«Struk­tu­rel­ler An­satz nö­tig»

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - MO­HA­MED EL-ERI­AN FORT­SET­ZUNG AUF SEI­TE 16

Mo­ha­med El-Eri­an lei­tet das ka­li­for­ni­sche Bond­haus Pa­ci­fic In­vest­ment Ma­nage­ment (Pim­co), ei­ne Toch­ter des deut­schen Al­li­anz-Kon­zerns, die gut 1250 Mrd. $ an Ver­mö­gen ver­wal­tet. Zu­sam­men mit Bill Gross zeich­net El-Eri­an auch für die An­la­ge­stra­te­gie von Pim­co ver­ant­wort­lich. «Fi­nanz und Wirt­schaft» woll­te von ihm wis­sen, wie er die jüngs­ten Schrit­te der US-No­ten­bank und die Re­de von Prä­si­dent Oba­ma zur La­ge der Na­ti­on ein­ord­net.

Herr El-Eri­an, die US-No­ten­bank Fed schrei­tet mit dem Kauf von Bonds für 600 Mrd. $ vor­an, ob­schon sich die Kon­junk­tur seit dem Be­schluss zur er­neu­ten mo­ne­tä­ren Lo­cke­rung auf­ge­hellt hat. Kri­ti­ker sa­gen, das Fed hei­ze so die In­fla­ti­on aus­ser­halb der USA an. Wie be­ur­tei­len Sie das? Das Fed hat ab­sicht­lich viel Li­qui­di­tät ins Sys­tem ge­spritzt. Das soll zu­sam­men mit dem Fis­kal­sti­mu­lus der Re­gie­rung das Wachs­tum an­kur­beln und die Be­schäf­ti­gung he­ben. Doch die US-Wirt­schaft ist ge­gen­wär­tig nicht in der La­ge, die­se Li­qui­di­tät voll­stän­dig zu ab­sor­bie­ren. Ein Teil fliesst an­ders­wo hin, et­wa in die Schwel­len­län­der. Wir be­geg­nen den Mit­teln auch in Form stei­gen­der Roh­stoff­prei­se.

Be­geht das Fed ei­nen Feh­ler? Die No­ten­bank ist sich der Ri­si­ken und Ne­ben­wir­kun­gen sehr wohl be­wusst. Für Ame­ri­kas Wäh­rungs­hü­ter und die ge­sam­te Welt­wirt­schaft bleibt zu hof­fen, dass der Nut­zen der ex­pan­si­ven Fed-Po­li­tik auf Dau­er die Kos­ten über­wiegt. Noch ist of­fen, ob die Rech­nung auf­geht.

Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma will mehr in Bil­dung, In­fra­struk­tur und Grund­la­gen­for­schung in­ves­tie­ren. Lässt sich da­mit ef­fek­tiv die Ar­beits­lo­sig­keit be­kämp­fen? Oba­mas Re­de zur La­ge der Na­ti­on zeigt, dass Washington die Gren­zen der Geld­und Fis­kal­po­li­tik im Kampf ge­gen das Be­schäf­ti­gungs­pro­blem er­kannt hat. Die­ses Si­gnal war über­fäl­lig. Ein Teil der Ar­beits­lo­sig­keit ist struk­tu­rell be­dingt, nicht kon­junk­tu­rell. Um die grund­le­gen­den Pro­ble­me an­zu­ge­hen, muss sich die US-Wirt­schaft re­for­mie­ren und an die ver­än­der­ten glo­ba­len Um­stän­de an­pas­sen.

Wie mei­nen Sie das? Es gilt, an­ge­sichts der Pro­blem­di­men­sio­nen kei­ne Zeit zu ver­lie­ren. Ge­mäss of­fi­zi­el­ler Sta­tis­tik ha­ben 16,7% der Be­völ­ke­rung im ar­beits­fä­hi­gen Al­ter ent­we­der kei­nen Job oder sind un­ter­be­schäf­tigt. Die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit be­trägt 25%, und wir ha­ben be­reits 6,4 Mio. Lang­zeit­ar­beits­lo­se im Land. Je län­ger die­se Si­tua­ti­on an­hält, des­to mehr ero­die­ren die be­ruf­li­chen Fä­hig­kei­ten die­ser Leu­te und die Pro­duk­ti­vi­tät. Die Ar­beits­lo­sig­keit ist so­mit nicht

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