Of­fe­ne Märk­te als Kern­an­lie­gen

Bun­des­rat Schnei­der-Am­mann for­ciert Frei­han­dels­ab­kom­men – Ver­hand­lun­gen mit Brüssel be­le­ben – Auf Be­grüs­sungs­tour­nee

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - MAN­FRED RÖSCH

Märk­te stan­den für den In­dus­tri­el­len Jo­hann Schnei­der-Am­mann stets im Vor­der­grund, Märk­te sind auch für den Volks­wirt­schafts­mi­nis­ter Schnei­der-Am­mann zen­tral. Nach 85 Ta­gen Ei­n­ar­bei­tung skiz­zier­te der neue Bun­des­rat zu Wo­chen­be­ginn sei­ne po­li­ti­schen Stoss­rich­tun­gen. Sein Kern­an­lie­gen ist es, der Schwei­zer Wirt­schaft den Zu­gang zu Ex­port­märk­ten zu er­leich­tern. Bin­nen 24 Mo­na­ten möch­te Schnei­derAm­mann ein Frei­han­dels­ab­kom­men mit Chi­na ab­schlies­sen, zu­dem wer­den Ge­sprä­che mit In­di­en, In­do­ne­si­en so­wie der Zoll­uni­on Russ­land/Weiss­russ­land/ Ka­sachs­tan vor­an­ge­trie­ben. All das soll ge­mäss dem Wirt­schafts­mi­nis­ter auch hel­fen, die Ab­hän­gig­keit von der do­mi­nie­ren­den Kun­den­wäh­rung Eu­ro zu ver­rin­gern.

Apro­pos Eu­ro: Schnei­der-Am­mann ent­hielt sich ei­ner Aus­sa­ge zum Wech­sel­kurs und ver­wies auf die Zu­stän­dig­keit der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank. Viel mehr als ei­ne Un­ter­stüt­zung des Tou­ris­mus­mar­ke­tings dürf­te die Eid­ge­nos­sen­schaft nicht un­ter­neh­men; die­ser Ein­druck ent­stand je­den­falls. Der po­li­ti­schen Lin­ken, die hier­zu wie auch in an­de­ren Be­rei­chen In­ter­ven­tio­nis­mus for­dert, er­teil­te Schnei­der-Am­mann in der Fra­ge­run­de un­miss­ver­ständ­li­che Ab­sa­gen, et­wa zu den The­men ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten zu Min­dest­löh­nen und lohn­mäs­si­ger Gleich­be­hand­lung der Ge­schlech­ter.

Pa­ket­lö­sung mit der EU

Der weit­aus be­deu­tends­te Ab­satz­markt für die Schwei­zer Wirt­schaft bleibt einst­wei­len die EU. Für Schnei­der-Am­mann ist klar, dass der bi­la­te­ra­le Weg noch längst nicht am En­de ist; er hat für ent­spre­chen­des Rau­nen aus Brüssel kein Ver­ständ­nis, und für ihn kommt auch kein an­de­res Vor­ge­hen in Fra­ge – Ab­schot­tung frei­lich eben­so we­nig. Sein An­satz, al­le of­fe­nen Ver­hand­lungs­ge­gen­stän­de mit der EU (Strom, Phar­ma, Emis­si­ons­han­del usf.) als Pa­ket auf den Tisch zu le­gen, weil sich im Rah­men ei­ner grös­se­ren Mas­se an The­men eher Kom­pro­mis­se und Ge­gen­ge­schäf­te au­s­tüf­teln lies­sen, dürf­te im und ums Bun­des­haus wohl am meis­ten für Auf­merk­sam­keit ge­sorgt ha­ben; Schnei­der-Am­mann spricht von den «Bi­la­te­ra­len III». Zu den ent­schei­den­den Dos­siers wer­de das The­ma Steu­ern zäh­len; ge­lin­ge dort nichts, sei auch in an­de­ren Fra­gen vie­les blo­ckiert.

Knack­punkt Land­wirt­schaft

In­nen­po­li­tisch über­aus hei­kel – in­di­rekt pro­por­tio­nal zur volks­wirt­schaft­li­chen Be­deu­tung die­ses Sek­tors – wird auch das The­ma Agrar­frei­han­del mit der EU sein. Für Schnei­der-Am­mann sind die Schwei­zer Bau­ern Un­ter­neh­mer, die Chan­cen pa­cken und Ri­si­ken tra­gen sol­len. Sie müss­ten sich dem Markt stel­len; ei­ne pro­du­zie­ren­de Land­wirt­schaft sol­le auch ex­por­tie­ren und brau­che da­her of­fe­ne Ab­satz­märk­te. Wie das wohl auf den Hö­fen an­kommt? Selbst das Par­la­ment frönt, geht’s um Acker­bau und Vieh­zucht, no­to­risch der Pl­an­wirt­schaft: In der Herbst­ses­si­on 2010 stimm­te der Na­tio­nal­rat ei­nem Vor­stoss zu, der die Wie­der­ein­füh­rung der Milch­kon­tin­gen­tie­rung ver­langt.

Schnei­der-Am­mann wird die­ser Ta­ge am Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos Kon­tak­te knüp­fen. Es sind Tref­fen mit rund dreis­sig Mi­nis­tern vor­ge­se­hen. Im Ver­lauf des Jah­res wird der Bun­des­rat, der als Ma­schi­nen­in­dus­tri­el­ler weiss, wo heu­te die Mu­sik spielt, in die Bric-Staa­ten (Bra­si­li­en, Russ­land, In­di­en, Chi­na) rei­sen.

Der Wirt­schafts­mi­nis­ter mach­te ins­ge­samt ei­nen mo­ti­vier­ten und auf­ge­räum­ten Ein­druck. Sein Steig­flug dürf­te bald in Rei­se­ge­schwin­dig­keit auf Flug­hö­he über­ge­hen. Schnei­ders eher zu­rück­hal­ten­de, se­riö­se Art wird ihm in zä­hen Ver­hand­lungs­run­den in Bern und im Aus­land von Nut­zen sein – egal, was Me­di­en der auf­ge­reg­te­ren Sor­te von die­sem Stil hal­ten.

Für Wirt­schafts­mi­nis­ter Schnei­der-Am­mann gibt es mit der EU nur den bi­la­te­ra­len Weg.

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