Roh­stoff­prei­se re­gu­lie­ren

Frank­reichs Staats­chef hat als G-20-Prä­si­dent ehr­gei­zi­ge Plä­ne

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - GW,

Das fran­zö­si­sche Staats­ober­haupt Nicolas Sar­ko­zy hat sich für die G-8-und G-20Prä­si­dent­schaft Frank­reichs ei­ne Rei­he ehr­gei­zi­ger Zie­le ge­setzt. «Wir le­ben in ei­ner neu­en Welt, des­halb brau­chen wir neue Ide­en», er­klär­te er am Mon­tag in Paris. Sar­ko­zy, der in sei­ner Hei­mat in ei­nem Dau­er­um­fra­ge­tief steckt, will gut ein Jahr vor den nächs­ten Prä­si­dent­schafts­wah­len als Staats­mann auf der in­ter­na­tio­na­len Büh­ne glän­zen. Al­ler­dings dürf­te es für ihn schwie­rig wer­den, sein am­bi­tio­nier­tes Pro­gramm um­zu­set­zen, wie er selbst zu­gab: Er wis­se, dass nicht al­le Pro­ble­me wäh­rend ei­ner Amts­zeit ge­löst wer­den könn­ten, sag­te er. Aber zu­min­dest kön­ne Frank­reich ei­ne De­bat­te an­stos­sen.

Den Yuan in­te­grie­ren

Gleich­zei­tig ver­schob Sar­ko­zy den Schwerpunkt des Pro­gramms, denn er sieht den Kampf ge­gen ex­plo­die­ren­de Roh­stoff­prei­se vor al­lem in der Agrar­bran­che als wich­tigs­tes The­ma sei­ner G-20-Prä­si­dent­schaft. «Wir brau­chen für die Roh­stof­fe eben­so ei­ne Re­gu­lie­rung wie auf den Fi­nanz­märk­ten», for­der­te er. Ge­sche­he dies nicht, wür­den der Welt Hun­gers­re­vol­ten in ar­men Län­dern dro­hen.

Sar­ko­zy kri­ti­sier­te vor al­lem die Ten­denz zu Spe­ku­la­tio­nen auf den Roh­stoff­märk­ten. Er will zwar nicht grund­sätz­lich das Ge­schäft mit Roh­stoff­de­ri­va­ten ver­bie­ten, for­dert je­doch ei­ne stren­ge­re Re­gu­lie­rung. Of­fen­bar spricht er sich da­bei zu­guns­ten von Ab­ga­ben für die Käu­fer von Roh­stoff­de­ri­va­ten und ei­ner Be­gren­zung ih­rer Po­si­tio­nen aus. Sar­ko­zy will zu­dem ei­ne zen­tra­le Da­ten­bank für den Roh­stoff­han­del nach dem Vor­bild des Öl­markts auf­bau­en, um mehr Trans­pa­renz zu schaf­fen. Dar­in sol­len In­for­ma­tio­nen über Vor­rä­te, Trends und Prei­se für die Nah­rungs­mit­tel-und Ener­gie­bran­chen ent­hal­ten sein. Der rus­si­sche Prä­si­dent Di­mi­tri Med­we­dew soll ei­ne Ar­beits­grup­pe zu dem The­men­kom­plex lei­ten. We­sent­lich zu­rück­hal­ten­der äus­ser­te sich Sar­ko­zy zu der von ihm an­ge­reg­ten Re­form des in­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­sys­tems: Noch letz­tes Jahr hat­te er ge­for­dert, es müs­se über ei­ne Al­ter­na­ti­ve zum Dol­lar als Leit­wäh­rung nach­ge­dacht wer­den. Die­se Idee war in den USA auf Wi­der­stand ge­stos­sen, und so be­tont Sar­ko­zy jetzt, dass der Dol­lar die Leit­wäh­rung blei­ben wer­de. Aber neue Wäh­run­gen müss­ten bes­ser in das be­ste­hen­de Sys­tem in­te­griert wer­den, be­ton­te er. So könn­te der Yuan zu ei­ner der Ba­sis­wäh­run­gen der Son­der­zie­hungs­rech­te (SZR) des IWF ge­macht wer­den.

Er spricht sich auch nicht für Ka­pi­tal­markt­kon­trol­len aus. Al­ler­dings sei­en In­ter­ven­tio­nen bei ex­tre­men Schwan­kun­gen von Ka­pi­tal­flüs­sen ge­recht­fer­tig. Deutsch­land soll zu­sam­men mit Me­xi­ko – das 2012 den G-20-Vor­sitz über­nimmt – ei­ne Ar­beits­grup­pe zu die­sem The­men­kom­plex lei­ten.

Trans­ak­ti­ons­steu­er

Wie be­reits zu­vor for­der­te Sar­ko­zy auch ei­ne Steu­er auf Fi­nanz­trans­ak­tio­nen. Er ha­be auch die Idee ei­ner Ar­beits­recht­char­ta nicht auf­ge­ge­ben, die von al­len Län­dern un­ter­zeich­net wer­den müs­se. Frank­reich wün­sche ei­nen uni­ver­sa­len so­zia­len Min­dest­stan­dard in der Welt.

Be­reits am 18. und 19. Fe­bru­ar sol­len sich die Fi­nanz­mi­nis­ter und Zen­tral­bank­chefs der G-20-Staa­ten in Paris tref­fen, be­vor sie En­de März in Pe­king an ei­ner Ex­per­ten­kon­fe­renz zu Wäh­rungs­fra­gen teil­neh­men. En­de Mai ist dann ein Tref­fen der G-8-Staa­ten in De­au­vil­le ge­plant, an des­sen Ran­de Nicolas Sar­ko­zy ein Fo­rum der welt­weit gröss­ten In­ter­net-Fir­men or­ga­ni­sie­ren will. An­fang No­vem­ber soll dann ein G-20-Gip­fel in Can­nes statt­fin­den. Am Don­ners­tag wird der neue G-8und G-20-Prä­si­dent auf dem Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos er­war­tet.

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