Mehr Heim­markt

Post­bank bringt Deut­sche Bank nicht nur Vor­tei­le – Kern­ka­pi­tal­quo­te ver­bes­se­rungs­wür­dig

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - ADRI­AN BLUM

Ge­mes­sen an der Ka­pi­tal­aus­stat­tung ge­hört die Deut­sche Bank im Ver­gleich zu den ent­schei­den­den Wett­be­wer­bern nicht zu den Bes­ten. Zwar wird die Frank­fur­ter Gross­bank den neu­en An­for­de­run­gen nach Ba­sel III ent­spre­chen. Doch die mitt­ler­wei­le am Markt üb­li­chen, klar hö­he­ren An­sprü­che dürf­te sie ver­feh­len – trotz der im ver­gan­ge­nen Jahr durch­ge­führ­ten Ka­pi­tal­er­hö­hung von 10 Mrd. €. Mög­li­cher­wei­se wird die Bank da­her in den kom­men­den Jah­ren we­ni­ger aus­schüt­ten, als von vie­len Ak­tio­nä­ren er­hofft, oder sie wird durch an­de­re Trans­ak­tio­nen ver­su­chen, die har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te nach Ba­sel III zu ver­bes­sern.

Ab 2011 spür­ba­rer Ef­fekt

Die Ent­wick­lung der Deut­schen Bank hängt zwar auch in Zu­kunft pri­mär vom Ge­schäfts­gang ih­res In­vest­ment Ban­king ab. Zu­neh­mend spielt aber auch die ope­ra­ti­ve und fi­nan­zi­el­le Ver­fas­sung der 51%-Toch­ter Deut­sche Post­bank ei­ne Rol­le, die seit 1. De­zem­ber 2010 voll kon­so­li­diert wird. Die Zu­sam­men­set­zung von Er­trag und Ge­winn än­dert sich: Der Heim­markt der wich­tigs­ten Bank des Lan­des ge­winnt an Be­deu­tung. Vom Ge­samt­er­trag der Deut­schen Bank dürf­te künf­tig gut ein Drit­tel aus hei­mi­schen Ge­fil­den stam­men, nach bis­her nur gut ei­nem Vier­tel.

Auf Ge­win­ne­be­ne ist der Ef­fekt we­gen der über­pro­por­tio­na­len Be­deu­tung des In­vest­ment Ban­king ge­rin­ger. Zu­min­dest soll­ten aber die Schwan­kun­gen klei­ner wer­den. Voll zur Gel­tung kommt die Post­bank in der Er­folgs­rech­nung der Mut­ter erst 2011. In den Zah­len für 2010, die am 3. Fe­bru­ar pu­bli­ziert wer­den, ist die Toch­ter nur für den De­zem­ber voll kon­so­li­diert.

Die schwer­ge­wich­tig im Re­tail­ge­schäft mit Pri­vat­kun­den ak­ti­ve Post­bank kommt auf at­trak­ti­ve Markt­po­si­tio­nen – zu­min­dest für deut­sche Ver­hält­nis­se, die ge­prägt sind von den markt­be­herr­schen­den Po­si­tio­nen des Spar­kas­sen-und Ge­nos­sen­schafts­sek­tors. Mit Blick auf die Pro­dukt­be­rei­che Gi­ro­kon­to (Markt­an­teil Post­bank 5,2%), Spar­ein­la­ge (6,5%), Bau­spa­ren (13,3%) und Bau­fi­nan­zie­run­gen (9,4%) kommt die Deut­sche Bank end­lich vor­an. Ak­ti­ve Re­tail­kun­den zählt die Post­bank 5 Mio., die Deut­sche Bank kommt auf 10 Mio. Das Netz aus 1100 Post­bank-Fi­lia­len wird durch 4500 Part­ner­fi­lia­len der Post er­gänzt. Die Deut­sche Bank un­ter­hält in Deutsch­land 777 Fi­lia­len, da­zu kom­men je­ne der Töch­ter Ber­li­ner Bank (61) und No­ris­bank (94).

Ope­ra­tiv be­fin­det sich die Post­bank auf dem Weg der Bes­se­rung. Das vier­te Quar­tal wur­de ge­mäss ei­ner Prä­sen­ta­ti­on von ver­gan­ge­ner Wo­che zwar von ei­ner aus­ser­or­dent­li­chen Ab­schrei­bung von 100 Mio. € be­las­tet, be­dingt durch Steu­er­ef­fek­te im Zu­ge der mehr­heit­li­chen Über­nah­me durch die Deut­sche Bank. Vor Steu­ern und vor die­ser Be­las­tung gab es ein «leicht po­si­ti­ves Er­geb­nis».

