Santan­der in Zug­zwang

Dem Kon­zern­chef der Gross­bank droht ein un­rühm­li­cher Ab­gang

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - AE,

Ein Ur­teil des Tri­bu­nal Su­pre­mo könn­te Santan­der, Spa­ni­ens gröss­tes Fi­nanz­in­sti­tut, da­zu zwin­gen, ei­nen neu­en Kon­zern­chef zu su­chen: Dem er­folg­rei­chen Spit­zen­ma­na­ger Al­f­re­do Sáenz (68) droht Be­rufs­ver­bot aus ei­nem Rechts­streit aus sei­ner Zeit als Prä­si­dent der Santan­derToch­ter Ba­nes­to. Der Obers­te Ge­richts­hof ver­ur­teil­te Spa­ni­ens best­be­zahl­ten Ban­kier nach In­for­ma­tio­nen der Ta­ges­zei­tung «El Mun­do» we­gen fal­scher An­schul­di­gung und Pro­zess­be­trugs zu ei­ner Haft­stra­fe von acht Mo­na­ten, ei­ner Geld­stra­fe und ei­nem Ver­bot je­g­li­cher mit dem Ban­ken­sek­tor ver­bun­de­ner Ak­ti­vi­tät.

Als Prä­si­dent der 1994 er­wor­be­nen Ba­nes­to soll Sáenz – so zitiert die Zei­tung den Ur­teils­spruch – sein Ein­ver­ständ­nis ge­ge­ben ha­ben, dass Mit­ar­bei­ter aus­ste­hen­de Kre­di­te von um­ge­rech­net 4 Mio. € «um je­den Preis» ein­hol­ten und da­für wis­sent­lich ei­ne Kla­ge ge­gen un­schul­di­ge Teil­ha­ber ei­nes Un­ter­neh­mens ein­reich­ten. Ne­ben der Kon­fis­zie­rung von Pri­vat­ver­mö­gen muss­ten drei der An­ge­klag­ten da­mals für ei­ni­ge Ta­ge ins Ge­fäng­nis.

«Er­ho­be­nen Haup­tes»

Santan­der gab zu­nächst kei­nen Kom­men­tar ab und ver­wies dar­auf, dass das Ur­teil noch nicht schrift­lich vor­lie­ge. Auch Sáenz äus­ser­te sich in sei­nem ers­ten öf­fent­li­chen Auf­tritt nach den Pres­se­be­rich­ten nur knapp: «Die­sen Din­gen muss man mit er­ho­be­nem Haupt be­geg­nen», sag­te er der Ta­ges­zei­tung «El Mun­do», um hin­zu­zu­fü­gen: «Wir se­hen uns am 3. Fe­bru­ar.» Das ist der Tag, an dem Sáenz und Prä­si­dent Emi­lio Bo­tín die Jah­res­zah­len 2010 prä­sen­tie­ren wer­den. Das Ur­teil dürf­te dann schrift­lich vor­lie­gen, wo­mit sich bei­de auf ei­ne Flut von Fra­gen über die künf­ti­ge Füh­rung ein­zu­stel­len ha­ben. Aus Ban­ken­krei­sen ver­lau­tet der­weil, die Bank er­wä­ge ei­ne Be­schwer­de vor dem Ver­fas­sungs­ge­richt. Das könn­te zwei Jah­re in An­spruch neh­men, in de­nen Sáenz Kon­zern­chef bleibt und die Gross­bank Zeit hät­te, ei­ne neue «Num­mer zwei» zu su­chen.

Der Ge­richts­ent­scheid, der ein vor­an­ge­gan­ge­nes Ur­teil noch ver­schärft, trifft die Bank in ei­ner Pha­se, in der sich Prä­si­dent Emi­lio Bo­tín (76) so­wie­so Ge­dan­ken über die Füh­rung ma­chen muss: En­de 2010 hat­te Santan­der den Ver­lust von An­to­nio Hor­ta-Osó­rio (46) als Chef der bri­ti­schen Santan­der-Toch­ter zu ver­kraf­ten. Der Por­tu­gie­se galt als ei­ner der heis­sen Fa­vo­ri­ten für die Sáenz-Nach­fol­ge, liess sich aber von Lloyds ab­wer­ben. Seit Jah­res­be­ginn führt Bo­tín-Toch­ter Ana Patri­cia (50) die Ge­schäf­te auf der In­sel. Ih­re Etap­pe in Bri­tan­ni­en gilt vie­len als Test für den Sprung an die Santan­der-Spit­ze, ent- we­der als Kon­zern­che­fin oder Nach­fol­ge­rin des Va­ters. Als An­wär­ter wer­den auch der Latein­ame­ri­ka­chef Fran­cis­co Lu­zón, Chef­stra­te­ge Juan Ro­drí­guez In­ci­ar­te so­wie Ja­vier Ma­rín Ro­ma­no vom glo­ba­len Pri­va­te Ban­king und auch Fi­nanz­di­rek­tor Jo­sé An­to­nio Al­va­rez ge­han­delt.

Er­folg­rei­cher Sa­nie­rer

Der stu­dier­te Ju­rist und Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Sáenz ist nicht nur der er­folg­rei­che Sa­nie­rer von Ba­nes­to. Seit 2002 ist er Chef von Santan­der, un­ter sei­ner Re­gie wag­te die Bank den Sprung nach Bri­tan­ni­en und bau­te ih­re Prä­senz in Bra­si­li­en aus. Bei­de Märk­te ent­wi­ckel­ten sich an­ge­sichts der schwe­ren Kri­se in Spa­ni­en zu­neh­mend zu Leis­tungs­trä­gern der Gross­bank. Un­eins sind sich die Ana­lys­ten über sei­nen tat­säch­li­chen Ein­fluss. «Das spe­zi­fi­sche Ge­wicht von Sáenz ist nicht all­zu gross, denn je­der Ver­ant­wort­li­che ei­nes Ge­schäfts­fel­des hat viel Macht», glaubt et­wa Al­ber­to Rol­dán von In­ver­se­gu­ros. Der Ef­fekt sei eher psy­cho­lo­gisch. An­de­re se­hen die Zu­kunft Santan­ders eher auf den Schul­tern von Ana Patri­cia Bo­tín und Al­va­rez ru­hen. Und Drit­te mei­nen, Sáenz ste­he über al­lem und brin­ge die zu­ge­kauf­ten Ban­ken auf Vor­der­mann.

Al­f­re­do Sáenz:

Der Santan­der-Kon­zern­chef hat sich vor Ge­richt zu ver­ant­wor­ten.

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