«Em­mi sol­len Wachs­tums­ak­ti­en blei­ben»

URS RIE­DE­NER Der CEO zu den stra­te­gi­schen Plä­nen des Milch­ver­ar­bei­ters, ih­rer Fi­nan­zie­rung und den Chan­cen für die Ak­tio­nä­re

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE -

Der Milch­ver­ar­bei­ter Em­mi hat im ver­gan­ge­nen Jahr mit Zu­käu­fen in der Schweiz, in Deutsch­land und den USA die Wachs­tums­ba­sis ver­brei­tert. CEO Urs Rie­de­ner sieht in der Kon­zen­tra­ti­on auf we­ni­ge, aus­ge­wähl­te Schlüs­sel­märk­te und -mar­ken das er­folg­ver­spre­chen­de Re­zept für die nächs­ten Jah­re.

Herr Rie­de­ner, wich­ti­ge Ab­satz­märk­te von Em­mi lie­gen in der Eu­ro­zo­ne, pro­du­ziert wird aber am meis­ten in der Schweiz. Wie steht es um Em­mis Fit­ness für den eu­ro­päi­schen Markt? Wir ste­hen gut da. Klar ken­nen wir den Ein­fluss von Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen, doch be­glei­tet uns die­ser Um­stand seit 2008. An­halts­punk­te für un­se­ren Fit­ness­zu­stand lie­fern die Kos­ten­po­si­tio­nen und die Or­ga­ni­sa­ti­on in den Be­trie­ben, die wir seit 2008 in­ten­siv stu­diert und mit Bench­mark-Un­ter­su­chun­gen un­ter­mau­ert ha­ben. Da­bei ha­ben wir deut­sche und ös­ter­rei­chi­sche Un­ter­neh­men ein­be­zo­gen. Im Mit­tel­punkt stan­den die be­ein­fluss­ba­ren Kos­ten und die Fra­ge nach Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al. Aus den Stu­di­en konn­ten wir ab­lei­ten, dass wir recht gut un­ter­wegs sind auf dem Weg zu ei­nem in­ter­na­tio­nal voll kon­kur­renz­fä­hi­gen Her­stel­ler. In ein­zel­nen Be­rei­chen sind wir das be­reits.

Wo muss Em­mi noch bes­ser wer­den? In den Leis­tungs­da­ten ein­zel­ner Pro­duk­ti­ons­an­la­gen und in der Pro­duk­ti­ons­pla­nung ist das Op­ti­mum noch nicht er­reicht. Als Ge­samt­s­or­ti­ment­s­an­bie­ter pro­du­zie­ren wir ten­den­zi­ell in klei­ne­ren Los­grös­sen, spe­zi­ell für den na­tio­na­len Markt. Wol­len wir eu­ro­pä­isch mit­hal­ten, müs­sen wir in grös­se­ren Lo­sen pro­du­zie­ren.

Um­fas­sen­der Be­darf an In­ves­ti­tio­nen in Pro­duk­ti­ons­an­la­gen be­steht aber nicht? Wir ha­ben die In­ves­ti­tio­nen leicht er­höht, weil wir zahl­rei­che klei­ne­re Pro­jek­te er­mit­telt ha­ben, die sich im Zei­t­raum von drei Jah­ren be­reits be­zahlt ma­chen. Das sind Vor­ha­ben, die wir ger­ne rea­li­sie­ren. Da­zu kom­men Er­satz­in­ves­ti­tio­nen und

Preis­an­pas­sun­gen wa­ren und sind not­wen­dig, um un­se­re Mar­gen zu schüt­zen.

wei­ter rei­chen­de Aus­la­gen für neue Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten oder Tech­no­lo­gi­en. Die­se In­ves­ti­tio­nen möch­ten wir ab­schlies­sen bis zur voll­stän­di­gen Markt­li­be­ra­li­sie­rung, die sich aber noch nicht end­gül­tig de­fi­nie­ren lässt.

Von wel­chem Zei­t­raum ge­hen Sie aus? Die The­men WTO-Ver­hand­lun­gen und bi­la­te­ra­le Ab­kom­men mit der EU über­la­gern sich. In vie­len Be­rei­chen ist der Markt ja be­reits li­be­ra­li­siert; Aus­nah­men sind die Seg­men­te Milch, Rahm und But­ter. Wann die ge­gen­sei­ti­ge Öff­nung ernst­haft dis­ku­tiert wird, ist noch of­fen. Si­cher ist, dass sich vor den Par­la­ments­wah­len im Herbst nie­mand po­si­tio­niert. Un­se­re Pla­nung geht im­mer noch da­hin, dass die Öff­nung 2014 kom­men kann, wenn der Ter­min auch we­ni­ger rea­lis­tisch ist als auch schon. Bis dann müs­sen wir un­se­re Schwä­chen aus­ge­bü­gelt ha­ben und un­se­re Stär­ken aus­spie­len kön­nen.

Wenn Em­mi al­so fit ist oder wird für Eu­ro­pa, ist das auch ein Be­kennt­nis zum Pro­duk­ti­ons­stand­ort Schweiz. Wir ver­kau­fen mit Em­mi ei­ne Mar­ke mit Her­kunft Schweiz, un­se­re Auf­ga­be ist es, die­ses Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal im Aus­land als Mehr­wert zu ver­kau­fen. Als eu­ro­päi­scher Pro­du­zent wä­ren wir ei­ner un­ter meh­re­ren, vi­el­leicht zehn, die ei­ne ähn­li­che Leis­tung er­brin­gen kön­nen. An- de­re Mar­ken wie Tren­ti­nalat­te, On­ken oder Roth wer­den im Aus­land pro­du­ziert. Dort lau­tet die Vor­ga­be, gu­te Qua­li­tät zu kos­ten­op­ti­mier­ten Be­din­gun­gen zu pro­du­zie­ren.

