Pas de deux Georg F. – Gior­gio B.

MAN SPRICHT VON den An­trä­gen des Ak­tio­närs Gior­gio Behr zu­han­den der Ge­ne­ral­ver­samm­lung von Georg Fischer

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK - MAN­FRED RÖSCH

Sie ha­ben es nicht leicht mit­ein­an­der: Gior­gio Behr, der gröss­te Ein­zel­ak­tio­när von Georg Fischer, und der Ver­wal­tungs­rat des In­dus­trie­kon­zerns. In der Be­zie­hungs­kis­te rap­pel­te es von Be­ginn weg be­denk­lich. Als Behr En­de No­vem­ber 2008 ei­ne Be­tei­li­gung von 6,36% (wo­von 5,15% Ak­ti­en, Rest Op­tio­nen) mel­de­te, wies GF um­ge­hend auf die Ein­tra­gungs­be­schrän­kung von 5% hin. Die­se will Behr nun ab­schaf­fen; er be­an­tragt, an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom 23. März statt­des­sen ei­nen Grenz­wert von 10% in die Sta­tu­ten auf­zu­neh­men.

Der Ver­wal­tungs­rat prüft die­sen und wei­te­re An­trä­ge Behrs, wie es aus Schaff­hau­sen heisst. Die bis­he­ri­ge Po­li­tik ge­gen­über Behr spricht nicht da­für, dass sich der VR für das Hin­auf­set­zen auf 10% er­wär­men wird. Zu­nächst trug er Behr so­gar bloss mit 4,1% ein, weil er ihm wei­te­re Ak­tio­nä­re (Bel­le­vue) zu­rech­ne­te und ei­ne Grup­pen­bil­dung an­nahm. Behr setz­te dann auf ge­richt­li­chem Weg ei­nen Ver­gleich durch. Im Früh­jahr 2009 liess er durch­bli­cken, nun ge­gen 10% zu be­sit­zen. Sein An­trag stützt das und lässt an­neh­men, dass er bald wie­der of­fen­le­gen muss (aus­ser Behr hält nie­mand über 3%).

Für Ein­tra­gungs­li­mi­te 10%

Grund­sätz­lich soll­te die Stimm­kraft dem Ka­pi­tal­ein­satz ent­spre­chen. In vie­len Ge­sell­schaf­ten trifft das je­doch nicht zu; es gibt die Vin­ku­lie­rung so­wie un­ter­schied­lich stimm­kräf­ti­ge Ti­tel­ka­te­go­ri­en. Behr ver­langt nicht die völ­li­ge Ab­schaf­fung der Ein­tra­gungs­li­mi­te: Die von ihm vor­ge­schla­ge­nen 10% wür­den «noch kei­ne über­mäs­si­ge Ein­fluss­nah­me durch ent- spre­chen­de Stimm­rechts­aus­übung» mög­lich ma­chen; es wür­den «so­wohl die Ar­gu­men­te ge­gen do­mi­nie­ren­de Ak­tio­nä­re als auch die ge­gen ei­ne Ato­mi­sie­rung des Ak­tio­na­ri­ats an­ge­mes­sen be­rück­sich­tigt», schreibt Behr. In der Re­gel braucht es weit we­ni­ger Stim­men als die ab­so­lu­te Mehr­heit, um ei­ne GV zu be­herr­schen, wes­we­gen ei­ne Vin­ku­lie­rung die In­ter­es­sen der klei­ne­ren Ak­tio­nä­re schüt­zen kann.

Behr ar­gu­men­tiert wei­ter, ein ho­her Ak­ti­en­kurs sei der bes­te Über­nah­me­schutz (was zu­trifft), da­ne­ben sei auch ein «so­li­der, in­dus­tri­ell ori­en­tier­ter Kern von Ak­tio­nä­ren» (im Ge­gen­satz zur Frag­men­tie­rung) ein Schild. Ab­ge­se­hen da­von, dass mit­un­ter Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re ge­ra­de­zu dar­auf set­zen, für ihr En­ga­ge­ment ei­ne Über­nah­me­of­fer­te zu er­hal­ten: Es ist so ei­ne Sa­che mit «An­chor In­ves­tors». Sie kön­nen ei­nem Un­ter­neh­men im Ide­al­fall er­mög­li­chen, ei­ne lang­fris­tig statt per­ma­nent am Ak­ti­en­kurs ori­en­tier­te Er­folgs­stra­te­gie um­zu­set­zen (bspw. Schind­ler, Swatch Group), was auf die Dau­er ak­tio­närs­freund­lich ist. An­de­rer­seits ist auch op­por­tu­nis­ti­sche­res Han­deln denk­bar.

Fer­ner ver­langt Behr, dass künf­tig die Ver­wal­tungs­rä­te nur noch für ein Jahr ge­wählt wer­den und ins­ge­samt höchs­tens zwölf Jah­re im Gre­mi­um blei­ben sol­len. Ihm miss­fällt u. a., dass drei VR-Mit­glie­der frü­her der Kon­zern­lei­tung an­ge­hör­ten (vgl. Ta­bel­le links). Am 1. März wer­den die Trak­tan­den, An­trä­ge und Emp­feh­lun­gen des Ver­wal­tungs­rats für die GV ver­öf­fent­licht. Wich­tig ist, dass mög­lichst al­le GFAk­tio­nä­re teil­neh­men oder we­nigs­tens schrift­lich ab­stim­men. Das Hin­auf­set­zen der Ein­tra­gungs­li­mi­te ist nicht von vorn­her­ein falsch, die Be­schrän­kung der ge­sam­ten Amts­dau­er auch nicht. Zur­zeit dau­ert ei­ne Pe­ri­ode im Fall von Georg Fischer vier Jah­re, an je­der GV wird der Ver­wal­tungs­rat zu rund ei­nem Vier­tel er­neu­ert; die­ser Tur­nus ver­bin­det durch­aus Kon­ti­nui­tät mit Auf­fri­schung.

Drang in den Ver­wal­tungs­rat

Behr selbst wür­de nur zu ger­ne in den VR des Misch­kon­zerns ein­zie­hen und aus sei­nem Com­mu­ni­qué ist Ver­bit­te­rung dar­über zu le­sen, dass er bis­her ver­schmäht wird: Der VR ha­be sich über sein – ge­mes­sen an der Per­for­mance sehr er­folg­rei­ches – En­ga­ge­ment «nicht er­kennt­lich» ge­zeigt und auf sei­ne «in­ter­na­tio­na­le In­dus­trie­und Ma­nage­men­ter­fah­rung» ver­zich­tet. Zu Jah­res­be­ginn hat Behr er­neut ab­schlä­gi­gen Be­scheid er­hal­ten: Die­se Zu­rück­wei­sun­gen «wi­der­spre­chen den Re­geln ei­ner gu­ten Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce». Das wirkt et­was hoch ge­grif­fen; aus ei­ner Ak­ti­en­quo­te lässt sich noch kein An­spruch auf Wahl in den VR ab­lei­ten.

Ge­wis­se Zü­ge ei­ner Schaff­hau­ser Pri­vat­feh­de zwi­schen dem Pro­fes­sor, Un­ter­neh­mer und In­ves­tor Behr (63), dem ro­bus­tes Selbst­be­wusst­sein at­tes­tiert wer­den darf, und Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Mar­tin Hu­ber (70) sind un­über­seh­bar. Hu­ber wird 2012 aus Al­ters­grün­den nicht mehr zur Wie­der­wahl an­tre­ten kön­nen. Behr will oh­ne aus­drück­li­chen Vor­schlag des VR nicht kan­di­die­ren. Af­fai­re à sui­v­re.

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