Phi­lips ver­fehlt die Er­war­tun­gen

Nie­der­län­di­scher Elek­tro­nik­kon­zern spürt Zu­rück­hal­tung der Kon­su­men­ten – Licht- und Ge­sund­heits­spar­te lau­fen gut

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - HELMUT HET­ZEL,

SAk­qui­si­ti­on in In­di­en

ei­nen Ab­schied hat sich der schei­den­de Phi­lips-Vor­stands­vor­sit­zen­de Ger­ard Kleis­ter­lee wohl an­ders vor­ge­stellt. Denn nach der Prä­sen­ta­ti­on des Jah­res­er­geb­nis­ses fie­len die Ak­ti­en des nie­der­län­di­schen Elek­tro­nik­kon­zerns zu Wo­chen­be­ginn mehr als 6% bis auf 23 €. Am Di­ens­tag­mor­gen no­tier­ten sie 23.04 €.

Phi­lips konn­te zwar den Um­satz im ver­gan­ge­nen Jahr rund 10% auf 25,4 Mrd. € stei­gern und den Ge­winn auf 1,45 Mrd. oder 1.54 € pro Ak­tie mehr als ver­drei­fa­chen. Das Er­geb­nis blieb aber deut­lich hin­ter den Markt­er­war­tun­gen zu­rück. Ent­täu­schend ver­lief der Ver­kauf im vier­ten Quar­tal, in dem der Um­satz no­mi­nal 2% auf 7,39 Mrd. € zu­nahm, auf ver­gleich­ba­rer ope­ra­ti­ver Ba­sis und wäh­rungs­be­rei­nigt je­doch um 4% sank.

TV-Ge­schäft schreibt Ver­lust

Die Spar­te Con­su­mer Li­fe­style (Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik und Haus­halt­ge­rä­te) er­litt im Schluss­quar­tal ei­nen Um­satz­rück­gang von 7% (auf ver­gleich­ba­rer Ba­sis 11%) auf 2,69 Mrd. €. Der Ebita (Be­triebs­er­geb­nis vor Zin­sen, Steu­ern und Amor­ti­sa­ti­on) fiel in die­ser Spar­te um fast die Hälf­te auf 151 Mio. €. Un­ter dem Strich ver­dien­te Phi­lips im vier­ten Quar­tal 2010 mit 465 Mio. € zwar fast dop­pelt so viel wie im glei­chen Vor­jah­res­zeit­raum. Die Ana­lys­ten hat­ten je­doch mit ei­nem Ge­winn von min­des­tens 500 Mio. € ge­rech­net.

Das Schluss­quar­tal ist we­gen des Weih­nachts­ge­schäfts je­weils das um­satz-und ge­winn­stärks­te des Jah­res. Ent­täu­schend ent­wi­ckel­te sich wei­ter­hin das TV-Ge­schäft. Aus dem Ver­kauf von Fern­seh­ge­rä­ten re­sul­tier­te im vier­ten Jah­res­vier­tel ein Ver­lust von 67 Mio. €. In den Nie­der­lan­den wird nun er­war­tet, dass sich Phi­lips von die­sem Ver­lust­brin­ger ver­ab­schie­det. Kleis­ter­lee geht da­von aus, dass der Kon­zern­um­satz ab dem zwei­ten Quar­tal des lau­fen­den Jah­res wie­der zu­le­gen wird. Er gab fer­ner die Ak­qui­si­ti­on des in­di­schen Kü­chen­aus­stat­ters Preethi be­kannt, der 850 Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt. Zum Kauf­preis mach­te er kei­ne An­ga­ben. Die Über­nah­me passt zu dem im Herbst vor­ge­stell­ten Stra­te­gie­plan Vi­si­on 2015 mit Wachs­tums­schwer­punkt Asi­en.

Er­freu­lich ent­wi­ckel­ten sich die Kon­zern­spar­ten Licht und Ge­sund­heit (He­alth­ca­re). In der Me­di­zin­tech­nik stieg der Um­satz im vier­ten Quar­tal ge­gen­über dem Vor­jahr um 10% (auf ver­gleich­ba­rer Ba­sis 2%) auf 2,64 Mrd. € und der Ebita gut 15% auf 522 Mio. Im Be­leuch­tungs­be­reich wur­de der Ebita mit ei­nem auf ver­gleich- ba­rer Ba­sis sta­gnie­ren­den Um­satz von 1,98 Mrd. auf 198 Mio. € mehr als ver­dop­pelt. Mit Be­leuch­tungs­sys­te­men und -pro­duk­ten sind die Nie­der­län­der Welt­markt­füh­rer.

