«Tie­fe Vo­la­ti­li­tät bie­tet auch Vor­tei­le»

Emit­ten­ten von Zer­ti­fi­ka­ten er­klä­ren, wie An­le­ger von der ge­rin­gen Schwan­kungs­brei­te der Ak­ti­en pro­fi­tie­ren kön­nen

Finanz und Wirtschaft - - AUTOMOBIL - ANDRE­AS STO­CKER AST

Der Markt für struk­tu­rier­te Pro­duk­te hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr sta­bi­li­siert. Rund 213 Mrd. Fr. sind in De­ri­va­te (Zer­ti­fi­ka­te und He­bel­pro­duk­te) in­ves­tiert, dies ent­spricht 4,9% der Ge­samt­de­pot­ver­mö­gen (vgl. Gra­fik).

Die Emit­ten­ten im Schwei­zer Markt zie­hen im Gros ein po­si­ti­ves Fa­zit über 2010. «Der Ge­schäfts­ver­lauf war gut, ob­schon 2010 nicht ein Jahr des Wachs­tums für struk­tu­rier­te Pro­duk­te war. Die Stim­mung be­ur­tei­len wir als vor­sich­tig po­si­tiv, nach­dem das Ver­trau­en lang­sam aber si­cher wie­der zu­rück­kehrt», er­klärt Georg von Wat­ten­wyl, Lei­ter Fi­nan­ci­al Pro­ducts Ad­vi­so­ry & Dis­tri­bu­ti­on der Bank Von­to­bel.

Tho­mas Schmid­lin, Di­rec­tor Struc­tu­red Pro­ducts der Cla­ri­den Leu, be­stä­tigt: «Der Markt hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr gut ent­wi­ckelt. Die im­mer noch zu­rück­hal­ten­de Stim­mung der An­le­ger zeigt aber, dass noch Stei­ge­rungs­po­ten­zi­al vor­han­den ist.» Wil­li Bu­cher, He­ad Struc­tu­red Pro­ducts Ad­vi­so­ry and Sa­les von Ju­li­us Bär, er­läu­tert: «Wir sind mit dem Ge­schäfts­gang zu­frie­den. Die Kun­den zeig­ten wie­der ver­mehr­tes In­ter­es­se an struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten, und die Stim­mung hat sich wei­ter ver­bes­sert. Wir ver­zeich­ne­ten ein zwei­stel­li­ges Wachs­tum in den Vo­lu­men ge­gen­über 2009.»

Doch wel­che Pro­duk­te wa­ren be­son­ders be­liebt? Von Wat­ten­wyl ant­wor­tet: «Ren­di­te­opti­mie­rungs­pro­duk­te auf Ak­ti­en wa­ren ge­sucht. Eben­falls frag­ten An­le­ger nach Pro­duk­ten auf Schwel­len­län­der, Roh­stof­fe so­wie In­stru­men­te, die von stei­gen­den Zin­sen pro­fi­tie­ren.» Pao­lo Va­ni­ni, Lei­ter struk­tu­rier­te Pro­duk­te und Cross As­sets der Zürcher Kan­to­nal­bank (ZKB), führt wei­ter aus: «Das mit Ab­stand be­lieb­tes­te Zer­ti­fi­kat wa­ren Floa­ter Bar­ri­er Re­ver­se Con­ver­ti­bles, de­ren Cou­pon bei­spiels­wei­se an den Drei­mo­nats­li­bor in Fran­ken ge­kop­pelt ist.»

