Ka­kao als po­li­ti­sches Druck­mit­tel

ROH­STOF­FE In der El­fen­bein­küs­te droht ein Ex­port­stopp von Ka­kao – Gros­se Preis­dif­fe­renz zwi­schen Roh­öl der Sor­ten WTI und Brent

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - MICHAEL PEY­ER,

Die in­ter­na­tio­na­len Wa­ren­ter­min­märk­te sind in den ver­gan­ge­nen Ta­gen er­neut in Be­we­gung ge­kom­men. Vor we­ni­gen Ta­gen wa­ren et­li­che Mehr­mo­nats­höchst er­zielt wor­den, nun san­ken ge­wis­se Roh­stoff­sek­to­ren an­ge­sichts der per­ma­nent dro­hen­den Über­hit­zung von Chi­nas Wirt­schaft und der glo­ba­len Re­gu­lie­rungs­be­mü­hun­gen ver­schie­de­ner Be­hör­den. Von der Kor­rek­tur be­son­ders be­trof­fen wa­ren die Öl-und die Me­tall­märk­te, an­de­re Be­rei­che wur­den da­ge­gen über­haupt nicht tan­giert.

In Paris stell­te Staats­ober­haupt Nicolas Sar­ko­zy am Mon­tag sein Pro­gramm für die fran­zö­si­sche Prä­si­dent­schaft der Fo­ren G-20 und G-8 vor und warn­te ve­he­ment, oh­ne ei­ne Re­gu­lie­rung der Nah­rungs­mit­tel­prei­se neh­me die Ge­fahr von Hun­ger­re­vol­ten in vie­len Län­dern zu. In Händ­ler­krei­sen wur­de ge­mun­kelt, nach dem über­ra­schen­den Sturz der tu­ne­si­schen Re­gie­rung An­fang Ja­nu­ar ver­such­ten vie­le an­de­re nord­afri­ka­ni­sche und ara­bi­sche Län­der wie Li­by­en und Ägyp­ten, mehr Wei­zen und an­de­re für Nah­rungs­mit­tel wich­ti­ge Roh­stof­fe ein­zu­kau­fen, um die Ver­sor­gung der un­zu­frie­de­nen Be­völ­ke­rung si­cher­zu­stel­len und Re­vol­ten zu ver­hin­dern.

Eu­ro­päi­scher Mahl­wei­zen stieg an der Ter­min­bör­se Eu­ronext/Ma­tif am Mon­tag auf das 34-Mo­na­te-Hoch von 263.75 €/ Ton­ne. Der Kon­trakt hat sich in ei­nem Jahr um mehr als 125% ver­teu­ert. Die Initi­al­zün­dung bil­de­te En­de ver­gan­ge­ner Ju­ni die Jahr­hun­dert­dür­re in Russ­land, spä­ter trie­ben schlech­te Wet­ter­be­din­gun­gen in Aus­tra­li­en den Preis im­mer hö­her.

Po­li­ti­sche Un­ru­hen sind der­zeit die Haupt­ur­sa­che der Preis­be­we­gung von Ka­kao. Der recht­mäs­sig ge­wähl­te Prä­si­dent des welt­gröss­ten Pro­du­zen­ten El­fen­bein­küs­te, Alas­sa­ne Ouat­ta­ra, hat zu ei­nem vier­wö­chi­gen Ex­port­stopp für Ka­kao auf­ge­ru­fen, um Ses­sel­kle­ber Lau­rent Gbag­bo, der die Macht nicht ab­ge­ben will, den Geld­hahn zu­zu­dre­hen. Der Ver­kauf von Ka­kao ist die wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le des nicht zur Ru­he kom­men­den Lan­des. Nach dem Auf­ruf klet­ter­te der Kon­trakt an der Roh­stoff­bör­se Ny­bot/ICE auf fast 3400 $/Ton­ne, was ei­nem Ta­ges­plus von 7% und im Wo­chen­ver­gleich ei­ner Avan­ce von 12% ent­spricht. Am Di­ens­tag­mit­tag ten­dier­te Ka­kao mit 3302 $ et­was tie­fer.

Deut­lich avan­ciert ist auch Baum­wol­le an der Ny­bot/ICE. Der Preis klet­ter­te am Mon­tag auf den Re­kord von 161,94 Cents/ Pfund. Er hat­te sich letz­tes Jahr ver­dop­pelt und wird nun durch Chi­nas Nach­fra­ge wei­ter nach oben ge­trie­ben. Am Di­ens­tag über­traf der Kon­trakt den Re­kord vom Mon­tag mit 167,89 Cents deut­lich.

Im Ge­gen­satz da­zu ha­ben die Öl­märk­te nach un­ten ten­diert. Seit dem ver­gan­ge-

Die wich­tigs­ten Fu­tures auf Roh­stof­fe und Edel­me­tal­le nem Mitt­woch büss­te Roh­öl der US-Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te ( WTI) an der Nymex 7% ein. Am Di­ens­tag­mit­tag han­del­te der Kon­trakt auf 86.33 $/Fass (1 Fass ent­spricht 159 Li­ter) und da­mit erst­mals seit dem 1. De­zem­ber un­ter 87 $. Ähn­lich ver­hielt sich Roh­öl der eu­ro­päi­schen Sor­te Brent aus der Nord­see, das von Mitt­woch bis Di­ens­tag­mit­tag von knapp 99 auf 94.75 $ fiel.

Markt­teil­neh­mer er­ach­ten die enor­me Dif­fe­renz von mehr als 8.50 $ zwi­schen den Sor­ten Brent und WTI – die höchs­te seit 23 Mo­na­ten – als über­trie­ben. Ur­sa­che sei­en ei­ner­seits die prall ge­füll­ten La­ger am Um­schlag­platz Cus­hing in den USA und die schlep­pen­de Nach­fra­ge so­wie an­der­seits die ab­neh­men­de Pro­duk­ti­on von Brent und die et­was knap­pe­re Ver­sor­gungs­la­ge in Eu­ro­pa. Brent wird glo­bal zu­neh­mend als Re­fe­renz­kon­trakt be­nutzt. Durch solch enor­me Dif­fe­ren­zen zwi­schen den Kon­ti­nen­ten müss­te sich die Mög­lich­keit von Ar­bi­tra­ge er­öff­nen, in­dem WTI nach Eu­ro­pa ver­schifft wird. Das wür­de die Preis­dif­fe­renz ver­klei­nern.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.