GE ist als glo­ba­ler In­dus­trie­gi­gant zu­rück

Über­zeu­gen­des Quar­tals­re­sul­tat – Aus­rich­tung auf In­fra­struk­tur passt gut ins po­li­ti­sche Um­feld – Kon­zern­chef wird neu­er Prä­si­den­ten­be­ra­ter – Ak­ti­en sind kau­fens­wert

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - JAN BAU­MANN,

Die Zei­ten, in de­nen Ge­ne­ral Electric (GE) als fi­nanz­las­ti­ger Misch­kon­zern ei­ne schlech­te Fi­gur mach­te, sind vor­bei. Die Spar­te GE Ca­pi­tal ar­bei­tet wie­der pro­fi­ta­bel. Wich­ti­ger noch: Das In­dus­trie­ge­schäft – vom Tur­bi­nen­bau über die Solar­tech­nik bis zur Her­stel­lung von Com­pu­ter­to­mo­gra­phen – bil­det den Kern ei­nes at­trak­ti­ven Pro­dukt­porte­feuilles und ge­hört tech­no­lo­gisch zur Avant­gar­de. Von den jüngs­ten Quar­tals­zah­len sind die Ana­lys­ten an­ge­tan.

Un­ter der Lei­tung von Chair­man und Kon­zern­chef Jef­frey Im­melt wä­re GE in der Fi­nanz­kri­se fast plei­te­ge­gan­gen, hät­te der ame­ri­ka­ni­sche Staat nicht mit Ka­pi­tal­hil­fen und Ga­ran­ti­en sta­bi­li­sie­rend ein­ge­grif­fen (wie bei an­de­ren gros­sen USFi­nanz­kon­glo­me­ra­ten auch). Die Ak­ti­en ha­ben sich seit­her er­holt, no­tie­ren al­ler­dings erst un­ge­fähr halb so hoch wie vor der Kri­se (vgl. Chart).

Ide­al der In­dus­trie­na­ti­on

Am Leis­tungs­aus­weis kann es al­so nicht lie­gen, dass US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma aus­ge­rech­net Im­melt zu sei­nem neu­en ex­ter­nen Wirt­schafts­be­ra­ter er­ko­ren hat (vgl. Text­kas­ten). Eher schon ist es die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung von GE auf das The­ma In­fra­struk­tur. Sie stimmt glän­zend über­ein mit dem neu­en Mot­to des Prä­si­den­ten: Oba­ma will durch In­ves­ti­tio­nen in Bil­dung, al­ter­na­ti­ve Ener­gi­en und In­fra­struk­tur die in­ter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit Ame­ri­kas stär­ken.

Im Vor­feld des Prä­si­dent­schafts­wahl­kampfs 2012 soll die­se Po­li­tik den US-Ex­port an­kur­beln und zu­gleich Ar­beits­plät­ze ins Land brin­gen. Am letz­ten Frei­tag tra­ten Oba­ma und Im­melt am frü­he­ren Haupt­sitz von GE in Schenec­ta­dy, New York, ge­mein­sam auf, um für ih­re Idee von der in­dus­tri­el­len Wie­der­ge­burt der Na­ti­on zu wer­ben. Glei­chen­tags ver­öf­fent­lich­te die «Washington Post» ei­nen Ar­ti­kel aus Im­melts Fe­der, in dem er die An­nah­me als Feh­ler be­zeich­ne­te, die USA könn­ten als Di­enst­leis­tungs­ge­sell­schaft für aus­rei­chend Be­schäf­ti­gung sor­gen.

Man­che Kom­men­ta­to­ren füg­ten skep­tisch an, Im­melt er­hof­fe sich wohl von sei­ner Be­ra­ter­funk­ti­on in Washington auch lu­kra­ti­ve Auf­trä­ge für sein Un­ter­neh­men. Aus­ser­dem ha­be GE in Sa­chen Ar­beits­kräf­te­ab­bau ei­ne eher zwie­späl­ti­ge Bi­lanz: Von 2001 bis 2009 sind rund 24 000 Stel­len Kos­ten­kür­zun­gen zum Op­fer ge­fal­len. Auf der an­de­ren Sei­te hat die Grup­pe in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren in den USA et­wa 6000 in­dus­tri­el­le Ar­beits­plät­ze ge­schaf­fen – und das, ob­schon 60% des ge­sam­ten Um­sat­zes mitt­ler­wei­le aus­ser­halb des Lan­des er­zielt wer­den. Nicht nur Kühl­schrän­ke fer­tigt GE neu­er­dings wie­der in den USA. Als Prä­si­dent Oba­ma im No­vem­ber mit ei­nem Tross ame­ri­ka­ni­scher In­dus­trie­ver­tre­ter in In­di­en weil­te, hol­te GE ei­nen Gross­auf­trag zur Her­stel­lung von Dampf­tur­bi­nen für die in­di­sche Ge­sell­schaft Re­li­an­ce Po­wer her­ein: Ge­baut wer­den die Tur­bi­nen in Schenec­ta­dy, wie Oba­ma am Frei­tag nicht zu er­wäh­nen ver­gass.