Tiefere Cou­pons

Die ge­gen En­de Jahr mar­kant ge­sun­ke­ne Vo­la­ti­li­tät er­schwert aber ge­ra­de im ge­gen­wär­ti­gen Um­feld ei­ne at­trak­ti­ve Aus­ge­stal­tung des Bar­ri­er Re­ver­se Con­ver­ti­bles, dem Lieb­lings­pro­dukt des Schwei­zer An­le­gers. Durch die Prä­mie, die über den Ver­kauf ei­ner Down-and-in-Put-Op­ti­on er­zielt wird, zahlt das In­stru­ment ei­nen fi­xen Cou­pon aus. Je tie­fer die Vo­la­ti­li­tät (vgl. Gra­fik), des­to ge­rin­ger ist auch die Cou­pon­zah­lung, oder aber des­to hö­her liegt die Bar­rie­re. Vi­to Schi­ro, He­ad Struc­tu­red Pro­ducts der UBS, merkt an: «Es wä­re zu er­war­ten, dass in Bar­ri­er Re­ver­se Con­ver­ti­bles die Bar­rie­ren et­was hö­her an­ge­setzt wer­den, um die ge­sun­ke­ne Vo­la­ti­li­tät zu kom­pen­sie­ren. Dies fand je­doch nur be­schränkt statt. Die Bar­rie­ren blie­ben de­fen­siv aus­ge­stal­tet und der In­ves­tor nahm eher ei­nen ge­rin­ge­ren Cou­pon in Kauf.»

Chris­ti­an Kö­nig, Pro­duct Ma­na­ger Pu­b­lic Dis­tri­bu­ti­on der Com­merz­bank, fügt an: «Ei­ne tie­fe Vo­la­ti­li­tät bie­tet auch Vor­tei­le in der Kon­struk­ti­on von ge­wis­sen In­stru­men­ten. Out­per­for­mance-Zer­ti­fi­ka­te kön­nen zur­zeit at­trak­tiv aus­ge­stal­tet wer­den.» Die­se Mei­nung teilt Schi­ro. Kö­nig ist der­weil ge­gen­über den Floa­ter Bar­ri­er Re­ver­se Con­ver­ti­bles skep­tisch: «An ei­ne Fort­set­zung der Be­liebt­heit die­ser Pro­duk­te glau­be ich nicht. Sinn­vol­ler ist es, durch di­rek­te An­la­gen auf stei­gen­de Zin­sen zu set­zen, bei­spiels­wei­se mit Pro­duk­ten auf den Short-Bund-Fu­tures.»

Jan Schoch, CEO von EFG FP, merkt eben­falls an, dass Floa­ter-Pro­duk­te nicht mehr so ge­sucht sei­en wie im ver­gan­ge­nen Jahr. Er er­gänzt: «Un­se­ren Kun­den schla­gen wir zur­zeit vor al­lem Pro­duk­te mit tie­fen Aus­übungs­prei­sen vor, wel­che ein kon­ser­va­ti­ve­res Aus­zah­lungs­pro­fil auf­wei­sen. Kom­bi­niert mit der Mög­lich­keit zur früh­zei­ti­gen Rück­zah­lung, dem Au­to­call, sind die Cou­pons at­trak­tiv und der An­le­ger hat die Mög­lich­keit, in po­si­tiv ver­lau­fen­den Märk­ten sein Ka­pi­tal nach kur­zer Zeit zu­rück­zu­er­hal­ten.»

Schwel­len­län­der vor­ne

Und wel­che Ba­sis­wer­te wer­den 2011 im An­le­ger­fo­kus ste­hen? «Ich bin über­zeugt, dass vor al­lem Schwel­len­län­der und Roh­stof­fe an Be­deu­tung ge­win­nen», ant­wor­tet Ralph Kur­mann, Se­ni­or Sa­les Struc­tu­red Pro­ducts von Mac­qua­rie Op­pen­heim. Ro­bert Zim­mer­mann, He­ad Pu­b­lic Dis­tri­bu­ti­on Schweiz von Gold­man Sachs, ver­mu­tet eben­falls, dass Schwel­len­län­der do­mi­nie­ren. Schoch er­war­tet zu­dem den Vor­marsch von Wäh­rungs­pro­duk­ten, die er­höh­te Vo­la­ti­li­tät im De­vi­sen­markt bie­te span­nen­de An­la­ge­mög­lich­kei­ten.