Im Ge­samt­jahr 2010 dürf­te die Post­bank im Vor­jah­res­ver­gleich ih­re Cost-In­co­me Ra­tio (per En­de Sep­tem­ber: 74,4%) ver­bes­sert ha­ben, wenn auch noch nicht in aus­rei­chen­dem Aus­mass. Die Ri­si­ko­vor­sor­ge muss­te noch mal auf­ge­stockt wer­den, das Ma­nage­ment sieht al­ler­dings in der Be­trach­tung von Quar­tal zu Quar­tal ei­nen po­si­ti­ven Trend. Die voll­stän­di­gen Zah­len zum Ge­schäfts­jahr 2010 wer­den am 24. Fe­bru­ar ver­öf­fent­licht.

Die Ka­pi­tal­aus­stat­tung der Post­bank ist knapp be­mes­sen: Ge­mäss ei­ge­nen An­ga­ben kam das In­sti­tut per En­de Sep­tem­ber 2010 auf ei­ne har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te nach Ba­sel II von nur 5,7%. Nach Ba­sel III wür­den die Ri­si­ko­ak­ti­va pro for­ma von 67,6 Mrd. € auf 74 Mrd. € im Jahr 2013 stei­gen. Das Kern­ka­pi­tal soll im glei­chen Zei­t­raum von 3,82 Mrd. auf et­wa 4,85 Mrd. € zu­neh­men, und zwar durch das Ein­be­hal­ten von Ge­winn.

So vi­siert die Bank für 2013 ei­ne har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te nach Ba­sel III von 6,6% an, was zwar wei­ter über den zu die­sem Stich­tag ver­lang­ten 3,5% liegt, aber deut­lich un­ter dem Wert von 7%, der nach Ba­sel III 2019 zu er­rei­chen ist. Die Post­bank geht da­von aus, dass sie die­se Mar­ke bis da­hin er­rei­chen wird. Der Punkt ist nur, dass die In­ves­to­ren be­reits jetzt hö­he­re Wer­te ver­lan­gen.

Bau­fi­nan­zie­rer vor Ver­kauf?

Die Deut­sche Bank kann mit der Post­bank al­so ih­ren Be­reich Pri­vat-und Fir­men­kun­den (Pri­va­te and Bu­si­ness Cli­ents; PBC) vor­an­brin­gen – was die Grös­se an­geht: Die Ein­nah­men von PBC er­hö­hen sich um rund zwei Drit­tel. Ge­mäss ei­ge­nen An­ga­ben ge­hört PBC dank der Post­bank künf­tig ge­mes­sen an dem je­weils auf dem Heim­markt er­ziel­ten Net­to­er­trag (2009 zu­sam­men 7,2 Mrd. €) zu den gröss­ten fünf Spie­lern Eu­ro­pas (hin­ter In­te­sa Sanpao­lo und Santan­der, auf Au­gen­hö­he mit Uni­credit und BBVA). In Deutsch­land kann die Deut­sche Bank ih­ren Ab­stand auf die do­mi­nan­ten Spar­kas­sen-und Ge­nos­sen­schafts­sek­tor ver­rin­gern.

Doch Grös­se ist nicht gleich Qua­li­tät. PBC er­reich­te 2010 ge­mäss Ana­lys­ten­schät­zun­gen ei­ne Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te vor Steu­ern von 24%, die Post­bank nur 11%. Dies liegt vor al­lem am we­ni­ger güns­ti­gen Mix der Ein­nah­men: Der Er­trag der Post­bank stammt zu grös­se­ren An­tei­len aus Gi­ro-und Spar­kon­ten, we­ni­ger aus An­la­ge-und Ver­si­che­rungs­pro­duk­ten.

Die Deut­sche Bank selbst nennt aus­ser dem Ge­winn von Markt­an­tei­len und der Zu­nah­me an Er­geb­nis­sta­bi­li­tät ei­nen wei­te­ren Vor­teil: Mit­tel­fris­tig kön­ne die Ka­pi­tal­kraft durch den Ver­kauf von nicht zum Kern­ge­schäft zäh­len­den Ak­ti­vi­tä­ten ver­bes­sert wer­den. Die Ana­lys­ten von Bar­clays se­hen die Mög­lich­keit, dass die Deut­sche Bank ih­re har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te so von 8,1% bis auf kom­for­ta­ble­re 9,7% stei­gern könn­te, ver­gleich­bar mit dem für die CS Group er­war­te­ten Ni­veau (vgl. Gra­fik). Zu den Mit­teln ge­hört et­wa der Ver­kauf von Post­bank-Ak­ti­vi­tä­ten wie dem Bau­fi­nan­zie­rer BHW und ei­ne Di­vi­den­den­de­cke­lung über Jah­re hin­weg.

Im Ak­ti­en­kurs der Deut­schen Bank ist be­reits ein deut­li­cher Ge­winn­an­stieg im Jah­re 2011 vor­weg­ge­nom­men, und auch die Di­vi­den­den­ren­di­te bil­det kei­nen An­reiz. Für deut­li­che Kurs­ge­win­ne be­steht der­zeit eher we­nig Fan­ta­sie.

Die Post­bank ver­hilft der Deut­schen Bank zu mehr Ge­schäft in hei­mi­schen Ge­fil­den, be­freit sie aber nicht voll­ends von Ka­pi­tal­sor­gen.

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