Eu­ro fes­tigt sich wei­ter

DE­VI­SEN Mo­nat­li­che Wech­sel­kurs­pro­gno­se – Die Fran­ken­stär­ke hält an – Mehr Vo­la­ti­li­tät?

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JEAN­NE RICHENBERGER

AUl­rich Leucht­mann von Com­merz­bank pro­gnos­ti­ziert in drei Mo­na­ten 1.31 $/€, in ei­nem Jahr 1.25 $/€. Kurz­fris­tig kön­ne sich der Eu­ro fes­ti­gen, aber auf lan­ge Sicht sprä­chen zahl­rei­che Fak­to­ren ge­gen die Ge­mein­schafts­wäh­rung: So wer­de die Sor­ge, dass die US-No­ten­bank Fed die Geld­po­li­tik zu lan­ge zu ex­pan­siv aus­ge­stal­te, mit vor­teil­haf­ten US-Kon­junk­tur­da­ten ab­neh­men. Gleich­zei­tig wer­de ei­ne Lö­sung der Eu­ro­zo­n­e­kri­se die Va­lu­ta be­las­ten. «Es ist nichts an­de­res vor­stell­bar als ein Schritt in Rich­tung Trans­fer­uni­on», ar­gu­men­tiert der Ex­per­te in Frank­furt.

Der Fran­ken, er­läu­tert Leucht­mann, sei in der Eu­ro­zo­n­e­kri­se aus­ser­or­dent­lich at­trak­tiv. Aus Dol­lar­in­ves­to­ren­sicht bie­te die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta ein en­ges Sub­sti­tut für den Eu­ro – oh­ne die Pro­ble­me der Wäh­rungs­uni­on auf­zu­wei­sen. Das recht­fer­ti­ge die ge­gen­wär­ti­ge Stär­ke. Zu­sätz­lich wir­ke sich der im Ver­gleich zur Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) grös­se­re Hand­lungs­spiel­raum der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) zu frü­he­ren Zins­er­hö­hun­gen po­si­tiv auf den Fran­ken aus. Erst An­fang 2012, wenn die EZB eben­falls mit An­he­bun­gen be­gin­nen kön­ne, wer­de der Fran­ken-Eu­ro-Kurs kor­ri­gie­ren.

Tho­mas Flu­ry von UBS er­klärt sei­ne Pro­gno­sen: «Es sind Wech­sel­kur­se, die nach un­se­rer Vor­stel­lung in der Mit­te ei­ner brei­ten Band­brei­te lie­gen. Die Schwan­kun­gen in­ner­halb die­ser Band­brei­te kön­nen hef­tig aus­fal­len.» Hef­tig war auch der Kurs­ver­lauf im Ja­nu­ar: Noch im De­zem­ber sei auf ein Aus­ein­an­der­bre­chen der Eu­ro­zo­ne spe­ku­liert wor­den. Ein Teil des der­zeit fes­te­ren Eu­ros sei auf ei­ne bes­se­re Stim­mung der Markt­teil­neh­mer zu­rück­zu­füh­ren. Aber auf 1.40 $/€ wer­de die Er­ho­lung an Kraft ver­lie­ren, denn die eu­ro­päi­sche Schul­den­kri­se sei noch nicht ge­löst. uch in der letz­ten Ja­nu­ar­wo­che hat der Eu­ro sei­ne Er­ho­lung fort­ge­setzt: Zum Dol­lar ge­wann die Va­lu­ta seit Jah­res­be­ginn 3 Cent, zum Fran­ken 4 Rp. Na­he­zu un­ver­än­dert seit­wärts be­weg­te sich hin­ge­gen der Dol­lar zum Fran­ken. Am Frei­tag wur­den Kur­se von 1.37 $/€ bzw. 1.29 Fr./€ so­wie von 0.95 Fr./$ er­reicht.

Trans­fer­uni­on als Lö­sung?

Der Fran­ken no­tie­re der­zeit et­was schwä­cher. Das hat Flu­ry er­war­tet, nach­dem sich die Jah­res­end­po­si­tio­nie­run­gen ge­lo­ckert hat­ten. Er emp­fiehlt aber wei­ter­hin, wach­sam zu sein, ob­schon kei­ne wei­te­re Fran­ken­stär­ke er­war­tet wer­de. Es sei trotz­dem emp­feh­lens­wert, sich da­ge­gen zu schüt­zen. Die Si­tua­ti­on vor dem Jah­res­en­de, fügt der Ex­per­te in Zü­rich an, sei ein Warn­schuss ge­we­sen: Wenn sich die Angst auf dem De­vi­sen­markt aus­brei­te, be­we­ge sich der Kurs schnell.

