Ent­zau­ber­te Geld­po­li­tik

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN -

zwei­tens sind Staats­pa­pie­re so­li­der und gros­ser Mit­glie­der der Wäh­rungs­uni­on wie Deutsch­land, ge­nau­so wie für an­de­re In­ves­to­ren, eben ers­te Wahl, wenn Si­cher­heit und Li­qui­di­tät zäh­len. Die SNB ist sich des dar­aus er­wach­sen­den Klum­pen­ri­si­kos be­wusst und hat es nach Ab­schluss der In­ter­ven­tio­nen be­reits er­heb­lich re­du­ziert, in­dem sie in an­de­re Wäh­run­gen und Schuld­ner di­ver­si­fi­zier­te.

Dass die Na­tio­nal­bank über ei­nen staats­po­li­tisch be­trach­tet wahr­schein­lich zu gros­sen Spiel­raum ge­bie­tet, ist nicht neu (vgl. FuW Nr. 41 vom 27. Mai 2009). Fun­da­ment da­für ist al­ler­dings das vom Par­la­ment be­schlos­se­ne neue Na­tio­nal­bank­ge­setz 2003, ei­ne Car­te blan­che für die Geld­po­li­ti­ker in ope­ra­tio­nel­ler Hin­sicht. Doch wä­re es klug, die Frei­heit aus­ge­rech­net im Kern­be­reich der Geld-und Wäh­rungs­po­li­tik, zu dem als Ul­ti­ma Ra­tio De­vi­sen­in­ter­ven­tio­nen ge­hö­ren, zu be­schrän­ken? Staats­po­li­tisch drän­gen­der wä­re ei­ne Re­ge­lung der Li­qui­di­täts­hil­fe, wo die SNB, wie der Fall UBS ge­zeigt hat, auf der dün­nen Ba­sis in­ter­ner Richt­li­ni­en schick­sals­haf­te Ent­schei­de trifft.

Auch in Sa­chen IWF ver­mi­schen sich stim­mi­ge mit fal­schen Tö­nen. Es ist rich­tig, dass das Par­la­ment die ho­hen Kre­dit­zu­sa­gen, die im Zu­sam­men­hang mit der sta­tua­risch pro­ble­ma­ti­schen IWF-Hil­fe an Eu­ro­land ste­hen, gründ­lich be­han­delt – auch und ge­ra­de wenn die Sa­che den Be­hör­den dring­lich er­scheint. Was bringt der IWF un­se­rem Land? Wie hoch ist der Preis, den die Schweiz ma­xi­mal zu zah­len be­reit ist? Wie viel trägt der IWF zur nach­hal­ti­gen Sta­bi­li­tät des Welt­wäh­rungs­sys­tems bei? Wie mäch­tig ist der Ein­fluss der Po­li­tik?

Die Mit­glied­schaft im IWF hat für un­ser Land ei­ne spe­zi­el­le Be­deu­tung, weil er – an­ders als die G-20, wo die Schweiz aus un­er­find­li­chen Grün­den nicht da­bei sein darf – über rei­che Er­fah­rung und gros­ses Wis­sen in Fi­nanz-und Wäh­rungs­an­ge­le­gen­hei­ten ver­fügt. Er ist zu­dem, an­ders als die In­sti­tu­tio­nen Eu­ro­lands, für Kri­sen­ein­sät­ze ge­rüs­tet. Dass die Schweiz voll ein­ge­bun­den ist, hat al­so sei­nen Wert, und das Ver­lust­ri­si­ko von IWF-Zu­sa­gen ist, zu­min­dest an der His­to­rie ge­mes­sen, mi­nim, weil Kre­dit­neh­mer den IWF vor al­len an­de­ren Gläu­bi­gern be­die­nen müs­sen. Gleich­wohl darf un­ser Land an­ge­sichts sei­nes ins­ge­samt weit über­durch­schnitt­li­chen En­ga­ge­ments ru­hig prü­fen, ob es die Or­ga­ni­sa­ti­on nicht ver­las­sen soll­te, falls es den Sitz im Exe­ku­tiv­rat ver­liert und Macht­po­li­tik über Sach­ver­stand tri­um­phiert.

Un­frucht­bar wird die IWF-De­bat­te dann, wenn in­di­zi­en­frei un­ter­stellt wird, die SNB le­ge dem Par­la­ment ei­ne Zu­stim­mung na­he, weil sie auf ihr ei­ge­nes Buch schie­le (die ho­hen Eu­ro­be­stän­de), oder der Prä­si­dent ver­fol­ge Kar­rie­re­plä­ne, die ihn vom ge­setz­li­chen Auf­trag ab­ir­ren lies­sen. In Zei­ten der Per­so­na­li­sie­rung lohnt es sich, an ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit zu er­in­nern: Der Kurs der SNB wird nicht vom Prä­si­den­ten al­lein be­stimmt, son­dern vom Di­rek­to­ri­um und vom Bank­rat.

Bür­ger, An­le­ger und Öko­no­men ha­ben sich lan­ge Zeit viel zu we­nig mit dem Geld-, Wäh­rungs-und Bank­we­sen be­fasst, wahr­schein­lich ei­ne der man­nig­fal­ti­gen Ur­sa­chen der Fi­nanz­kri­se. Die­se hat zu­erst die Ma­na­ger der Bank­ko­los­se ent­zau­bert und dann die Re­gie­run­gen. Wenn nun die Geld­po­li­ti­ker an der Rei­he sind, ist dies ge­sund. Ei­ne mün­di­ge Zi­vil­ge­sell­schaft grün­det nicht auf Il­lu­sio­nen.

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