Glen­co­re will VR ver­jün­gen

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - DF

Der vom Zu­ger Roh­stoff­rie­sen Glen­co­re an­vi­sier­te Bör­sen­gang in London macht Än­de­run­gen im Ver­wal­tungs­rat nö­tig. Der­zeit setzt sich das fünf­köp­fi­ge Gre­mi­um aus­schliess­lich aus Per­so­nen zu­sam­men, die seit Jah­ren eng mit dem Un­ter­neh­men ver­bun­den sind. Es han­delt sich um den VR-Prä­si­den­ten und frü­he­ren Kon­zern­chef Wil­ly Strot­hot­te, CEO Ivan Gla­sen­berg (vgl. FuW vom Sams­tag), ExFi­nanz­chef Zby­nek Zak, den Zürcher Wirt­schafts­an­walt Pe­ter Pes­ta­loz­zi und Craig Da­vis, der 1990 in die Ge­schäfts­lei­tung von Glen­co­re ein­trat und ab 1995 den USAlu­mi­ni­um­pro­du­zen­ten Cen­tu­ry führ­te, an dem Glen­co­re 44% des Ka­pi­tals hält.

Das für ko­tier­te Un­ter­neh­men in Bri­tan­ni­en ver­bind­li­che Re­gel­werk des Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce Co­de ver­langt, dass min­des­tens zwei der mi­ni­mal drei nicht ge­schäfts­füh­ren­den VR-Mit­glie­der kei­ne per­sön­li­chen und fi­nan­zi­el­len Be­zie­hun­gen zur Ge­schäfts­lei­tung ha­ben. Aus­ser­dem darf der VR-Prä­si­dent nicht zu­gleich das Amt des Kon­zern­chefs aus­üben.

Seit der Ein­set­zung von Ivan Gla­sen­berg als CEO An­fang 2002 sind die Äm­ter des Kon­zern­chefs und VR-Prä­si­den­ten ge­trennt. Der 66-jäh­ri­ge Strot­hot­te wür­de je­doch nicht die vom Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce Co­de eben­falls vor­ge­schrie­be­ne Un­ab­hän­gig­keit des Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­den er­fül­len. Es gilt des­halb als so gut wie si­cher, dass Strot­hot­te vor dem Bör­sen­gang de­mis­sio­niert.

Der Zu­zug von neu­en Mit­glie­dern wür­de Glen­co­re auch er­mög­li­chen, den VR zu ver­jün­gen. Gla­sen­berg ist als 53-Jäh­ri­ger der jüngs­te jet­zi­ge Ver­wal­tungs­rat. Al­le an­de­ren Mit­glie­der sind über sech­zig. Zak trat En­de 2005 als Glen­co­re-Fi­nanz­chef in den Ru­he­stand. Pes­ta­loz­zi zog sich letz­tes Jahr als Part­ner der gleich­na­mi­gen Zürcher An­walts­kanz­lei zu­rück, de­ren Kun­de Glen­co­re seit vie­len Jah­ren ist. Die Al­ters­struk­tur des Ver­wal­tungs­rats spie­gelt in kei­ner Wei­se die jun­ge Ge­schäfts­füh­rung, de­ren Mit­glie­der mehr­heit­lich zwi­schen 35 und 45 Jah­ren zäh­len.

Ob Glen­co­re, wie von bri­ti­schen Me­di­en spe­ku­liert, den ge­schass­ten BP-Chef To­ny Hay­ward für die Wahl in den VR an­ge­fragt hat, ist of­fen. Das Un­ter­neh­men ana­ly­siert der­zeit die Pro­fi­le ver­schie­de­ner Kan­di­da­ten, und Ivan Gla­sen­berg lässt sein um­fang­rei­ches Be­zie­hungs­netz in der Roh­stoff­bran­che spie­len.

Kein The­ma vor dem Bör­sen­gang dürf­ten grös­se­re Über­nah­men sein. Die Kon­zern­füh­rung ist der­zeit wohl zu in­ten­siv mit der An­pas­sung der Un­ter­neh­mensstruk­tu­ren be­schäf­tigt, als dass sie sich – wie von «Les Echos» in Frank­reich kol­por­tiert wird – Ge­dan­ken über ei­nen Zu­sam­men­schluss mit dem eben­falls pri­va­ten Wett­be­wer­ber Lou­is Drey­fus macht.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.