OECD-kom­pa­ti­ble DBA im Mul­ti­pack

Wirt­schafts­recht zwei­tes Halb­jahr 2010: Mehr­wert­steu­er­satz er­höht – Un­ter­neh­men ein­deu­tig iden­ti­fi­zie­ren – Sys­tem­wech­sel zum Ka­pi­tal­ein­la­gen­prin­zip

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - FLO­RI­AN S. JÖRG UND CHRIS­TOPH WENZINGER

Das für Un­ter­neh­men und An­le­ger re­le­van­te Wirt­schafts­recht weist ei­ne im­mer kür­ze­re Halb­werts­zeit auf. Der tech­no­lo­gi­sche und ge­sell­schaft­li­che Wan­del so­wie An­pas­sun­gen an in­ter­na­tio­na­le und eu­ro­päi­sche Nor­men und Trends er­for­dern in ra­scher Ab­fol­ge Teil-oder To­tal­re­vi­sio­nen be­ste­hen­der und die Schaf­fung neu­er Nor­men. «Fi­nanz und Wirt­schaft» pu­bli­ziert halb­jähr­lich ei­ne Zu­sam­men­stel­lung der wich­tigs­ten voll­zo­ge­nen und ge­plan­ten Ge­set­zes­än­de­run­gen auf Bun­des­ebe­ne mit Wirt­schafts­be­zug und ver­hilft da­mit dem In­ves­tor, Un­ter­neh­mer und Kon­su­ment zu ei­nem Über­blick über Nor­men, die auch ihn be­tref­fen kön­nen (letz­te Über­sicht in FuW Nr. 55 vom 17. Ju­li 2010).

Die­ser Bei­trag be­zieht sich auf An­pas­sun­gen, die im zwei­ten Se­mes­ter des ver­gan­ge­nen und zu Be­ginn des lau­fen­den Jah­res vor­ge­nom­men wur­den. Am 1. Ju­li 2010 tra­ten das Pro­duk­te­si­cher­heits­ge­setz (PrSG) so­wie die Re­vi­si­on des Bun­des­ge­set­zes über die tech­ni­schen Han­dels­hemm­nis­se ( THG) in Kraft. Das PrSG und das in­fol­ge der Än­de­rung des THG ein­ge­führ­te Cas­sis-deDi­jon-Prin­zip wur­den be­reits in der letz­ten Über­sicht er­ör­tert.

Amts­hil­fe in Steu­er­ver­trä­gen

Am 4. No­vem­ber 2010 ist das Zu­satz­ab­kom­men zur Än­de­rung des Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­mens (DBA) zwi­schen der Schweiz und Frank­reich in Kraft ge­tre­ten, nach­dem die Re­fe­ren­dums­frist am 7. Ok­to­ber un­be­nutzt ab­ge­lau­fen war. Die Be­stim­mun­gen des Zu­satz­ab­kom­mens sind mit Blick auf die Ein­kom­mens­steu­er auf Ein­künf­te von Ka­len­der-oder Ge­schäfts­jah­ren an­wend­bar, die ab oder nach dem 1. Ja­nu­ar 2011 be­gin­nen. Da­ne­ben wur­de mit dem In­kraft­tre­ten des Zu­satz­ab­kom­mens das ers­te DBA rechts­kräf­tig, das ei­ne er­wei­ter­te Amts­hil­fe­klau­sel nach Art. 26 des OECD-Mus­ter­ab­kom­mens vor­sieht. Bis En­de 2010 tra­ten die neu­en DBA mit Finn­land und Ka­tar so­wie die re­vi­dier­ten DBA mit Dä­ne­mark, Gross­bri­tan­ni­en, Me­xi­ko, Nor­we­gen, Ös­ter­reich, Spa­ni­en und Lu­xem­burg in Kraft, die eben­falls ei­ne Amts­hil­fe­be­stim­mung nach OECD-Stan­dard ent­hal­ten.

Zu­dem hat die Schweiz ei­ne Viel­zahl von wei­te­ren DBA un­ter­zeich­net, die aber noch nicht in Kraft sind. Die Ver­trags­part­ner heis­sen: USA, Deutsch­land, Grie­chen­land, Hong­kong, In­di­en, Ja­pan, Ka­na­da, Ka­sachs­tan, Nie­der­lan­de, Po­len, Süd­ko­rea, Tür­kei und Uru­gu­ay.

An­fang die­ses Jah­res trat das Bun­des­ge­setz über die Un­ter­neh­mens-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer (UIDG) vom 18. Ju­ni 2010 in Kraft. Das UIDG schafft die ver­schie­de­nen spe­zi­fi­schen Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern der je­wei­li­gen ad­mi­nis­tra­ti­ven Pro­zes­se ab. Zweck der ein­heit­li­chen Un­ter­neh­mens-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer (UID) ist es, Un­ter­neh­men ein­deu­tig zu iden­ti­fi­zie­ren und so In­for­ma­tio­nen in ad­mi­nis­tra­ti­ven und sta­tis­ti­schen Pro­zes­sen ein­fach und si­cher aus­zu­tau­schen. Der Un­ter­neh­mens­be­griff ist da­bei weit zu ver­ste­hen. So wer­den nicht nur al­le in der Schweiz tä­ti­gen Un­ter­neh­men im ei­gent­li­chen Sinn, son­dern al­le «Kun­din­nen und Kun­den der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung», die Cha­rak­te­ris- ti­ken ei­nes Un­ter­neh­mens auf­wei­sen oder die zu recht­li­chen, ad­mi­nis­tra­ti­ven oder sta­tis­ti­schen Zwe­cken iden­ti­fi­ziert wer­den müs­sen, ei­ne UID er­hal­ten.

