Letz­te Chan­cen für die Spar­kas­sen

Re­gie­rung Za­pa­te­ro will Kern­ka­pi­tal­quo­te von 8% – Ver­staat­li­chung als ul­ti­ma­ti­ve Lö­sung – Aus­län­di­sche In­ves­to­ren in­ter­es­siert?

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - AN­GE­LI­KA ENG­LER,

Die spa­ni­sche Re­gie­rung glaubt die For­mel zur Sa­nie­rung der Spar­kas­sen und zur Wie­der­her­stel­lung des In­ves­to­ren­ver­trau­ens ge­fun­den zu ha­ben. Die sieb­zehn Spar­kas­sen und al­le Ban­ken müs­sen bis Sep­tem­ber ei­ne Kern­ka­pi­tal­quo­te von min­des­tens 8% auf­brin­gen. Wer dies durch Auf­nah­me pri­va­ten Ka­pi­tals oder Ak­ti­va­ver­käu­fe nicht er­reicht, dem droht – zu­min­dest vor­über­ge­hend – die Zwangs­ver­staat­li­chung und im Fall der Ca­jas die Um­wand­lung in ei­ne Bank.

Am En­de des Ul­ti­ma­tums dürf­te mit Zeit­ver­zö­ge­rung ei­ne mas­si­ve Re­ka­pi­ta­li­sie­rung mit Staats­gel­dern der auf sieb­zehn ge­schrumpf­ten Spar­kas­sen ste­hen. Den Ka­pi­tal­be­darf schätzt Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ele­na Sal­ga­do mit 20 Mrd. € sehr op­ti­mis­tisch ein; die Schät­zun­gen der Ana­lys­ten rei­chen von 17 bis 120 Mrd. €.

Deut­li­che Kurs­kor­rek­tur

Ge­mes­sen am heu­ti­gen Ni­veau der Kern­ka­pi­tal­quo­ten wür­den mit Ban­co de Va­len­cia (7,11%) und Bank­in­ter (6,76%) zwei ge­lis­te­te Fi­nanz­in­sti­tu­te durch­fal­len. Glei­ches gilt für meh­re­re Spar­kas­sen, dar­un­ter die um Ca­ja Ma­drid zu Spa­ni­ens dritt­gröss­tem Fi­nanz­in­sti­tut fu­sio­nier­ten Geld­häu­ser (6,8%). Die Bör­se re­agier­te auf die Per­spek­ti­ven am Di­ens­tag mit ei­ner Ab­stra­fung sämt­li­cher Bank­ti­tel.

Mit Blick auf die Staats­ver­schul­dung wer­den die 20 Mrd. €, mit de­nen die Re­gie­rung rech­net, das Land nicht über Mas­sen be­las­ten und auch das De­fi­zit­ziel von 6% für die­ses Jahr nicht ge­fähr­den: Nach den Wor­ten von Sal­ga­do be­deu­tet die Sum­me ei­nen An­stieg der Ge­samt­ver­schul­dung um le­dig­lich zwei Pro­zent­punk­te. Der Schul­den­stand dürf­te En­de 2010 nach ei­ner Kon­sens­schät­zung von Gross­ban­ken 66% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) er­reicht ha­ben und liegt da­mit wei­ter deut­lich un­ter dem EU-Durch­schnitt. Die-

Wirt­schafts-und Fi­nanz­mi­nis­te­rin Ele­na Sal­ga­do ser zwar schnell wach­sen­de, aber nach wie vor trag­ba­re Schul­den­berg und die für 2010 wohl ge­glück­te Rück­füh­rung des Haus­halts­de­fi­zits auf 9,3% des BIP sind in­des so ziem­lich die ein­zi­gen Vor­tei­le, die Spa­ni­en in die Waag­scha­le le­gen kann.

Erst ges­tern nahm in­des der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds die Wachs­tums­pro­gno­se für die­ses Jahr auf 0,6% und für 2012 auf 1,5% zu­rück. Über­dies mah­nen spa­ni­sche Steu­er­inspek­teu­re, die Zah­len von Sal­ga­do zu den er­war­te­ten Steu­er­ein­nah­men für 2011 sei­en viel zu op­ti­mis­tisch: Um das De­fi­zit­ziel von 6% tat­säch­lich zu er­rei­chen, müss­ten die Ein­spa­run­gen vier­mal hö­her aus­fal­len als 2010, sag­te Fran­cis­co de la Tor­re, Spre­cher der Ver- ei­ni­gung spa­ni­scher Steu­er­inspek­teu­re.

Auch im Fall der jüngs­ten Sa­nie­rungs­plä­ne für die Ca­jas und die Ban­ken dürf­te das letz­te Wort noch nicht ge­spro­chen sein. Viel­mehr scheint die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Jo­sé Lu­is Ro­drí­guez Za­pa­te­ro den nö­ti­gen Kahl­schlag hin­aus­zu­zö­gern, um sich die bis­he­ri­ge Sa­nie­rungs­po­li­tik nicht als Fehl­schlag ein­zu­ge­ste­hen. Mög­li­cher­wei­se glau­ben Za­pa­te­ro und Sal­ga­do in ih­rem ge­wohn­ten Op­ti­mis­mus aber tat­säch­lich, dass al­les noch gut wird und oh­ne hö­he­re Kos­ten für den Steu­er­zah­ler zu re­geln ist.

Op­ti­mis­mus oh­ne En­de

In ei­nem In­ter­view mit dem TV-Sen­der der Ta­ges­zei­tung «El Mun­do» zeig­te sich Za­pa­te­ro am Mon­tag über­zeugt, dass die Ca­jas die bis­her vom staat­li­chen Re­struk­tu­rie­rungs­fonds Frob zu ei­nem Zins­satz von 7,75% ge­lie­he­nen 11 Mrd. € zu­rück­zah­len wer­den: «Der Staat hat kein Geld ver­lo­ren. Im Ge­gen­teil, die­ses Jahr wer­den wir mit die­sen Kre­di­ten ei­ni­ge hun­dert Mil­lio­nen Eu­ro ein­neh­men.» An­schei­nend glaubt er fest an ein In­ter­es­se pri­va­ter In­ves­to­ren für die Ca­jas.

In­ter­es­se an den Ca­jas gibt es of­fen­bar. So sol­len der US-Fonds TPG, aber auch Cor­sair und so­gar chi­ne­si­sche In­ves­to­ren den Markt son­die­ren. Der Ha­ken dar­an ist: Sie wol­len le­dig­lich in Ca­jas mit sa­nier­ten Bi­lan­zen in­ves­tie­ren, auch wenn die­se über in­ter­es­san­te In­dus­trie­be­tei­li­gun­gen und Im­mo­bi­li­en in at­trak­ti­ven La­gen ver­fü­gen. Als Lö­sung des Di­lem­mas in der Fi­nanz­bran­che se­hen Ana­lys­ten von Roy­al Bank of Scot­land nur zwei We­ge: Ent­we­der die mas­si­ve Re­ka­pi­ta­li­sie­rung sei­tens des Staa­tes als ei­ne ers­te Stüt­ze. Oder die Schaf­fung ei­ner Bad Bank zur Aus­la­ge­rung der un­ein­hol­ba­ren Kre­di­te. Doch den de­li­ka­ten Weg ha­ben we­der Za­pa­te­ro noch an­de­re Po­li­ti­ker oder Ban­ken­auf­sichts­chef Mi­guel An­gel Fernán­dez Or­do­nez je­mals öf­fent­lich an­ge­deu­tet.

sieht ge­rin­gen Re­ka­pi­ta­li­sie­rungs­be­darf.

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