Ein Schritt vor, ei­ner zu­rück

SMI kommt nicht vor­an – No­var­tis be­las­ten, Ro­che stüt­zen – St­raumann le­gen ei­nen Za­cken zu

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - ARNO SCHMO­CKER

Die Seit­wärts­ten­denz der Schwei­zer Bör­se hält an. Wie schon 2010 liegt die Per­for­mance hin­ter der­je­ni­gen be­deu­ten­der Ge­samt­in­di­zes im Aus­land zu­rück. Der Grund für die un­ter­durch­schnitt­li­che Leis­tung seit An­fang Ja­nu­ar in der Schweiz ist rasch ge­fun­den: Nest­lé und No­var­tis, zwei von drei Schwer­ge­wich­ten, sind deut­lich im Mi­nus.

Ein Blick län­ger zu­rück zeigt, dass der SMI seit Mai, kaum ist er über 6600, re­gel­mäs­sig zu­rück­ge­wor­fen wird. In­ter­es­san­ter­wei­se ver­engt sich die Schwan­kungs­brei­te zu­neh­mend. Seit drei Mo­na­ten pen­delt er zwi­schen 6400 und 6600 – wo­hin geht die nächs­te grös­se­re Be­we­gung? Eher nach oben, zieht man die Ar­gu­men­te vie­ler Markt­stra­te­gen zu­ra­te. Für die USBör­sen ist das drit­te Jahr nach Prä­si­dent­schafts­wah­len (resp. das Vor­wahl­jahr) in der Re­gel kurs­stüt­zend. Je­re­my Grant­ham, Chef­stra­te­ge von GMO, be­zif­fert den Sti­mulus­ef­fekt in sei­nem Quar­tals­brief an In­ves­to­ren auf 23%. Da­zu kommt auch in Eu­ro­pa ei­ne Geld­po­li­tik, die Sach­wert­in­fla­ti­on för­dert. Auch meh­ren sich die Zei­chen, dass der Ri­si­ko­ap­pe­tit von Un­ter­neh­men und An­le­gern im Stei­gen be­grif­fen ist. Das Fu­si­ons-und Über­nah­me­kar­rus­sell kommt in Schwung (vgl. Ar­ti­kel Sei­te 24). Und der Zuf­luss zu Ak­ti­en­fonds ist seit Sep­tem­ber im Auf­wärts­trend.

Wäh­rend die Be­richts­sai­son der gros­sen US-Ban­ken über die Büh­ne ist, steht sie in der Schweiz erst be­vor. UBS und Cre­dit Suis­se rap­por­tie­ren über­nächs­te Wo­che. In den fünf letz­ten Bör­sen­han­dels­ta­gen ent­wi­ckel­ten sich UBS (+1,6%) klar bes­ser als CS Group (–1,6%). Ge­mäss ei­ner Zu­sam­men­stel­lung von Bar­clays Ca­pi­tal wer­den in­des­sen CS im Durch­schnitt von den Fi­nanz­ana­lys­ten häu­fi­ger zum Kauf emp­foh­len. Auf­fal­lend ist ein gros­ser Kon­trast in der Ein­schät­zung aus­län­di­scher Ana­lys­ten: Wäh­rend Bar­clays Ca­pi­tal Schwei­zer Gross­bank­ak­ti­en mit der Be­grün­dung, sie sei­en im eu­ro­päi­schen Ver­gleich über­be­wer­tet, mit «Un­ter­ge­wich­ten» ein­stuft, zäh­len vor al­lem UBS (we­gen der Ka­pi­tal­stär­ke, des gros­sen Ge­wichts des We­alth Ma­nage­ments und ei­nem noch nicht aus­ge­schöpf­ten Tur­naround­po­ten­zi­al) zu den Fa­vo­ri­ten.