Das Seg­ment der pfand­be­si­cher­ten Zer­ti­fi­ka­te (Co­si) ver­zeich­ne­te 2010 ein mar­kan­tes Wachs­tum, die An­zahl Co­siPro­duk­te klet­ter­te auf rund 800. Dort emit­tie­ren aber le­dig­lich Von­to­bel, Cla­ri­den Leu, EFG FP und neu auch Ju­li­us Bär, die dem­nächst ihr ers­tes Co­si-Zer­ti­fi­kat li­be­riert. Zim­mer­mann merkt an: «Aus­län­di­schen Emit­ten­ten ist es der­zeit nicht mög­lich, Co­si-Pro­duk­te zu lan­cie­ren, und das be­dau­ern wir.» Auch Ire­ne Brun­ner, Lei­te­rin Pu­b­lic Dis­tri­bu­ti­on Schweiz von RBS, wünscht sich die Zu­las­sung für aus­län­di­sche Ban­ken. Der­weil ist die Mehr­heit der Schwei­zer Emit­ten­ten of­fen­bar nicht an der Lan­cie­rung von Co­si-Pro­duk- ten in­ter­es­siert. Ju­li­us Bär wer­de sie künf­tig le­dig­lich auf Kun­den­wunsch lan­cie­ren, wie es auch bei der ers­ten Emis­si­on der Fall ge­we­sen sei, fügt Bu­cher an.

Mass­ge­schnei­der­te Zer­ti­fi­ka­te wer­den sich auch 2011 wach­sen­der Po­pu­la­ri­tät er­freu­en. Ei­ne Viel­zahl von Ban­ken bie­ten mitt­ler­wei­le Lö­sun­gen an. Von Wat­ten­wyl hält fest: «Wir er­wei­tern un­se­re Platt­form De­ri­tra­de fort­an, jüngst ha­ben wir die Gren­ze von 600 Ba­sis­wer­ten über­schrit­ten.» Brun­ner merkt an: «Wir möch­ten un­se­re Platt­form Mar­ke­tDi­rect künf­tig um zu­sätz­li­che Struk­tu­ren er­wei­tern. Zu­dem bie­ten wir ne­ben Pro­duk­ten auf Blue Chips be­reits ei­ne brei­te Ba­sis­wert­pa­let­te auf Schwel­len­län­der und Roh­stof­fe an.»

Wie se­hen die Plä­ne des Bran­chen­ver­bands SVSP aus? Da­ni­el Sandmeier, Prä­si­dent des SVSP, er­klärt: «Die­ses Jahr pla­nen wir, die Wis­sens­in­itia­ti­ve zu struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten fort­zu­set­zen, mit ei­nem On­li­neWis­sens­test so­wie der Pu­bli­ka­ti­on des Bu­ches ‹Die Welt der Struk­tu­rier­ten Pro­duk­te› in Fran­zö­sisch und al­len­falls Eng­lisch.» Der SVSP fo­kus­sie­re aus­ser­dem auf die Ver­brei­te­rung der Mit­glie­der­ba­sis, ins­be­son­de­re durch Pas­siv­mit­glied­schaf­ten. Über­dies neh­me er die Ver­ein­heit­li­chung der Pro­dukt­na­men und die Ver­ein­fa­chung des Ka­te­go­ri­sie­rungs­mo­dells an die Hand. Zu­dem sol­le die Swiss De­ri­va­ti­ve Map neu auf­ge­legt wer­den, so Sandmeier.

En­de Jahr setz­te in der De­ri­vat­bran­che zu­dem ein Trend hin zur Über­nah­me der SVSP-Na­mens­ge­bung ein (vgl. FuW Nr. 2 vom 8. Ja­nu­ar). Gleich drei Emit­ten­ten, ZKB, Cre­dit Suis­se und BCV, kün­de­ten an, künf­tig auf Ei­gen­na­men zu ver­zich­ten. Ei­ne er­freu­li­che Ent­wick­lung, die sich hof­fent­lich auch 2011 fort­set­zen wird. Der Schwei­zer De­ri­vat­markt hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr sta­bi­li­siert, und die Schwei­zer Emit­ten­ten sind im Gros­sen und Gan­zen mit dem Ge­schäfts­ver­lauf zu­frie­den (vgl. Ar­ti­kel links). Das in De­ri­va­te (Zer­ti­fi­ka­te und He­bel­pro­duk­te) in­ves­tier­te Ver­mö­gen er­reich­te im Sep­tem­ber 2007 mit 361 Mrd. Fr. ein Höchst. Nach ste­ti­ger Ab­nah­me konn­ten sich die An­la­gen in De­ri­va­ten im No­vem­ber 2010 auf 213 Mrd. Fr. fan­gen, weist das Sta­tis­ti­sche Mo­nats­heft der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) aus (vgl. Gra­fik links). Die Sum­me ent­spricht 4,9% des ge­sam­ten De­pot­ver­mö­gens.

