Ethos rüf­felt Ak­tio­nä­re wie auch Un­ter­neh­men

GV-Stimm­be­tei­li­gung kri­ti­siert – Selbst­re­gu­lie­rung ge­schei­tert?

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - MA

Nach jah­re­lan­gem Ein­satz für Ak­tio­närs­rech­te tritt Ethos mitt­ler­wei­le selbst­be­wusst auf. Un­ter dem Ti­tel «Was die in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren be­we­gen wird» lud die Gen­fer An­la­gestif­tung die Me­di­en am Di­ens­tag zu ei­ner Prä­sen­ta­ti­on aus An­lass der be­vor­ste­hen­den GV-Sai­son ein. Aus­ser über be­schei­de­ne Stimm­be­tei­li­gung und um­strit­te­ne Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen spra­chen Di­rek­tor Do­mi­ni­que Bie­der­mann und sein Team auch über Ab­stim­mun­gen und die Ver­gü­tungs­po­li­tik.

Für die Er­mitt­lung der Stimm­be­tei­li­gung ana­ly­sier­te Ethos Generalversammlungen der hun­dert gröss­ten ko­tier­ten Un­ter­neh­men in der Schweiz. Bei vier­zehn Ge­sell­schaf­ten liess sich je­doch die ex­ak­te Stimm­be­tei­li­gung nicht eru­ie­ren, da die Pro­to­kol­le nicht ver­füg­bar sind. Bei Un­ter­neh­men wie Bâ­loi­se, Ems-Che­mie oder For­bo muss der In­ter­es­sier­te das Pro­to­koll vor Ort am Haupt­sitz ein­se­hen. Dass im Schnitt nur 55% der Ak­tio­nä­re an der GV teil­nah­men und ab­stimm­ten, be­zeich­ne­te Bie­der­mann als un­be­frie­di­gend. «Wer Rech­te ein­for­dert, muss sie auch aus­üben», sag­te er vor al­lem an die Adres­se der in­sti­tu­tio­nel­len An­le­ger.

Pro­blem Ka­pi­tal­er­hö­hung

Am Her­zen liegt Ethos das The­ma Ka­pi­tal­er­hö­hung, das bei Ge­sell­schaf­ten wie Te­me­nos und Tran­so­ce­an 2010 zu Dif­fe­ren­zen zwi­schen Ak­tio­nä­ren und Ver­wal­tungs­rat führ­te. Das Pro­blem or­tet Bie­der­mann be­son­ders bei Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen oh­ne Be­zugs­recht für die Al­t­ak­tio­nä­re. Mit ei­nem GV-Be­schluss über ei­ne ge­neh­mig­te oder be­ding­te Ka­pi­tal­er­hö­hung ha­be der Ver­wal­tungs­rat auf Vor­rat die Mög­lich­keit, das Ei­gen­ka­pi­tal um bis zu 50% zu er­hö­hen. Im an­gel- säch­si­schen Raum sei­en hier die Gren­zen viel en­ger ge­setzt. Ethos wol­le bei solch ge­wich­ti­gen Ent­schei­den mit­re­den, wes­halb bei um­fang­rei­chen Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen zwin­gend ei­ne aus­ser­or­dent­li­che GV ein­be­ru­fen wer­den müs­se. Aus­län­di­sche In­ves­to­ren re­agier­ten mit Un­ver­ständ­nis auf den gros­sen Spiel­raum hie­si­ger Un­ter­neh­men. Bie­der­mann or­tet hier auch ei­nen mög­li­chen Grund, wes­halb US-Ge­sell­schaf­ten wie Tran­so­ce­an und Wea­ther­ford sich in der Schweiz ko­tie­ren las­sen.

Um­strit­te­ne Ver­gü­tun­gen

In Sa­chen kon­sul­ta­ti­ve Ab­stim­mung über den Ver­gü­tungs­be­richt scheint für Ethos die Schlacht ge­schla­gen. Nach­dem die wich­tigs­ten SMI-Un­ter­neh­men, dar­un­ter zu­letzt No­var­tis, ein­lenk­ten, will Ethos hier nicht mehr all­zu sehr Druck ma­chen. Un­ter den hun­dert gröss­ten ko­tier­ten Un­ter­neh­men füh­ren ge­mäss ei­ner Um­fra­ge ein Drit­tel die Ab­stim­mung durch, ein Drit­tel ver­wei­gert sich da­ge­gen ex­pli­zit. Die üb­ri­gen Ge­sell­schaf­ten sind ent­we­der noch un­ent­schlos­sen oder ha­ben nicht ge­ant­wor­tet. Die Un­ter­neh­men hät­ten stets auf Selbst­re­gu­lie­rung in die­ser Fra­ge ge­pocht. An­ge­sichts die­ser Zah­len müs­se er sich aber schon fra­gen, ob dies nun er­füllt sei.

Un­ter den SMI-Un­ter­neh­men leh­nen Ac­te­li­on, Ri­che­mont und Swatch Group ei­ne Ab­stim­mung über die Lohn­po­li­tik aus­drück­lich ab, Ju­li­us Bär und Syn­gen­ta ha­ben noch nicht ent­schie­den, ei­ne Ant­wort schul­dig ge­blie­ben ist Syn­thes.

Die Ver­gü­tungs­po­li­tik der Un­ter­neh­men, nicht zu­letzt der Ban­ken, wird er­neut für Ge­sprächs­stoff un­ter Ak­tio­nä­ren und in der Öf­fent­lich­keit sor­gen. Er­öff­net wird die dies­jäh­ri­ge GV-Sai­son am 22. Fe­bru­ar von No­var­tis.

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