Mar­gen­ver­bes­se­rung

Zu we­nig Be­ach­tung fand an der Bör­se die Nach­richt, dass der Elek­tro­nik­kon­zern im vier­ten Quar­tal trotz der Mi­se­re im Fern­seh­ge­schäft ei­ne his­to­risch ho­he Ebi­taMar­ge von 11,8% ( Vor­jahr: 9,1) er­wirt­schaf­te­te. Sie liegt in dem vor­ge­ge­be­nen Ziel­kor­ri­dor von 10 bis 15% bis 2015.

CEO Ger­ard Kleis­ter­lee wird die Kon­zern­lei­tung am 1. April an Frans van Hou­ten über­ge­ben. Der schei­den­de Kon­zern­chef soll im Ge­spräch sein für ei­ne Spit­zen­po­si­ti­on bei Vo­da­fo­ne. Un­be­stä­tig­ten Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge soll er Chair­man des bri­ti­schen Mo­bil­funk­an­bie­ters wer­den. Kleis­ter­lee führ­te Phi­lips zehn Jah­re lang. Er bau­te das Un­ter­neh­men um und mach­te es we­sent­lich schlan­ker. Die Halb­lei­ter­spar­te wur­de ver­kauft, eben­so die Soft­ware-Toch­ter Ori­gin. Der Be­reich Me­di­zin­tech­nik wur­de zü­gig aus­ge­baut. We­gen der zahl­rei­chen De­ves­ti­tio­nen hal­bier­te sich die Zahl der Phi­lips-Mit­ar­bei­ter in der ver­gan­ge­nen De­ka­de auf 119 000.

Die Kurs­schwä­che von Phi­lips bie­tet ei­ne gu­te Ein­stiegs­ge­le­gen­heit. Die Ak­ti­en des so­lid fi­nan­zier­ten Elek­tro­nik­kon­zerns sind auf Ba­sis der Ge­winn­schät­zung für das lau­fen­de Jahr mit ei­nem mo­de­ra­ten Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 12 be­wer­tet. Der Ge­ne­ral­ver­samm­lung wird ei­ne Di­vi­den­den­er­hö­hung von 0.70 auf 0.75 € vor­ge­schla­gen, wo­mit die Ti­tel 3,3% ren­tie­ren.

Ana­lyst Vic­tor Ba­re­no von SNS-Se­cu­ri­ties hält ein Kurs­ziel von 32 € für rea­lis­tisch. Das ent­spricht ei­nem Auf­wärts­po­ten­zi­al von über ein Drit­tel. Der neue Kon­zern­chef Frans van Hou­ten über­nimmt ein agi­les Un­ter­neh­men mit ei­ner vol­len Kas­se, die grös­se­re Ak­qui­si­tio­nen oh­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung er­mög­licht. Per En­de De­zem­ber be­tru­gen die li­qui­den Mit­tel von Phi­lips 4,4 Mrd. €.

Ma­nage­ment­wech­sel lö­sen oft Spe­ku­la­tio­nen aus über die wei­te­re Ent­wick­lung ei­nes Un­ter­neh­mens. Ein ra­di­ka­ler Kurs­wech­sel ist im Fall von Phi­lips nicht zu er­war­ten. Denk­bar ist aber, dass bei­spiels­wei­se ei­ne Min­der­heits­be­tei­li­gung der Be­leuch­tungs­spar­te an die Bör­se ge­bracht wer­den könn­te. Für lang­fris­tig dis­po­nie­ren­de An­le­ger, die sich vor ho­hen Kurs­schwan­kun­gen nicht den Schlaf rau­ben las­sen, sind Phi­lips ein Kauf.

In den Schwel­len­län­dern (im Bild In­di­en) stieg der Phi­lips-Um­satz 2010 um 12, in den ge­sät­tig­ten Märk­ten le­dig­lich um 1%.

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