Swiss Re er­hiel­ten Zu­spruch (+1,7%), wohl nicht zu­letzt we­gen ei­ner gu­ten Ein­stu­fung durch Cre­dit Suis­se. Un­güns­ti­ge Nach­rich­ten über sin­ken­de Rück­ver­si­che­rungs­ta­ri­fe und die Be­las­tung aus den Flut­schä­den in Aus­tra­li­en könn­ten die Pa­pie­re des Wett­be­wer­bers Mün­che­ner Rück stär­ker tref­fen. Aus­lö­ser für Um­schich­tun­gen in Swiss Re er­ken­nen

Mehr Ri­si­ko­ap­pe­tit

die CS-Ana­lys­ten dar­in, dass die Er­hö­hung des Schuld­ner-Ra­tings von Ein­zel-A auf Dop­pel-A nä­her rü­cke.

Zu­rich Fi­nan­ci­al (+1%) ent­wi­ckel­ten sich zag­haft. In ei­ner Stu­die ver­rin­ger­te J. P. Mor­gan die Ge­winn­schät­zun­gen für 2010 und 2011 deut­lich, weil ein schwie­ri­ge­rer Ge­schäfts­ver­lauf in die Mo­dell­rech­nun­gen ein­ge­setzt wur­de. Da der Kon­zern den­noch als über­durch­schnitt­lich er­trags­stark be­ur­teilt wird, emp­feh­len die Mor­gan-Ana­lys­ten wei­ter­hin ei­ne Über­ge­wich­tung der Va­lo­ren.

Er­staun­lich ro­bust wa­ren Swiss Li­fe (+6,1%). Be­den­ken über ei­nen Ka­pi­tal­man­gel ha­ben sich ver­flüch­tigt. Die Fi­nanz­markt­auf­sicht leg­te am Di­ens­tag dar, dass als Fol­ge des neu­en Schwei­zer Sol­venz­tests kein Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men un­mit­tel­bar neu­es Ka­pi­tal be­nö­ti­ge.

Den Ak­ti­en No­var­tis (–2,6%) be­kam die Prä­sen­ta­ti­on der Jah­res­er­geb­nis­se schlecht (vgl. Sei­te 19). Die An­le­ger zeig­ten sich vom vier­ten Quar­tal ent­täuscht, das von Preis­druck und Wech­sel­kurs­ef­fek­ten be­las­tet wur­de. Zu­dem fiel der Aus­blick vie­len et­was we­nig zu­ver­sicht­lich aus. Ro­che (GS +2,3%) wird die Jah­res­zah­len am Mitt­woch vor­le­gen; prä­zi­se­re Aus­sa­gen zum Spar­pro­gramm und zum Aus­blick 2011 dürf­ten im Zen­trum ste­hen.

Mit der Mel­dung, die Ent­wick­lung des Schlaf­mit­tels Al­mor­exant wer­de ein­ge- stellt, hat das Phar­ma­un­ter­neh­men Ac­te­li­on (Ak­ti­en –1,2%) am Frei­tag­mor­gen er­schreckt. Al­mor­exant wur­de einst ein ho­hes Um­satz­po­ten­zi­al vor­aus­ge­sagt. Ein Kurs­sturz blieb aus; in der Er­öff­nung wur­de der Ta­ges­tief­preis (50.60 Fr.; –2,6% ge­gen­über Vor­tag) mar­kiert. We­nig spä­ter no­tier­ten sie über Vor­ta­ges­stand.

Hedge Fund er­höht Ac­te­li­on

Dass Al­mor­exant auf der Kip­pe stand, war nicht neu. En­de 2009 gab Ac­te­li­on be­kannt, das Schlaf­mit­tel wei­se «Si­cher­heits­ri­si­ken» auf. Da­mals be­gan­nen die Ana­lys­ten, das Prä­pa­rat aus den Pro­gno­se­rech­nun­gen aus­zu­klam­mern. Der Ent­wick­lungs­stopp kam nun nicht über­ra­schend. Dass Ac­te­li­on der­zeit re­sis­tent ge­gen schlech­te Nach­rich­ten sind, mag da­mit zu­sam­men­hän­gen, dass der Hedge Fund El­liott Ad­vi­sors, der vor Weih­nach­ten ei­ne Be­tei­li­gung von 3,1% mel­de­te, zu­ge­kauft hat und nun 5,1% an Ac­te­li­on be­sitzt.

