No­var­tis baut Prä­senz in der Dia­gnos­tik aus

Über­nah­me des La­bo­ran­bie­ters Gen­op­tix – Ak­ti­en kau­fens­wert

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - MA

Mit der Über­nah­me des US-La­b­or­tes­t­an­bie­ters Gen­op­tix stärkt No­var­tis die Po­si­ti­on in der Dia­gnos­tik. Der Phar­ma­kon­zern bie­tet 470 Mio. $. oder 25 $ pro Ak­tie, was ei­ner Prä­mie von 39% auf den un­be­ein­fluss­ten Ak­ti­en­kurs vom 13. De­zem­ber ent­spricht. Am 14. De­zem­ber wur­de pu­blik, dass das Un­ter­neh­men zum Ver­kauf steht. Der Ver­wal­tungs­rat der Ka­li­for­ni­er hat dem Kauf zu­ge­stimmt und emp­fiehlt den Ak­tio­nä­ren, das An­ge­bot von No­var­tis an­zu­neh­men.

Das 1999 ge­grün­de­te Un­ter­neh­men er­wirt­schaf­te­te 2009 ei­nen Um­satz von 184 Mio. $ und ei­nen Ge­winn von 31 Mio. $. Gen­op­tix bie­tet Ärz­ten dia­gnos­ti­sche Tests zur Er­ken­nung von Blut-und Kno­chen­mark­krebs an. No­var­tis dürf­te we­ni­ger am Ge­schäft mit den Ärz­ten als viel­mehr an den Tests in­ter­es­siert sein. Der Phar­ma­kon­zern ver­fügt mit den Leuk­ämie­me­di­ka­men­ten Gli­vec und Ta­si­gna über zwei wich­ti­ge Pro­duk­te im Blut­krebs­be­reich. Ne­ben an­de­ren be­reits zu­ge­las­se­nen Krebs­me­di­ka­men­ten ent­wi­ckelt No­var­tis neue Wirk­stof­fe und ar­bei­tet an ent­spre­chen­den dia­gnos­ti­schen Tests.

Die­ses Kon­zept der per­so­na­li­sier­ten Me­di­zin preist Ro­che be­reits seit Jah­ren an und ver­bucht nun zu­neh­mend Er­fol­ge da­mit. Für sechs von zwölf neu­en Wirk­stof­fen in der spä­ten Ent­wick­lung wur­de ein Be­gleit­test ent­wi­ckelt, um die rich­ti­ge Pa­ti­en­ten­po­pu­la­ti­on für das je­wei­li­ge Me­di­ka­ment zu iden­ti­fi­zie­ren. No­var­tis da­ge­gen ist noch nicht so weit fort­ge­schrit­ten. Seit De­zem­ber 2008 be­steht für die Ent­wick­lung von Be­gleit­tests ei­ne ei­ge­ne Ab­tei­lung na­mens Mole­cu­lar Dia­gnostics. Zu­vor war die­ser Be­reich über ver­schie­de­ne Stel­len im Kon­zern ver­streut.

Wich­ti­ge Be­gleit­tests

Heu­te be­steht das Pro­blem, dass Me­di­ka­men­te nur für rund die Hälf­te der Pa­ti­en­ten den ent­spre­chen­den Nut­zen brin­gen. In ge­wis­sen Fäl­len be­trägt die An­sprech­ra­te nur ge­ra­de 20%. Der per­so­na­li­sier­ten Me­di­zin kommt des­halb ei­ne ho­he Be­deu­tung zu. An­ge­sichts der stän­dig stei­gen­den Ge­sund­heits­aus­ga­ben ist das Spar­po­ten­zi­al eben­so wich­tig.

Das Ziel der Über­nah­me dürf­te es nicht zu­letzt sein, den Ab­stand zu Ro­che und an­de­ren in der Dia­gnos­tik zu ver­klei­nern. Es fällt auf, dass No­var­tis in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit ver­mehrt von per­so­na­li­sier­ter Me­di­zin spricht. In ei­nem In­ter- view aus dem Jahr 2009 sag­te Da­vid Epstein, der da­ma­li­ge Lei­ter von Mole­cu­lar Dia­gnostics und heu­ti­ger Chef der Phar­ma­di­vi­si­on, dass es künf­tig schwie­ri­ger wer­den dürf­te, ei­ne Zu­las­sung für ein Me­di­ka­ment oh­ne ei­nen Be­gleit­test zu er­hal­ten.

Ver­lang­sam­tes Wachs­tum

Der Preis für Gen­op­tix mag auf den ers­ten Blick hoch er­schei­nen. Je­doch war das Un­ter­neh­men seit der Pu­bli­kums­öff­nung im Jahr 2007 auch schon deut­lich hö­her be­wer­tet. Der wirt­schaft­li­che Druck auf Arzt­pra­xen in den USA und die er­höh­te Kon­kur­renz hat­ten zur Fol­ge, dass sich die zwei-bis drei­stel­li­gen Zu­wachs­ra­ten der ver­gan­ge­nen Jah­re auf ein ein­stel­li­ges Wachs­tum re­du­zier­ten. Die Ak­ti­en re­agier­ten prompt und bra­chen im Mai und Ju­ni 2010 um gan­ze 60% ein. So ge­se­hen, ka­men auch die Ver­kaufs­ab­sich­ten des Un­ter­neh­mens im De­zem­ber nicht ganz über­ra­schend.

Die Ak­ti­en No­var­tis sind mit ei­nem KGV (2011) von 10 at­trak­tiv be­wer­tet. Mit der Di­vi­den­den­ren­di­te von 3,9% kommt ein wei­te­res Kauf­ar­gu­ment hin­zu.

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