Klas­si­sches Buy and Hold zum Schei­tern ver­ur­teilt

Pas­siv in­ves­tie­ren, aber ak­tiv zwi­schen den An­la­ge­klas­sen um­schich­ten – Mo­dell sys­tem­ge­trie­be­ner Al­lo­ka­ti­ons­ver­än­de­run­gen bringt gu­te Re­sul­ta­te

Finanz und Wirtschaft - - SONDERTHEMA - MARC DEFILIPPI

Vie­le lang­fris­tig ori­en­tier­te In­ves­to­ren hal­ten die ein­mal ge­wähl­te Ver­mö­gens­al­lo­ka­ti­on auf Ak­ti­en, An­lei­hen und Geld­markt­an­la­gen für sta­tisch. We­gen der hef­ti­gen Kor­rek­tu­ren am Ak­ti­en­markt ist die­ses Vor­ge­hen für man­che Port­fo­li­os un­halt­bar ge­wor­den. Vor­sor­geinsti­tu­tio­nen hin­ter­fra­gen zu­neh­mend Sinn und Zweck ris­kan­ter An­la­ge­stra­te­gi­en im Kon­text ih­rer treu­hän­de­ri­schen Ver­ant­wor­tung. Auf­sichts­be­hör­den zwin­gen in ge­wis­sen Si­tua­tio­nen gar Mass­nah­men auf, um ei­ne wei­te­re Aus­wei­tung der Lü­cke zwi­schen Ak­ti­ven und Ver­pflich­tun­gen zu ver­hin­dern.

Ef­fi­zi­ent vor Wert­schwan­kun­gen schüt­zen kann je­doch ei­ne dy­na­mi­sche An­la­ge­al­lo­ka­ti­on ge­stützt auf die Li­qui­di­täts­ei­gen­schaf­ten ko­tier­ter An­la­ge­fonds (ETF, Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds). Da­mit kann zwi­schen li­qui­den An­la­ge­uni­ver­sen al­ter­na­ti­ver und tra­di­tio­nel­ler Art Mehr­wert ge­ne­riert wer­den.

Je ei­ge­ne Zy­klen nut­zen

Wäh­rend der Kre­dit­kri­se wur­den vie­le In­ves­to­ren nicht nur von der Per­for­mance der Hedge-Funds-En­ga­ge­ments ent­täuscht, son­dern auch von der Un­mög­lich­keit, sich von sol­chen In­vest­ments zu tren­nen. Sie muss­ten sich mit il­li­qui­den Po­si­tio­nen (Si­d­epo­ckets) ab­fin­den, so­fern sie sie nicht mit gros­sem Preis­ab­schlag über den Se­kun­där­markt ver­äus­sern woll­ten. Seit­her ist der Ruf nach bes­se­rer Han­dels­fä­hig­keit nicht ab­ge­klun­gen.

In­ter­es­san­ter­wei­se ver­moch­ten sich li­qui­de Stra­te­gi­en wie CTA (Com­mo­di­ty Tra­ding Ad­vi­sors) wäh­rend der Kri­se zu be­haup­ten (HFRX Sys­te­ma­tic Di­ver­si­fied In­dex 2008: +31%). Im Fol­ge­jahr ver­lo­ren CTA je­doch im Schnitt rund 9%, wäh­rend an­de­re Hedge-Fund-Stra­te­gi­en den Markt über­tra­fen. Die Er­fah­rung zeigt, dass al­le Stra­te­gi­en ih­re ei­ge­nen Zy­klen auf­wei­sen und sich je nach Markt­um­feld un­ter­schied­lich ver­hal­ten.

Kla­res Zei­chen der fort­schrei­ten­den In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung der Hedge-Fund­sBran­che ist, dass Al­lo­ka­ti­ons­ent­schei­de gleich wie in tra­di­tio­nel­len An­la­ge­sek­to­ren den Gross­teil der Ge­samt­per­for­mance aus­ma­chen. Si­cher­lich be­darf es wei­ter ei­ner so­li­den An­bie­ter­s­e­lek­ti­on. Der Wett­be­werb um die bes­ten An­la­ge­ta­len­te hat je­doch zu­ge­nom­men und den ein­her­ge­hen­den re­la­ti­ven Mehr­wert ge­schmä­lert.

Für pas­si­ve An­la­ge­ve­hi­kel stellt sich die Fra­ge nicht, da sie den In­dex re­pli­zie­ren. Die Nach­fra­ge nach Han­del­bar­keit und das zy­kli­sche Ver­hal­ten der Hedge-Fun­dS­tra­te­gi­en ha­ben uns ver­an­lasst, nach in- no­va­ti­ven Lö­sun­gen im Fund-of-Fund­sBe­reich zu su­chen. Ba­sie­rend auf lang­jäh­ri­ger Er­fah­rung in der Be­wer­tung qua­li­ta­ti­ver, ope­ra­tio­nel­ler und quan­ti­ta­ti­ver Kom­po­nen­ten wur­de das quan­ti­ta­ti­ve Mo­dul auf Hedge Funds mit wö­chent­li­cher Han­dels­li­qui­di­tät ap­pli­ziert.

