Un­be­que­mer Ja­pan-Pre­mier

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND -

Nao­to Kan, der ja­pa­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter, übt sein Amt erst seit sie­ben Mo­na­ten aus. An­ge­sichts ei­ner Zu­stim­mungs­ra­te in Um­fra­gen von 25% ist er al­les an­de­re als po­pu­lär. Trotz­dem ist Kan, der nicht wie bei ja­pa­ni­schen Re­gie­rungs­grös­sen üb­lich aus ei­nem Po­li­ti­ker­ge­schlecht stammt, ein Hoff­nungs­trä­ger. Der Sohn ei­nes ein­fa­chen An­ge­stell­ten wagt es, un­be­que­me Wahr­hei­ten zu be­nen­nen und das Volk zur Mit­ver­ant­wor­tung her­an­zu­zie­hen.

Die Öf­fent­lich­keit müs­se ih­ren Teil zu ei­ner so­li­de­ren Fi­nan­zie­rung des Staats­haus­halts bei­tra­gen, be­ton­te Kan in sei­ner Re­de zur Er­öff­nung des Par­la­ments im neu­en Jahr. Im lau­fen­den Fis­kal­jahr (per En­de März) wird die Neu­ver­schul­dung zum zwei­ten Mal in Fol­ge die Steu­er­ein­nah­men über­tref­fen. Schät­zun­gen der OECD zu­fol­ge wird die Staats­ver­schul­dung erst­mals mehr als das Zwei­fa­che des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) be­tra­gen und 2011/12 auf 210% des BIP stei­gen. So kann es nicht wei­ter­ge­hen. Kan muss die Ein­nah­men stei­gern und die im Zu­ge der glo­ba­len Fi­nanz­kri­se stark er­höh­ten Staats­aus­ga­ben re­du­zie­ren. Der Pre­mier er­wähn­te es nicht ex­pli­zit, doch je­der Ja­pa­ner weiss, was mit der Kos­ten­be­tei­li­gung der Öf­fent­lich­keit ge­meint ist. Der tie­fe Mehr­wert­steu­er­satz soll von 5 auf 10% ver­dop­pelt wer­den. Die Er­hö­hung ist un­ter den Ja­pa­nern, die un­ter sta­gnie­ren­den Re­al­ein­kom­men lei­den, äus­serst un­po­pu­lär. Doch Kan will auch ih­re Kauf­kraft ver­bes­sern. Sein Ziel ist es, dass sich Ja­pan an den Ver­hand­lun­gen u. a. mit den USA zur Er­wei­te­rung des Transpa­zi­fi­schen Frei­han­dels­ab­kom­mens be­tei­ligt und die ho­hen Zöl­le vor al­lem auf Land­wirt­schafts­gü­tern be­sei­tigt.

«Ja­pan muss sich öff­nen», lau­tet sein Cre­do. Dem Land bleibt gar nichts an­de­res üb­rig, lies­se sich hin­zu­fü­gen. An­ge­sichts ei­ner ra­pid al­tern­den Ge­sell­schaft – das Durch­schnitts­al­ter ja­pa­ni­scher Bau­ern bei­spiels­wei­se er­reicht schon 66 Jah­re – ist das In­sel­reich auf Im­pul­se aus dem Aus­land an­ge­wie­sen. Das gilt auch für die Re­fi­nan­zie­rung der Staats­schul­den. Noch ist die Re­gie­rung in der La­ge, 95% der An­lei­hen im In­land zu pla­zie­ren. Doch die Ja­pa­ner, de­ren Spar­quo­te seit Jah­ren sinkt und bald ge­gen null ten­diert, kön­nen die­se Last nicht mehr al­lein tra­gen. In­ter­na­tio­na­le In­ves­to­ren, dar­über herrscht kein Zwei­fel, wer­den auf ge­sün­de­re Staats­fi­nan­zen po­chen.

über die Warn­ru­fe von Nao­to Kan in Sa­chen Staats­ver­schul­dung

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