Mit Voll­gas an die Spit­ze

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Es kommt sel­ten vor, dass ein 37-Jäh­ri­ger Chef ei­nes Au­to­her­stel­lers wird. Noch er­staun­li­cher ist es, wenn die be­sag­te Per­son vor­her noch nie ein Un­ter­neh­men ge­lei­tet hat. Doch in Da­ny Ba­hars Kar­rie­re ist das nicht wei­ter über­ra­schend: Der smar­te Se­con­do aus dem Bünd­ner­land hat im Schnell­zugs­tem­po ei­ne hol­ly­woodrei­fe «Tel­ler­wä­scher­kar­rie­re» hin­ge­legt – und ist noch lan­ge nicht mü­de.

Seit Ok­to­ber 2009 lei­tet der aus Sur­lej im En­ga­din stam­men­de Ba­har die bri­ti­sche Tra­di­ti­ons­mar­ke Lo­tus. Den de­fi­zi­tä­ren Sport­wa­gen­her­stel­ler – die letz­ten fünf­zehn Jah­ren wur­den ro­te Zah­len ge­schrie­ben – zu sa­nie­ren, ist für den Fa­mi­li­en­va­ter ei­ne reiz­vol­le Auf­ga­be; so reiz­voll, dass er da­für ei­ne be­geh­rens­wer­te Po­si­ti­on auf­gab und sich persönlich an Lo­tus be­tei­lig­te.

Be­acht­li­cher Wer­de­gang

Ba­har will aus Lo­tus ein ren­ta­bles Un­ter­neh­men ma­chen und die Mar­ke zu eins­ti­gem An­se­hen zu­rück­füh­ren. Da­zu sind ihm über zwan­zig Ent­wick­ler, De­si­gner und an­de­re Fach­kräf­te von Mar­ken wie Fer­ra­ri, Mer­ce­des-Benz oder Por­sche ge­folgt – un­ter an­de­rem der ehe­ma­li­ge Fer­ra­ri-Chef­de­si­gner Do­na­to Coc­co.

Das Rüst­zeug für die Re­struk­tu­rie­rung hol­te sich Ba­har in nam­haf­ten Un­ter­neh­men. Vor sei­nem En­ga­ge­ment bei Lo­tus ar­bei­te­te er in Ma­ra­nel­lo, Ita­li­en – für den Sport­wa­gen­her­stel­ler Fer­ra­ri. Un­ter Lu­ca di Mon­te­ze­mo­lo war er ver­ant­wort­lich für das ge­sam­te kom­mer­zi­el­le Au­to­mo­bil­ge­schäft, für Mar­ke­ting und Ver­kauf, für Li­zen­zen und das Mer­chan­di­sing.

Da­vor wur­de er von Red-Bull-Be­sit­zer Dietrich Ma­te­schitz ge­stählt – Ba­har am­tier­te als rech­te Hand des er­folg­rei­chen Mar­ke­ting­stra­te­gen. Sei­ne be­ruf­li­che Kar­rie­re be­gann der in Istan­bul ge­bo­re­ne Sohn ei­nes Slo­wa­ken und ei­ner Tür­kin je­doch ganz be­schei­den: Ei­ner Ver­kaufs­leh­re in ei­nem Sport­wa­ren­ge­schäft folg­te ei­ne KV-Leh­re in Wil, SG. Doch be­reits da­nach zog es ihn ins Aus­land: Ba­har ar­bei­te­te in Rom und Du­bai, be­vor er zum Va­du­zer Ver­mö­gens­ver­wal­ter Fritz Kai­ser wech­sel­te. Dort lern­te er sei­nen spä­te­ren Men­tor Ma­te­schitz ken­nen, der ihn 2003 zu Red Bull ab­warb.

Neu­po­si­tio­nie­rung

Ba­har hat ehr­gei­zi­ge Plä­ne: Lo­tus soll 2015 schwar­ze Zah­len schrei­ben. Hier­für sol­len die Pro­duk­ti­ons­kos­ten dras­tisch re­du­ziert wer­den – statt wie an­de­re Her­stel­ler bis zu 1 Mrd. Fr. in die Ent­wick­lung ei­nes neu­en Mo­dells zu in­ves­tie­ren, will Ba­har Glei­ches mit 200 bis 250 Mio. Fr. schaf­fen. Die Ent­wick­lungs­zeit soll auf ein Fünf­tel re­du­ziert, gleich­zei­tig aber die Qua­li­tät der Fahr­zeu­ge ge­stei­gert wer­den. Dass die künf­ti­gen Lo­tus-Mo­del­le im Kon­kur­renz­ver­gleich auch noch 30% güns­ti­ger sein sol­len, emp­fin­det Ba­har nicht als Wi­der­spruch.

Um die­se Zie­le zu er­rei­chen, will Ba­har die Mar­ke Lo­tus neu po­si­tio­nie­ren. Lo­tus soll künf­tig mit Por­sche, As­ton Mar­tin, Ma­se­ra­ti oder Fer­ra­ri ver­gli­chen wer­den – al­so weg vom pu­ris­ti­schen Flit­zer für Renn­sport­ver­narr­te, hin zum lu­xu­riö­sen Pre­mi­um­sport­wa­gen für Wohl­ha­ben­de. Ei­nen Ima­ge­schub wird si­cher­lich das En­ga­ge­ment in der Kö­nigs­klas­se des Renn­sports ge­ben. Erst­mals seit 1994 ist Lo­tus wie­der in der For­mel 1 ver­tre­ten. Und auch hier bringt der Tau­send­sas­sa Ba­har Er­fah­run­gen mit: Un­ter Ma­te­schitz war er für die Ver­mark­tung der bei­den Red-Bul­lFor­mel-1-Teams ver­ant­wort­lich.

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