Aus­län­di­sche Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen in Asi­en neh­men zu

Süd­ost­asi­en pro­fi­tiert am kräf­tigs­ten – In ab­so­lu­ten Zah­len zieht die Volks­re­pu­blik Chi­na noch im­mer am meis­ten aus­län­di­sches Ka­pi­tal an

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - ERNST HERB,

Die fern­öst­li­chen Schwel­len­län­der konn­ten sich nach der asia­ti­schen Fi­nanz­markt-und Wirt­schafts­kri­se von 1997/98 dank ei­nem Ex­port­boom, an­schwel­len­den Geld­über­wei­sun­gen von im Aus­land ar­bei­ten­den Asia­ten und den ra­sant wach­sen­den aus­län­di­schen Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen vom Kon­junk­tur­ein­bruch ver­hält­nis­mäs­sig rasch er­ho­len. Al­ler­dings floss das Ka­pi­tal da­bei sehr un­gleich in die Re­gi­on. Chi­na, Sin­ga­pur und Thai­land wur­den von den aus­län­di­schen In­ves­to­ren weit frü­her ent­deckt als In­di­en, In­do­ne­si­en oder Viet­nam. In­fol­ge der Fi­nanz­kri­se in den USA und in Eu­ro­pa ebb­te der Ka­pi­tal­zu­fluss ab Herbst 2008 vor­über­ge­hend ab. 2010 wuchs er nach An­ga­ben der Ent­wick­lungs­agen­tur Unc­tad aber er­neut mehr als 10% auf rund 210 Mrd. $.

Ma­lay­sia wie­der­ent­deckt

Ne­ben dem Zuf­luss von Port­fo­li­o­in­ves­ti­tio­nen trug das we­sent­lich da­zu bei, dass asia­ti­sche Wäh­run­gen im ver­gan­ge­nen Jahr un­ter er­heb­li­chen Auf­wer­tungs­druck ge­ra­ten sind. Ei­nen be­son­ders star­ken Zu­wachs der grenz­über­schrei­ten­den An­la­ge­tä­tig­keit konn­ten 2010 im Ver­gleich zum Vor­jahr Ma­lay­sia (400%), In­do­ne­si­en (160%) und Sin­ga­pur (122%) ver­zeich­nen. Mit ei­nem Plus von je­weils rund 10% hink­ten Chi­na und Viet­nam deut­lich hin­ter­her, wäh­rend In­di­en, Süd­ko­rea und die Phil­ip­pi­nen so­gar ei­nen Rück­gang der In­ves­ti­ti­ons­tä­tig­keit von Aus­län­dern re­gis­trie­ren muss­ten. In ab­so­lu­ten Zah­len blieb die Volks­re­pu­blik Chi­na aber auch 2010 mit 105 Mrd. $ das mit Ab­stand wich­tigs­te Emp­fän­ger­land aus­län­di­scher Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen.

Ver­än­dert hat sich nicht nur das Vo­lu­men des in die ein­zel­nen Län­der flies­sen­den Ka­pi­tals, son­dern vor al­lem auch sei­ne Her­kunft. Stamm­te es vor zehn Jah­ren noch fast aus­schliess­lich aus den hoch ent­wi­ckel­ten Volks­wirt­schaf­ten Nord­ame­ri­kas, Eu­ro­pas und Ja­pans, so hat die in­ter­re­gio­na­le In­ves­ti­ti­ons­tä­tig­keit in­zwi­schen deut­lich an Be­deu­tung ge­won­nen. In Län­dern wie Kam­bo­dscha, La­os, Myan­mar und der Mon­go­lei ist die Volks­re­pu­blik Chi­na heu­te der mit Ab­stand wich­tigs­te aus­län­di­sche In­ves­tor. Chi­ne­sen in­ves­tie­ren zu­dem zu­neh­mend in den in­do­ne­si­schen Roh­stoff­sek­tor.

Ei­ne Rei­he von Fak­to­ren hat zum er­neu­ten An­stieg aus­län­di­scher Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen in die asia­ti­schen Wachs­tums- märk­te bei­ge­tra­gen. Zum ei­nen setzt die zu­neh­men­de Übe­r­al­te­rung in den tra­di­tio­nel­len In­dus­trie­staa­ten dem dor­ti­gen Bin­nen­wachs­tum kla­re Gren­zen. Ge­mäss ei­ner Er­he­bung der Ja­pan Bank for In­ter­na­tio­nal Co­ope­ra­ti­on ha­ben 82% al­ler be­frag­ten ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­men vor, ih­re Aus­land­ak­ti­vi­tä­ten aus­zu­bau­en. Das sind deut­lich mehr als noch vor zwei Jah­ren. Da­ge­gen wol­len nur 32% der an der Um­fra­ge be­tei­lig­ten Ge­sell­schaf­ten auf dem Bin­nen­markt ex­pan­die­ren.

Tiefere Lohn­kos­ten

Ge­mäss dem ja­pa­ni­schen Fi­nanz­haus No­mu­ra zieht vor al­lem der in den asia­ti­schen Schwel­len­län­dern ra­sant an Be­deu­tung ge­win­nen­de Bin­nen­kon­sum aus­län­di­sches Ka­pi­tal an. Das steht im Kon­trast zu den ers­ten Jah­ren nach der asia­ti­schen Fi­nanz­markt­kri­se, als Aus­län­der über­wie­gend in In­dus­tri­en in­ves­tier­ten, die auf den Ex­port aus­ge­rich­tet wa­ren. Die­ser Trend be­schränkt sich nicht nur auf Asi­en. Er ist nach An­sicht der Unc­tad we­sent­lich da­für ver­ant­wort­lich, dass im ver­gan­ge­nen Jahr erst­mals mehr grenz­über­schrei­ten­de Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen in Schwel­len­län­dern als in den hoch in­dus­tria­li­sier­ten Staa­ten vor­ge­nom­men wur­den.

Asi­en pro­fi­tiert da­von in be­son­de­rem Mas­se, weil die Be­völ­ke­rung ver­gleichs­wei­se jung ist und die Wirt­schafts­in­te­gra­ti­on in Fer­n­ost in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­li­che Fort­schrit­te ge­macht hat. So ha­ben et­wa die im Ver­band süd­ost­asia­ti­scher Staa­ten (Ase­an) zu­sam­men­ge­schlos­se­nen Län­der ei­nen Bin­nen­markt mit mehr als 500 Mio. Kon­su­men­ten ge­schaf­fen. Als Fol­ge da­von ist Thai­land für ja­pa­ni­sche Au­to­mo­bil­kon­zer­ne zu ei­nem der welt­weit wich­tigs­ten Pro­duk­ti­ons­stand­or­te auf­ge­stie­gen. In den kom­men­den Jah­ren dürf­ten ver­mehrt aus­län­di­sche Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen nach Süd­ost­asi­en flies­sen. Das vor al­lem auch des­halb, weil die Lohn­kos­ten in Län­dern wie In­do­ne­si­en, Thai­land und den Phil­ip­pi­nen mitt­ler­wei­le tie­fer sind als in den chi­ne­si­schen In­dus­trie­zen­tren Schang­hai und Guang­dong.

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