Rund 38% (80 Mrd. Fr.) des in De­ri­va­te in­ves­tier­ten Ver­mö­gens sind in Ka­pi­tal­schutz­pro­duk­ten an­ge­legt. Par­ti­zi­pa­ti­ons­pro­duk­te fol­gen mit 31% (67 Mrd. Fr.), da­nach kom­men Ren­di­te­opti­mie­rungs­pro­duk­te mit ei­nem An­teil von 20% (43 Mrd. Fr.). Zu­letzt fol­gen He­bel­pro­duk­te mit rund 9% (20 Mrd. Fr.) und üb­ri­ge In­stru­men­te mit ei­nem An­teil von gut 2% (4 Mrd. Fr.).

Um­satz ist ver­zerrt

Wäh­rend die Sum­me der He­bel­pro­duk­te in den De­pots ge­ring ist, ma­chen die­se In­stru­men­te den Lö­wen­an­teil des Vo­lu­mens an der De­ri­vat­bör­se Scoach aus. Der Ge­samt­um­satz 2010 be­lief sich auf 39,7 Mrd. Fr., da­von wur­den 23,4 Mrd. Fr. (59%) von He­bel­pro­duk­ten er­zielt, weist De­ri­va­ti­ve Part­ners Re­se­arch aus. Das Di­enst­leis­tungs­un­ter­neh­men er­stellt Sta­tis­ti­ken zum De­ri­vat­han­del.

Das Bör­sen­vo­lu­men ist bloss be­dingt aus­sa­ge­kräf­tig, da ei­ne Viel­zahl der Trans­ak­tio­nen aus­ser­börs­lich (Over the Coun­ter, OTC) ab­ge­schlos­sen wer­den. Vor al­lem Gross­ban­ken wie UBS und Cre­dit Suis­se Group kön­nen struk­tu­rier­te Pro­duk­te OTC an ih­ren Pri­vat­kun­den­stamm ver­kau­fen – die Trans­ak­tio­nen wer­den so­mit in kei­ner Um­satz­sta­tis­tik aus­ge­wie­sen.

Von­to­bel und ZKB vor­ne

Um­satz­spit­zen­rei­ter an der Scoach war die Bank Von­to­bel mit ei­nem An­teil von 24,1%, da­nach folgt Zürcher Kan­to­nal­bank (ZKB) mit 21%. Dritt­pla­ziert ist UBS (12,5%). Des Wei­te­ren fol­gen Ju­li­us Bär (9,6%) und Deut­sche Bank (9,4%).

Im Ver­gleich zum Vor­jahr büss­ten die bei­den gros­sen Emit­ten­ten Von­to­bel (–5,7 Pro­zent­punk­te (Pp) und ZKB (–1,5 Pp) an Markt­an­teil ein. UBS (+2,6 Pp) und Ju­li­us Bär (+2 Pp) konn­ten leicht zu­le­gen. Die klei­nen Emit­ten­ten ge­wan­nen der­weil ei­ni­ge Pro­zent­punk­te an Markt­an­teil von den gros­sen De­ri­vat­häu­sern. Die Bas­ler Kan­to­nal­bank (BKB) stei­ger­te ih­ren Um­satz von 0,6 auf 3,7%.

Cla­ri­den Leus Vo­lu­men klet­ter­te von 3,2 auf 4,6%, und EFG FP konn­te das Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men von 0,3 auf 1,2% aus­wei­ten. Es ist zu er­war­ten, dass durch den stei­gen­den Wett­be­werb in der Bran­che vor al­lem die gros­sen Emit­ten­ten künf­tig an Markt­an­teil ver­lie­ren wer­den, zu­guns­ten der klei­nen.

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