Klar im Plus wa­ren im Wo­chen­ver­gleich die Ak­ti­en des Den­talim­plan­tate­her­stel­lers St­raumann (+6,9%). No­bel Bio­ca­re rück­ten 1,4% vor. Ana­lys­ten der Cre­dit Suis­se senk­ten ih­re Ein­stu­fung für bei­de Ti­tel in ei­ner am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Stu­die auf «Un­der­per­fom». An­ders die Kol­le­gen der UBS: Sie emp­fah­len St­raumann am Di­ens­tag neu zum Kauf und er­höh­ten das Kurs­ziel der als neu­tral ein­ge­stuf­ten No­bel Bio­ca­re.

Schind­ler (PS +0,4%) re­agier­ten kaum auf die so­li­de Vor­ga­be des fin­ni­schen Kon­kur­ren­ten Ko­ne (des­sen Ak­ti­en in der Fol­ge von S&P und der Deut­schen Bank auf Kau­fen hoch­ge­stuft wur­den). Das Ziel von 14% ope­ra­ti­ver Mar­ge wur­de er­reicht; Schind­ler ist noch auf dem Weg dort­hin.

Mey­er Bur­ger star­tet gut

Raf­fi­ne­rie­va­lo­ren wie Pe­trop­lus zähl­ten ver­gan­ge­nes Jahr zu den gros­sen Ver­lie­rern ( Wo­chen­per­for­mance +5,4%). Nun fin­den In­ves­to­ren ver­mehrt Ge­fal­len am Sek­tor. Ob es sich um ei­ne Art tech­ni­sche Re­ak­ti­on han­delt oder ob sich die fun­da­men­ta­le Ein­schät­zung tat­säch­lich ver­än­dert hat, muss sich wei­sen. Wie es um Pe­trop­lus steht, wird sich am Don­ners­tag zei­gen, wenn der Raf­fi­n­eur die Zah­len zum Schluss­quar­tal vor­legt.

Das Jahr hat für Mey­er Bur­ger (Ak­ti­en +0,5%) gut be­gon­nen. Der So­lar­zu­lie­fe­rer hat ei­nen Auf­trag aus Asi­en zur Lie­fe­rung von Draht­sä­gen über 160 Mio. Fr. er­hal­ten. Die Be­stel­lung ist für Mey­er Bur­ger sub­stan­zi­ell. 2009 er­ziel­te die Ge­sell­schaft ei­nen Um­satz von 421 Mio. Fr. In ab­seh­ba­rer Zeit will sie ei­nen Grup­pen­um­satz von 1,5 Mrd. Fr. er­rei­chen.

In­ter­roll klet­ter­ten 8,7%. Die ver­öf­fent­lich­ten Um­satz­zah­len la­gen über den Er­war­tun­gen. Auch Be­li­mo (+4,4%) pro­fi­tie­ren von ers­ten Zah­len zu 2010. Der Her­stel­ler von An­trie­ben und Ven­ti­len hat zu­dem ein sehr gu­tes Be­triebs­er­geb­nis für das ver­gan­ge­ne Jahr an­ge­kün­digt (vgl. Sei­te 16). Ge­sucht wa­ren Flug­ha­fen Zü­rich (+2,3%). Das Un­ter­neh­men stell­te ei­nen ver­zö­ger­ten Baustart des Im­mo­bi­li­en­pro­jekts «The Cir­cle» in Abre­de. Im Ma­ga­zin «Bi­lanz» war von ei­nem ein­jäh­ri­gen Auf­schub die Re­de ge­we­sen.

Ent­wick­lung Schwei­zer Wer­te

Markt-Mo­ni­tor SIX

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