Ers­ter Schlag­ab­tausch an der Fein­tool-GV

Franke-Chef Pie­per will sein An­ge­bot für den Au­to­zu­lie­fe­rer nicht auf­bes­sern – Grün­der und Gross­ak­tio­när Bösch lässt al­les of­fen – Ab­war­ten heisst die De­vi­se

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - CHRIS­TOPH GISIGER

Der Macht­kampf um Fein­tool hält die Bör­se auf Tr­ab. An der or­dent­li­chen Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom Di­ens­tag sind sich die bei­den ri­va­li­sie­ren­den Gross­ak­tio­nä­re, Fritz Bösch und Michael Pie­per, nun von An­ge­sicht zu An­ge­sicht ge­gen­über­ge­stan­den.

Seit der In­dus­tri­el­le Michael Pie­per über­ra­schend ein öf­fent­li­ches Kauf­an­ge­bot lan­ciert hat, steht das auf Fein­schnei­de-und Um­form­tech­no­lo­gie spe­zia­li­sier­te Un­ter­neh­men im Brenn­punkt. Der In­ha­ber der Franke-Grup­pe und mit 33% gröss­te Ak­tio­när von Fein­tool zielt dar­auf ab, «kla­re Mehr­heits­ver­hält­nis­se für ei­ne ef­fi­zi­en­te Füh­rung und stra­te­gi­sche Aus­rich­tung» zu schaf­fen. Sein Vor­stoss rich­tet sich da­mit un­miss­ver­ständ­lich ge­gen Un­ter­neh­mens­grün­der und Eh­ren­prä­si­dent Fritz Bösch, der ge­mäss letz­ter Mel­dung 30% der Ak­ti­en hält.

VR spielt auf Zeit

Kein Wun­der al­so, galt das Haupt­in­ter­es­se an der GV in Lyss der Of­fer­te. Auf ei­ne in­halt­li­che Stel­lung­nah­me woll­te sich VRPrä­si­dent Alexander von Witz­le­ben je­doch nicht hin­aus­las­sen. Weil es sich bis­lang le­dig­lich um ei­ne Vor­an­kün­di­gung hand­le und das of­fi­zi­el­le An­ge­bot vor­aus­sicht­lich erst An­fang Fe­bru­ar vor­lie­gen wer­de, kön­ne sich der Ver­wal­tungs­rat vo­r­erst nicht da­zu äus­sern, er­klär­te er den rund 230 an­we­sen­den Ak­tio­nä­ren. Kein Ge­heim­nis ist hin­ge­gen, dass die Of­fer­te hin­ter den Ku­lis­sen be­reits hef­tig dis­ku­tiert wird und durch ei­ne in Auf­trag ge­ge­be­ne Fair­ness Opi­ni­on ge­prüft wer­den soll.

In der an­schlies­sen­den Dis­kus­si­on sag­te Pie­per – wie das in sol­chen Fäl­len üb­lich ist –, dass er die of­fe­rier­ten 350 Fr. pro Ak­tie für fair er­ach­te und den Preis nicht er­hö­hen wer­de, selbst wenn es zur Ge­gen­of­fer­te kom­me. Auch pla­ne er nicht, Fein­tool ganz zu über­neh­men, und wol­le die Ge­sell­schaft an der Bör­se las­sen. Was die Un­ter­neh­mens­füh­rung so­wie die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung be­trifft, be­ste­he kein Än­de­rungs­be­darf (vgl. In­ter­view in FuW Nr. 5 vom 19. Ja­nu­ar). Nach­dem Fein­tool ver­gan­ge­nes Jahr ei­ne tief­grei­fen­de Re­struk­tu­rie­rung ab­ge­schlos­sen hat, ste­hen die Markt­er­schlies­sung in Chi­na, der Tur­naround in den USA so­wie die Er­neue­rung des Pres­sen­parks im Zen­trum.

Fritz Bösch wur­de von Pie­pers Avan­ce of­fen­sicht­lich über­rascht. Der Un­ter­neh­mens­grün­der, der das VR-Prä­si­di­um vor zwei Jah­ren nie­der­leg­te, be­kräf­tig­te, dass er die Of­fer­te sorg­fäl­tig prü­fen und sich sämt­li­che Op­tio­nen of­fen­hal­ten wer­de.

Ers­te Ris­se im Ak­tio­na­ri­at zeig­ten sich be­reits vor ei­nem Jahr. Bösch blo­ckier­te da­mals über­ra­schend den An­trag des Ver­wal­tungs­rats (in dem sei­ne Toch­ter Mo­ni­ka Löf­fel als Vi­ze­prä­si­den­tin am­tiert), ge­neh­mig­tes Ka­pi­tal im Um­fang von knapp 10 Mio. Fr. zu schaf­fen.

Nach Re­zes­si­on wie­der Ge­winn

Die Zah­len zum ers­ten Quar­tal des Ge­schäfts­jahrs 2010/11 (per 30. Sep­tem­ber) ge­ra­ten vor die­sem Hin­ter­grund fast zur Ne­ben­sa­che. Das, ob­wohl Fein­tool erst­mals seit der Re­zes­si­on wie­der Ge­winn er­ar­bei­tet. Wäh­rend sich das Ge­schäft mit Se­ri­en­tei­len er­war­tungs­ge­mäss leicht ab­flacht, set­zen die spät­zy­kli­schen Be­rei­che Fi­neblan­king Tech­no­lo­gy und Au­to­ma­ti­on die Er­ho­lung fort. Der Auf­trags­ein­gang stieg ge­mes­sen am Vor­jahr 17% auf knapp 108 Mio. Fr., der Um­satz gut 23% auf rund 103 Mio. Fr. Das zeigt, dass der har­te Fran­ken Fein­tool im Ge­gen­satz zu an­de­ren, eben­so auf den Ex­port aus­ge­rich­te­ten In­dus­trie­un­ter­neh­men we­ni­ger stark zu schaf­fen macht. Für das Ge­samt­jahr rech­net die Füh­rung­s­equi­pe un­ver­än­dert mit 12 bis 16 Mio. Fr. ope­ra­ti­vem Ge­winn (Ebit). Der Um­satz soll sich neu am obe­ren En­de der pro­gnos­ti­zier­ten 390 bis 410 Mio. Fr. be­we­gen.

Fein­tool no­tier­ten am Di­ens­tag um 357 Fr. und ver­keh­ren da­mit über dem An­ge­bot. Das zeigt, dass ge­wis­se In­ves­to­ren trotz der Aus­sa­gen Pie­pers auf ei­ne Auf­bes­se­rung oder ei­ne Ge­gen­of­fer­te set­zen. Ei­ne Stel­lung­nah­me des VR ist ge­gen Mit­te Fe­bru­ar zu er­war­ten. Aku­ter Hand­lungs­be­darf be­steht bis da­hin nicht.

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