«Früh­pipe­lines gut wie nie zu­vor»

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - DA­VID EPSTEIN IN­TER­VIEW: AM/MA

Da­vid Epstein, 49, ist sei ei­nem Jahr Lei­ter der Di­vi­si­on Phar­ma, des gröss­ten Un­ter­neh­mens­teils von No­var­tis. Der aus New York stam­men­de Phar­ma­zeut mit MBA war 1989 in die da­ma­li­ge San­doz (ei­nes der Vor­gän­ger­un­ter­neh­men von No­var­tis) ein­ge­tre­ten und kennt das Phar­ma­ge­schäft von der Pi­ke auf.

Herr Epstein, was ist Ih­re Bi­lanz nach ei­nem Jahr als Phar­ma­chef? Ich ha­be am 1. Fe­bru­ar 2010 mei­ne Po­si­ti­on an­ge­tre­ten und ha­be ei­ni­ge gu­te An­sät­ze von mei­nem Vor­gän­ger Joe Ji­me­nez vor­ge­fun­den, um das Ge­schäft zu ver­bes­sern. Ei­ni­ge ha­ben wir 2010 um­ge­setzt. Ers­tens ha­ben wir ent­schie­den, in ein­zel­ne Pro­duk­te mehr zu in­ves­tie­ren, et­wa in das MS-Prä­pa­rat Gi­le­nya, das da­mals in der Re­gis­trie­rungs­pha­se steck­te.

Was für In­ves­ti­tio­nen sind das? Wir ha­ben das Ge­wicht ver­mehrt auf die neu­en, seit 2007 lan­cier­ten Pro­duk­te ge­legt und de­ren Ent­wick­lung und Mar­ke­ting ver­tieft und ge­stärkt, um so das Wachs­tum zu be­schleu­ni­gen; ihr Um­satz­an­teil am Phar­m­aport­fo­lio ist denn auch 2010 von 16 auf 21% ge­stie­gen, im vier­ten Quar­tal wa­ren es gar schon 23%. Zwei­tens muss­ten wir an­ge­sichts des Preis­drucks in un­se­rer Bran­che pro­duk­ti­ver wer­den, wo­für ich vie­le Mög­lich­kei­ten in un­se­rer Or­ga­ni­sa­ti­on se­he.

Bei­spiels­wei­se? Durch Ver­ein­fa­chung von Pro­zes­sen und Ab­läu­fen, die et­wa da­zu füh­ren sol­len, dass un­se­re Ver­käu­fer mehr Zeit bei ih­ren Kun­den ver­brin­gen kön­nen und we­ni­ger durch in­ter­ne Din­ge ab­sor­biert sind. Der Ein­kaufs­pro­zess wur­de um Auk­ti­ons­ver­fah­ren er­gänzt, was zu nied­ri­ge­ren Ein­kauf­prei­sen ge­führt hat. 2010 ha­ben wir da­durch ins­ge­samt rund 1 Mrd. $ an Kos­ten ein­ge­spart. Die­ses Geld wur­de statt­des­sen zur Ab­satz­be­schleu­ni­gung der neu­en Pro­duk­te ver­wen­det. Zu­dem ha­be ich ei­ni­ge gu­te neue Leu­te in mein Ma­nage­ment­team ge­holt.

Was ist Ihr Ziel für 2011? Wir wol­len noch­mals 1 Mrd. $ ein­spa­ren und in den Markt­auf­bau der neu­en Pro­duk­te – dar­un­ter das MS-Mit­tel Gi­le­nya, das Au­gen­heil­prä­pa­rat Lu­cen­tis für die neue In­di­ka­ti­on Dia­be­tes und das Krebs­mit­tel Afi­ni­tor – in­ves­tie­ren.

Wo se­hen Sie denn noch wei­te­res Spar­po­ten­zi­al? Un­ser Pro­dukt­port­fo­lio be­wegt sich weg von all­ge­mein­ärzt­li­chen Prä­pa­ra­ten hin zu Spe­zi­al­pro­duk­ten, was das Mar­ke­ting ver­ein­facht. Wir wer­den wei­ter im Ein­kauf spa­ren und zu­dem sol­len ein­zel­ne Funk­tio­nen in Län­der mit nied­ri­gen Kos­ten aus­ge­la­gert wer­den.

Der Weg­fall von Dio­van dürf­te aber auf die Mar­ge drü­cken. Da bin ich nicht so si­cher.

Aber ist die Mar­ge auf äl­te­ren, um­satz­star­ken Pro­duk­ten nicht be­son­ders hoch? Das ist meis­tens der Fall, doch vie­le un­se­rer neu­en Pro­duk­te, die in den nächs­ten Jah­ren grös­ser und grös­ser wer­den, rich­ten sich an Spe­zi­al­märk­te, wo die Mar­gen ge­ne­rell hö­her sind. Es ist ei­ne Fra­ge der Ba­lan­ce, doch ich bin zu­ver­sicht­lich, dass wir die Mar­ge auf dem ge­gen­wär­ti­gen Ni­veau hal­ten kön­nen.

Phar­maak­ti­en sind der­zeit un­be­liebt, die Be­wer­tun­gen we­gen des Preis­drucks und feh­len­dem Wachs­tum nied­rig. Wann wird sich das än­dern? Frü­her wur­den Phar­maak­ti­en mit ei­nem Be­wer­tungs­auf­schlag im Ver­hält­nis zum Ge­samt­markt ge­han­delt, heu­te mit ei­nem Ab­schlag von rund 20%. Die An­le­ger be­kla­gen den Man­gel an In­no­va­ti­on in der Bran­che, zu­dem ver­un­si­chert sie der Preis­druck. Die ge­gen­wär­ti­gen Kur­se sug­ge­rie­ren al­ler­dings fast schon den Un­ter­gang un­se­rer Bran­che. Da­bei sind die Grund­la­gen für un­ser Ge­schäft gut: Die

Wir wol­len 2011 noch­mals 1 Mrd. $ ein­spa­ren und das Geld in den Markt­auf­bau neu­er Pro­duk­te in­ves­tie­ren.

Übe­r­al­te­rung der Be­völ­ke­rung geht wei­ter, un­ser bio­lo­gi­sches Wis­sen nimmt zu, so­dass ge­ziel­te­re Krank­heits­be­hand­lun­gen mög­lich wer­den.

Doch das braucht Zeit. Ja, aber die Früh­sta­di­ums-Pi­pe­lines der Bran­che sind so gut ge­füllt wie noch nie. Den Ana­lys­ten fällt es schwer, über die ak­tu­el­len Pro­ble­me der Bran­che hin­aus­zu­bli­cken; sie ha­ben sich in der Ver­gan­gen­heit die Hän­de mit Kauf­emp­feh­lun­gen ver­brannt und sind jetzt vor­sich­tig, was zu den ge­gen­wär­tig tie­fen Be­wer­tun­gen ge­führt hat. Über die Zeit soll­te sich das kor­ri­gie­ren. Die Bran­che hat mei­ner An­sicht nach ei­nen Be­wer­tungs­auf­schlag zum Markt­durch­schnitt ver­dient.

Seit 1989 bei No­var­tis und seit 2010 Chef der Phar­ma­spar­te:

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