­on von Ri­si­ken, Hy­brid­an­lei­hen, Rück­ver­si­che­rungs­lö­sun­gen und das Kür­zen von Ren­ten­über­schüs­sen. Ein un­mit­tel­ba­rer An­lass, Ak­ti­en­ka­pi­tal am Markt auf­zu­neh­men, sieht die Fin­ma nicht. Hin­ge­gen dürf­ten Un­ter­neh­men mit ei­nem SST-Quo­ti­ent un­ter 100% kei­ne Di­vi­den­den aus­zah­len. Un­ter 80% könn­te die Fin­ma zum Bei­spiel Tei­le des Neu­ge­schäfts mit be­son­ders ri­si­ko­rei­chen Pro­duk­ten ver­bie­ten. Un­ter 33% schliess­lich ent­zieht sie die Be­wil­li­gung.

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