Die UID wird ab 2011 schritt­wei­se ein­ge­führt und al­len Un­ter­neh­men in der Schweiz zu­ge­teilt. Sie er­setzt mit­tel­fris­tig die an­de­ren in der Ver­wal­tung exis­tie­ren­den Un­ter­neh­mensi­den­ti­fi­ka­to­ren und wird nach Ab­schluss der Ein­füh­rung als über­grei­fen­der Un­ter­neh­mensi­den­ti­fi­ka­tor für ver­schie­de­ne Ver­wal­tungs­pro­zes­se die­nen. So wird die UID die al­te sechs­stel­li­ge Mehr­wert­steu­er­num­mer er­set­zen.

Die UID hat das For­mat CHE123.456.789; die neue Mehr­wert­steu­er­num­mer setzt sich zu­sam­men aus der UID und dem Zu­satz «MWST» und lau­tet al­so bei­spiels­wei­se CHE-123.456.789 MWST. Die al­te Mehr­wert­steu­er­num­mer

Die wich­tigs­ten in Kraft ge­tre­te­nen Er­las­se kann noch bis En­de 2013 ver­wen­det wer­den. So­mit ver­fü­gen die Un­ter­neh­men zwi­schen 2011 und En­de 2013 über zwei Mehr­wert­steu­er­num­mern, die sie bei­de ver­wen­den dür­fen.

Per An­fang Jahr sind zu­dem die Mehr­wert­steu­er­sät­ze er­höht wor­den. Die Er­hö­hung kam im Zu­ge der am 27. Sep­tem­ber 2009 von Volk und Stän­den an­ge­nom­me­nen Vor­la­ge über die Zu­satz­fi­nan­zie­rung der In­va­li­den­ver­si­che­rung und ist auf sie­ben Jah­re be­fris­tet. Neu be­trägt der Nor­mal­satz 8% (bis­her 7,6), der re­du­zier­te Satz 2,5% (2,4) und der Sond­er­satz für Be­her­ber­gungs­leis­tun­gen 3,8% (3,6).

Mass­ge­bend ist we­der das Da­tum der Rech­nungs­stel­lung noch das­je­ni­ge der Zah­lung, son­dern der Zeit­punkt re­spek­ti­ve der Zei­t­raum der Leis­tungs­er­brin­gung. Wird die Leis­tung teil­wei­se vor und teil­wei­se nach der Steu­er­er­hö­hung er­bracht, so ist der auf die Zeit nach dem 31. De­zem­ber 2010 ent­fal­len­de Teil der Leis­tung zu den neu­en Sät­zen steu­er­bar.

Eben­falls per 1. Ja­nu­ar ein­ge­führt wor­den ist so­wohl für die Ver­rech­nungs­steu­er als auch für die Ein­kom­mens­steu­er das Ka­pi­tal­ein­la­ge-an­stel­le des Nenn­wert­prin­zips (vgl. FuW Nr. 42 vom 2. Ju­ni 2010). Das be­deu­tet, dass Ein­la­gen von In­ha­bern von Be­tei­li­gungs­rech­ten in die Re­ser­ven ei­ner Ka­pi­tal­ge­sell­schaft oder Ge­nos­sen­schaft bei ih­rer Aus­schüt­tung neu we­der der Ver­rech­nungs-noch der Ein­kom­mens­steu­er un­ter­lie­gen. Die­se Steu­er­frei­heit gilt für Ka­pi­tal­ein­la­gen, die nach dem 31. De­zem­ber 1996 ge­leis­tet wor­den sind.

Ei­ne Zi­vil­pro­zess­ord­nung

Der Sys­tem­wech­sel hat er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf das Steu­er­recht, die zum Teil heu­te noch nicht er­sicht­lich sind. Im Kreis­schrei­ben Nr. 29 «Ka­pi­tal­ein­la­ge­prin­zip» vom 9. De­zem­ber 2010 hat die Eid­ge­nös­si­sche Steu­er­ver­wal­tung ih­re Pra­xis­vor­stel­lung pu­bli­ziert. Wich­tig ist, dass auf Stu­fe der Ge­sell­schaf­ten be­trof­fe­ne Ka­pi­tal­ein­la­gen kor­rekt ver­bucht und der Steu­er­ver­wal­tung ge­mel­det wer­den.

Fer­ner sind auf Jah­res­be­ginn die eid­ge­nös­si­sche Zi­vil­pro­zess­ord­nung und die Straf­pro­zess­ord­nung so­wie das re­vi­dier­te Lu­ga­no-Über­ein­kom­men in Kraft ge­tre­ten. Die Zi­vil­pro­zess­ord­nung wird Ge­gen­stand des nächs­ten Über­blicks sein. Rechts­an­walt Dr. Flo­ri­an S. Jörg, MCJ, ist Part­ner und M. A. HSG in Law Chris­toph Wenzinger Prak­ti­kant der Kanz­lei Brat­schi, Wie­der­kehr & Bu­ob.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.