Her­kömm­li­che quan­ti­ta­ti­ve An­sät­ze fo­kus­sie­ren auf Ren­di­te und Vo­la­ti­li­tät. Un­ser Mo­dell nutzt Kri­te­ri­en, die die Markt­ab­hän­gig­keit und die Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­ei­gen­schaf­ten von Hedge Funds ge­gen­über an­de­ren An­la­ge­klas­sen be­rück­sich­ti­gen. Mit die­sem ver­hal­tens­ori­en­tier­ten An­satz las­sen sich sys­te­ma­tisch Fonds­ma­na­ger wäh­len, die in der je­wei­li­gen Markt­ge­ge­ben­heit op­por­tun und vor­teil­haft sind.

Si­gna­le für Ein-und Aus­stieg

Dar­aus re­sul­tiert ei­ne äus­serst dy­na­mi­sche und fle­xi­ble Stra­te­gie­al­lo­ka­ti­on, die sich in frü­he­ren Kri­sen­zei­ten be­währt hat. Im Ver­gleich mit dem HFRX Glo­bal Hedge Fund In­dex, der 2008 mehr als 23% ver­lo­ren hat­te, ver­moch­te das be­schrie­be­ne Kon­zept den Jah­res­ver­lust mit rund 5% in Gren­zen zu hal­ten.

Das Po­ten­zi­al der CTA-Ma­na­ger ist vor der Kre­dit­kri­se ab Som­mer 2007 durch ei­ne ver­grös­ser­te Port­fo­li­o­zu­tei- lung an­ti­zi­piert wor­den, was sich als sta­bi­li­sie­rend her­aus­stell­te. Bald nach dem Ze­nit ist dann die­se Ge­wich­tung in güns­ti­ger Wei­se re­du­ziert wor­den. Das­sel­be trifft auch für die im Zeit­ab­lauf schwan­ken­de Be­rück­sich­ti­gung an­de­rer Fonds­stra­te­gi­en zu.

In Kri­sen­la­gen be­währt

Die at­trak­ti­ven Al­lo­ka­ti­ons­ei­gen­schaf­ten des An­sat­zes ha­ben uns ver­an­lasst, das Mo­dell auch auf tra­di­tio­nel­le An­la­ge­klas­sen an­zu­wen­den. Da­bei kann man ne­ben Ak­ti­en-, Roh­stoff-und fest­ver­zins­li­chen In­vest­ments auch Geld­markt­an­la­gen ein­be­zie­hen, was ei­nen gu­ten Ka­pi­tal­schutz in Kri­sen­zei­ten er­mög­licht.

Der Mecha­nis­mus die­ses Ge­samt­markt­mo­dells hat­te noch vor dem Leh­man-De­ba­kel ei­ne 80%-Ge­wich­tung von Geld­markt­an­la­gen an­ge­zeigt, was 2008 mit ei­ner Mi­nus­per­for­mance von le­dig­lich et­wa 7% vor ei­nem grös­se­ren Ver­lust be­wahrt hät­te. Man­che ak­ti­ven In­ves­to­ren hat­ten da­mals wäh­rend der Kre­dit­kri­se eben­falls recht­zei­tig Schutz ge­sucht. Nur die we­nigs­ten ver­moch­ten al­ler­dings nach der Kor­rek­tur zeit­nah wie­der in die Märk­te ein­zu­stei­gen bzw. über­haupt er­neut An­la­ge­ri­si­ko und -chan­cen ein­zu­ge­hen. Un­ser Mo­dell je­doch ver­rin- ger­te ab April 2009 die Cash-Quo­te in kur­zer Zeit auf null.

Der Ein­satz pas­si­ver An­la­ge­ve­hi­kel oh­ne ak­ti­ve Al­lo­ka­ti­ons­ent­schei­de ist für vie­le In­ves­to­ren un­halt­bar. Dank der Li­qui­di­tät und der Brei­te pas­si­ver An­la­ge­for­men ist ein dy­na­mi­scher In­vest­ment­pro­zess je­doch mach­bar. Die Um­schich­tungs­ent­schei­de kön­nen nach Er­mes­sen oder aber mit Sys­te­ma­tik ge­trof­fen wer­den. Wer­den glei­che Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en zur Ent­schei­dungs­fin­dung her­an­ge­zo­gen, müss­ten die Re­sul­ta­te iden­tisch sind.

In der Pra­xis ist es je­doch wie mit dem Au­to­fah­ren. Es gibt Re­geln (Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en) wie die Tem­po-50-Be­gren­zung und den Farb­code der Ver­kehrs­am­peln. Könn­te nach Er­mes­sen ge­fah­ren wer­den, wür­den exo­ge­ne Fak­to­ren wie Her­den­trieb, Gier und Angst hin­ein­spie­len. Ein von Emo­tio­nen los­ge­lös­ter sys­te­ma­ti­scher An­satz ver­mag aber bes­ser, sich den im­mer wie­der än­dern­den Ge­ge­ben­hei­ten an­zu­pas­sen und Op­por­tu­ni­tä­ten zu nut­zen. Letzt­end­lich sind es just die­se Al­lo­ka­ti­ons­ent­schei­de, die die Ge­samt­per­for­mance mass­geb­lich be­ein­flus­sen. Marc Defilippi ist Se­ni­or Port­fo­lio Ma­na­ger von EIM in Nyon, ei­nem un­ab­hän­gi­gen An­bie­ter von Dach­fonds­lö­sun­gen.

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