ABB – al­les bleibt bes­tens

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - AL­FONS CORTES

Am 18. März 2009 er­schien in die­ser Zei­tung ei­ne Ko­lum­ne mit dem Ti­tel «Die Ak­ti­en ABB sind kau­fens­wert ge­wor­den». Da­nach folg­ten bis zum 4. Au­gust 2010 drei wei­te­re po­si­ti­ve Ein­schät­zun­gen. Heu­te le­ge ich mit der vier­ten nach. Da­bei ver­su­che ich ein zu­sätz­li­ches Mal an­hand der Va­lo­ren ABB zu er­läu­tern, wie die Bol­lin­ger-Bän­der op­ti­mal ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Sie bie­ten her­vor­ra­gen­de Di­ens­te in der Be­ant­wor­tung der ent­schei­den­den Fra­ge: Muss ich Con­tra­ri­an oder Trend­fol­ger sein?

Ge­gen oder mit der Mas­se?

Con­tra­ri­an konn­te man im März 2009 sein. Der Grund lag in der Bla­se, die sich so­wohl im Zehn-als auch im ab­ge­bil­de­ten Zwan­zig­mo­na­te­band ein­ge­stellt hat­te. Sie ist dar­an er­kenn­bar, dass im Sep­tem­ber 2008 die obe­re und die un­te­re Be­gren­zung sich öff­ne­ten und im März 2009 die obe­re sich wie­der zu schlies­sen be­gann. Von die­sem Zeit­punkt an durf­te man sich nicht mehr als zu gut vor­kom­men, mit der Mas­se zu ge­hen, denn die­se zog die Kur­se nach oben. Die Zeit war ge­kom­men, dem glei­ten­den Durch­schnitt von zwan­zig Mo­na­ten wie­der sei­ne Be­deu­tung als Trend­an­zei­ger zu­zu­ge­ste­hen. Die­se Funk­ti­on über­nahm er denn auch, als die Kurs­rück­schlä­ge im April 2010 ein­setz­ten und bis Ju­ni an­hiel­ten.

Die Fra­ge, wie viel To­le­ranz für in je­dem Auf­wärts­trend vor­kom­men­de Rück­schlä­ge ge­währt wer­den soll, war mit die­sem ein­fa­chen Kon­zept von vorn­her­ein klar be­ant­wor­tet: bis zum Durch­schnitt von zwan­zig Mo­na­ten. Oh­ne glei­ten­den Durch­schnitt ist es sehr schwer, die To­le­ranz­gren­ze für Kurs­schwan­kun­gen fest­zu­le­gen. Oh­ne Bol­lin­ger-Bän­der ist es fer­ner nicht mög­lich, ob­jek­tiv und für al­le Ak­ti­en un­ter An­wen­dung glei­cher Kri­te­ri­en zu be­stim­men, wann ein glei­ten­der Durch­schnitt sei­ne Funk­ti­on als Trend­in­di­ka­tor ver­liert – näm­lich wenn Bla­sen ent­ste­hen – und wann er sie zu­rück­ge­winnt, näm­lich dann, wenn Bla­sen wie im März 2009 plat­zen.

Sub­jek­ti­ve Trend­li­ni­en

Trend­li­ni­en kön­nen nie­mals Bol­lin­gerBän­der er­set­zen, weil sie sehr sub­jek­tiv sind und vor al­lem ei­nes nicht er­lau­ben: den Ver­gleich ver­schie­de­ner Ob­jek­te un­ter An­wen­dung des­sel­ben Mass­stabs. Von Ok­to­ber 2008 bis März 2009 ent­stan­den Bla­sen wie in den ABB-Ak­ti­en bei ei­ner Viel­zahl von Ti­teln, de­ren Emit­ten­ten ei­ne Ähn­lich­keit auf­wie­sen: Ihr Ge­schäfts­mo­dell war zy­klisch.

Für mich gibt es kei­nen Zwei­fel, dass ich den Gang von Chi­nas Kon­junk­tur, von der an­geb­lich für ABB so viel ab­hängt, so we­nig vor­her­sa­gen kann wie die ABB-Kur­se oder al­le an­de­ren mög­li­chen Ein­flüs­se im Ver­lauf der kom­men­den Mo­na­te. So­lan­ge je­doch die re­la­ti­ve Stär­ke und die Zwan­zig-Mo­na­te-Bol­lin­ger-Bän­der po­si­tiv blei­ben, gibt es kei­nen Grund, dem Kauf­si­gnal von März 2009 zu wi­der­spre­chen und zu früh aus die­ser Ak­tie aus­stei­gen zu wol­len.

Zum Schluss die Be­ant­wor­tung ei­ner Fra­ge, die nicht ge­stellt wur­de, die aber wich­tig ist: War­um Zwan­zig­mo­nate­bän­der und nicht auf Wo­chen oder Ta­ge ver­kürz­te? Weil Ta­ges­schwan­kun­gen sehr we­nig und Wo­chen­schwan­kun­gen we­nig aus­sa­gen. Die we­sent­li­chen In­for­ma­tio­nen kom­men auf Ba­sis von Mo­nats­da­ten zu­stan­de. Be­ha­vioral-Fi­nan­ce-For­scher pro­du­zie­ren ei­ne stei­gen­de Zahl von Un­ter­su­chun­gen, die be­le­gen, dass am bes­ten fährt, wer nur spo­ra­disch auf die Kur­se ach­tet. Die Dau­er­be­rie­se­lung mit Kurs­da­ten, vor al­lem in Re­al Ti­me, führt nicht zu ei­nem bes­se­ren, son­dern zu ei­nem schlech­te­ren Ver­ständ­nis der Märk­te. Ta­ge­scharts die­nen nur als Hilfs­mit­tel bei der Fra­ge, wann auf der Grund­la­ge von Mo­nats­da­ten ge­fäll­te Ent­schei­de wie um­ge­setzt wer­den sol­len. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.