Die Eu­ro­schwä­che hat auch ei­nen Ein­fluss auf die Preis­po­li­tik. Sind Preis­er­hö­hun­gen not­wen­dig und durch­setz­bar? Preis­an­pas­sun­gen wa­ren und sind not­wen­dig, um un­se­re Mar­gen zu schüt­zen. Ei­ne bis zwei Run­den ha­ben wir 2010 durch­ge­führt, ei­ne läuft jetzt, und ei­ne wei­te­re ist für das Früh­jahr ge­plant. Bis­her konn­ten wir uns da­mit im Markt durch­set­zen, oh­ne ei­nen Vo­lu­men­ver­lust zu er­lei­den. Uns spiel­te da­bei die Milch­preis­er­hö­hung auf den in­ter­na­tio­na­len Märk­ten in die Hän­de, denn da­mit stan­den wir mit un­se­ren Preis­vor­stel­lun­gen nicht al­lein da. Ein denk­bar schlech­tes Sze­na­rio wä­ren sin­ken­de Welt­markt­prei­se und hö­he­re, auf den Schwei­zer Rah­men­be­din­gun­gen ba­sie­ren­de Preis­vor­schlä­ge un­se­rer­seits. Die Be­reit­schaft des Han­dels zu Preis­er­hö­hun­gen wä­re dann ge­ring, was zu ei­nem Vo­lu­men­ver­lust füh­ren wür­de.

Em­mis Mar­gen-und Um­satz­zie­le sind so­mit durch die Fran­ken­schwä­che nicht ge­fähr­det? Nein. Wir soll­ten das Er­trags­ziel von 3% Um­satz­ren­di­te für 2010 er­rei­chen, auch wenn der Eu­ro re­kord­tief steht. Im Fi­nanz­er­geb­nis dürf­te die Wech­sel­kurs­si­tua­ti­on sicht­bar wer­den, ope­ra­tiv wird das kom­pen­siert wer­den. Kön­nen wir die Prei­se wie vor­ge­se­hen an­pas­sen, wer­den wir in die­sem Jahr un­se­re stra­te­gi­sche Band­brei­te von 2,5 bis 3% Ge­winn­mar­ge er­rei­chen. Da­bei hilft uns, dass der An­teil der Pro­duk­ti­on im Aus­land wächst. Da­durch ver­rin­gert sich die Ab­hän­gig­keit vom Fran­ken. Was die Um­satz­ent­wick­lung be­trifft, wer­den wir die stra­te­gi­sche Li­nie bei­be­hal­ten: ein schwa­ches, ak­qui­si­ti­ons­ge­stütz­tes Wachs­tum in der Schweiz, ei­ne or­ga­ni­sche Stei­ge­rung um 6 bis 8% im Aus­land.

Mit­tel­fris­tig, ab dem Zei­t­raum 2014 bis 2016, will Em­mi die Hälf­te des Um­sat­zes im Aus­land er­ar­bei­ten. Oh­ne Ak­qui­si­tio­nen geht das nicht. Wo pla­nen Sie die nächs­ten Schrit­te? Ein fi­xes Da­tum exis­tiert nicht. Um­satz zu stei­gern, ist per se kei­ne Her­aus­for­de­rung, den kön­nen Sie mor­gen ein­kau­fen. Wir su­chen pro­fi­ta­blen und zu un­se­rer Stra­te­gie pas­sen­den Um­satz. Der geo­gra­fi­sche Rah­men ist durch un­se­re Tä­tig­keit ge­ge­ben. In die­sen Schlüs­sel­märk­ten wol­len wir die kri­ti­sche Grös­se ha­ben. Un­se­re Nach­bar­staa­ten ge­hö­ren in die­sen Kreis, Gross­bri­tan­ni­en – wo wir dank On­ken die ge­wünsch­te Grös­se er­rei­chen –, die Be­ne­lux­staa­ten und die USA. Dort ha­ben wir ei­ni­ge span­nen­de Sa­chen rea­li­siert und kön­nen Nut­zen dar­aus zie­hen, dass der Markt nicht so ge­sät­tigt ist wie an­dern­orts. Po­ten­zi­al hat auch die Be­tei­li­gung von 43% an der spa­ni­schen Kai­ku.

Wie de­fi­nie­ren Sie kri­ti­sche Grös­se? Ent­schei­dend ist die Fra­ge der Markt­po­si­ti­on. Wie ist die ge­wich­te­te Dis­tri­bu­ti­on mit ei­nem Pro­dukt im De­tail­han­del? Zu wel­chen Kun­den ha­ben wir ei­ne Han­dels­be­zie­hung? Ist es uns ge­lun­gen, beim End­kon­su­men­ten ei­ne Wahr­neh­mung auf­zu­bau­en? Neh­men Sie das Bei­spiel On­ken in Gross­bri­tan­ni­en. Dank der Ak­qui­si­ti­on ha­ben wir rund 40% An­teil am Markt für Frucht­jo­ghurt in Gross­pa­ckun­gen, was 3% des ge­sam­ten Jo­ghurt­mark­tes ent­spricht. Wir set­zen die On­ken-Pro­duk­te in al­len wich­ti­gen Ka­nä­len ab. Mir sind 40% An­teil an ei­nem klei­nen Seg­ment mit ho­hen Ein­tritts­hür­den und gu­ten Ent­wick­lungs­chan­cen lie­ber als 5% an ei­nem Mas­sen­markt. Mit un­se­ren Struk­tu­ren kön­nen

Urs Rie­de­ner fährt mit Em­mi ei­nen wohl­über­leg­ten Ex­pan­si­ons­kurs oh­ne Ak­ti­vis­mus.

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