Ta­del­lo­ser Ab­schluss

Was die Zah­len aus dem vier­ten Quar­tal be­trifft, er­scheint GE im bes­ten Licht: Or­ga­nisch, al­so un­ter Aus­klam­me­rung von Zu­käu­fen und De­ves­ti­tio­nen, wuchs der Um­satz im In­dus­trie­zweig um 6%. Der Auf­trags­ein­gang war im Ver­gleich zum Vor­jah­res­ab­schnitt 12% hö­her. En­de De­zem­ber hat­te der Kon­zern Or­der für 175 Mrd. $ in den Bü­chern ste­hen – 3,1 Mrd. $ mehr als zwölf Mo­na­te zu­vor. GE Ca­pi­tal ver­dien­te im Be­richts­zeit­raum statt­li­che 1,1 Mrd. $. Dank sin­ken­der Kre­dit­aus­fall­ra­ten konn­te die Fi­nanz­spar­te Rück­stel­lun­gen auf­lö­sen, was das Re­sul­tat merk­lich auf­bes­ser­te. Den Ana­lys­ten ge­fiel be­son­ders, dass die Grup­pe ei­nen ein­ma­li­gen Steu­er­vor­teil mit Re­struk­tu­rie­rungs­auf­wand ver­rech­ne­te. Das Er­geb­nis ist so­mit per sal­do «sau­ber» und nicht ver­zerrt durch Son­der­ef­fek­te.

Die Aus­sich­ten er­schei­nen güns­tig: Bran­chen­ana­lyst Ste­phen Tu­sa von J. P. Mor­gan Cha­se meint, dass GE et­wa im Seg­ment Gas­tur­bi­nen, wo mo­men­tan Preis­druck herr­sche, das zy­kli­sche Tief durch­schrit­ten ha­be. Das Ge­winn­stei­ge­rungs­po­ten­zi­al sei hier des­halb be­trächt­lich. Bei­spie­le für viel­ver­spre­chen­de Ak­qui­si­tio­nen aus jüngs­ter Zeit sind der Er­werb des Spe­zia­lis­ten für mo­le­ku­la­re Dia­gnos­tik Cla­ri­ent (Ge­sund­heits­spar­te), das Über­nah­me­an­ge­bot für Well­stream, den bri­ti­schen Her­stel­ler fle­xi­bler Erd­öl­und Gas­pipe­lines (Ener­gie­för­de­rung), und die 3 Mrd. $ schwe­re Of­fer­te für Dres­ser, ei­nen Zu­lie­fe­rer für die Öl-und Gas­in­dus­trie, Pe­tro­che­mie, Raf­fi­ne­rie und Strom­er­zeu­ger. Dank Bar­re­ser­ven von 79 Mrd. $ per En­de 2010 hat GE ei­ne prall ge­füll­te Scha­tul­le für wei­te­re Zu­käu­fe. Der Ver­kauf der Mehr­heits­be­tei­li­gung an der Me­di­en­grup­pe NBC Uni­ver­sal hat in­zwi­schen das Pla­zet der US-Auf­sichts­be­hör­den er­hal­ten und wird noch im lau­fen­den Quar­tal über die Büh­ne ge­hen.

Letz­tes Jahr hat der Kon­zern gleich zwei Mal die Di­vi­den­de er­höht. Die In­ves­to­ren for­dern, GE sol­le nun mög­lichst rasch zur eins­ti­gen Po­li­tik zu­rück­keh­ren und 45 bis 50% des Ge­winns an die Ak­tio­nä­re aus­schüt­ten. Das Er­geb­nis pro Ti­tel wird auf 1.30 $ (2011) re­spek­ti­ve 1.65 $ (2012) ge­schätzt. Mit ei­nem Kurs-Ge­win­nVer­hält­nis 2011 von 15 sind die Va­lo­ren mo­de­rat be­wer­tet, wenn man be­denkt, dass es sich bei GE um ei­nen zü­gig wach­sen­den In­dus­trie­kon­zern han­delt, der das An­la­ge­the­ma In­fra­struk­tur er­folg­reich und glo­bal in die Pra­xis um­setzt.

Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma hat GE-Chef Jef­frey Im­melt zum neu­en Top­be­ra­ter er­ko­ren.

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