Mar­cus Het­tin­ger von Cre­dit Suis­se hält den Fran­ken für ex­trem über­be­wer­tet und ist des­halb po­si­tiv für den Eu­ro. Das Paar sei noch im­mer weit vom fai­ren Wert auf 1.40 Fr./€ ent­fernt. Die Zins­dif­fe­renz ha­be sich nicht ver­än­dert, das spre­che eben­falls für ei­ne fes­te­re Ge­mein­schafts­wäh­rung. Auch ha­be sich die Stim­mung ge­gen­über dem Eu­ro ver­bes­sert. Das chart­tech­ni­sche Bild hin­ge­gen, fügt der Ex­per­te an, sei noch im­mer ne­ga­tiv für die eu­ro­päi­sche Va­lu­ta: In die­sem Zu­sam­men­hang sei die jüngs­te Er­ho­lung von 1.24 auf 1.30 Fr./€ als Kor­rek­tur zu in­ter­pre­tie­ren. Erst ein Kurs über 1.32 Fr./€ wer­de si­gna­li­sie­ren, dass der Eu­ro auch lang­fris­tig ei­nen Bo­den ge­fun­den ha­be. Für das meist­ge­han­del­te Wäh­rungs­paar nimmt Het­tin­ger mit ei­ner Pro­gno­se von 1.35 $/€ ei­ne neu­tra­le Hal­tung ein. Auch in die­sem Paar stüt­ze die Chart­tech­nik kei­ne fes­te­re eu­ro­päi­sche Va­lu­ta. Wich­tig sei die Schwel­le von 1.3450 $/€, sie kön­ne ei­ne Bo­den­bil­dung an­zei­gen.

«Der Grund für den ak­tu­el­len Eu­ro­an­stieg ge­gen­über zahl­rei­chen Wäh­run­gen ist in der klei­ne­ren Ri­si­ko­prä­mie zu su­chen. Das zeigt auch der Op­ti­ons­markt: Puts auf die Ge­mein­schafts­wäh­rung no­tie­ren we­ni­ger hoch», be­grün­det der Ex­per­te die Kurs­ent­wick­lung. Zu­dem hät­ten Spe­ku­lan­ten die Short-Po­si­tio­nen auf den Eu­ro in­ner­halb ei­ner Wo­che in Long-Po­si­tio­nen um­ge­wan­delt. Eben­so ein wich­ti­ger Vor­teil für die Ge­mein­schafts­wäh­rung sei die In­fla­ti­on, die lang­sam zum The­ma wer­de.

Fran­ken Gei­sel der Eu­ro­zo­ne

Wie be­reits ei­nen Mo­nat zu­vor be­ti­teln die De­vi­sen­ex­per­ten von Gold­man Sachs den Fran­ken als «Gei­sel der Eu­ro­zo­ne». So­lan­ge die Pro­ble­me der Eu­ro­zo­ne nicht ge­löst sei­en, wer­de der Fran­ken wei­ter fest no­tie­ren. In drei Mo­na­ten pro­gnos­ti­zie­ren die Ex­per­ten 1.30 Fr./€, ein ers­ter Zins­schritt der SNB wird im Ju­ni er­war­tet.

Die Ex­per­ten von Bar­clays hal­ten nach wie vor die Er­eig­nis­se in der Pe­ri­phe­rie der Eu­ro­zo­ne als zen­tral für die künf­ti­ge Ent­wick­lung auf den De­vi­sen­märk­ten. Ge­mäss Bar­clays do­mi­nie­ren drei Punk­te: Ers­tens müss­ten die Pe­ri­phe­rie­staa­ten wett­be­werbs­fä­hig ge­gen­über den an­de­ren Eu­rolän­dern wer­den. Das ha­be je­doch le­dig­lich ei­nen ge­rin­gen Ein­fluss auf den Eu­ro – so­lan­ge die EZB kei­ne hö­he­re In­fla­ti­on zu­las­se. Un­si­cher­heit über die Po­li­tik der EZB sei denn auch der Grund der ers­ten Eu­ro­schwä­che ge­we­sen.

Zwei­tens die Haus­halt­kon­so­li­die­rung: Bar­clays hält fest, dass die Ver­schul­dung der Eu­ro­zo­ne we­ni­ger be­droh­lich sei als die der USA, Ja­pans oder Gross­bri­tan­ni­ens. Aber die Spar­mass­nah­men führ­ten zu er­heb­li­chem po­li­ti­schem Ri­si­ko, re­du­zie­re die Bin­nen­nach­fra­ge und hal­te das Zins­ni­veau tief, was in ei­ner schwä­che­ren Wäh­rung re­sul­tie­re. Als drit­ter Punkt wird die Re­struk­tu­rie­rung der Fi­nanz­märk­te und de­ren Sta­bi­li­tät an­ge­führt: Auf dem Eu­ro las­te die Mög­lich­keit ei­nes aus­fal­len­den Eu­ro­zo­n­e­mit­glieds. Es sei un­klar, wel­che Aus­wir­kun­gen ein Aus­fall nach sich zie­hen wür­de.

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