Lon­za ge­fan­gen im Phar­ma­sog

Jah­res­zie­le ge­ra­de so er­reicht – Den Markt mit hö­he­rer Di­vi­den­de be­schwich­tigt – Ma­ge­re kurz­fris­ti­ge Aus­sich­ten, auch für die Ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - FRAN­ZIS­KA PFIS­TER

Ner­vös wirk­te Ste­fan Bor­gas bei sei­nem Auf­tritt vor den Me­di­en – aty­pisch für den Rou­ti­nier und ein Zei­chen, wie gross der Druck der In­ves­to­ren ge­we­sen sein muss. Händ­ler be­rich­ten, die Lon­za-Ak­ti­en sei­en im Vor­feld des Jah­res­re­sul­tats tüch­tig «geshor­tet» wor­den. Man­che An­le­ger fürch­te­ten wohl, die Vor­ga­be ei­nes ge­hal­te­nen Ebit könn­te ver­fehlt wer­den. Das wur­de sie auch, aber nur hauch­dünn. Mit er­höh­ter Di­vi­den­de und Aus­schüt­tungs­quo­te, ei­nem Ak­ti­en­rück­kauf und ei­nem be­ein­dru­cken­den Free Cash­flow wuss­te Lon­za den Markt zu be­sänf­ti­gen. Al­ler­dings kaum auf Dau­er, denn die Grund­stim­mung ge­gen­über dem Phar­ma­sek­tor bleibt mi­se­ra­bel.

Roh­wa­ren und der Fran­ken

Die Pro­ble­me der Kun­den wer­den im­mer mehr zu Lon­z­as Pro­ble­men: staat­li­che Spar­ef­forts im Ge­sund­heits­we­sen und ei­ne un­be­re­chen­ba­re Zu­las­sungs­po­li­tik. Die Phar­main­dus­trie legt nur we­nig La­ger an, be­stellt kurz­fris­tig und vor al­lem: klei­ne­re Men­gen. Da­zu kommt Margendruck, weil das Un­ter­neh­men trotz sin­ken­der Prei­se für Nah­rungs­mit­tel­zu­sät­ze den Markt­an­teil ver­tei­di­gen will.

Stei­gen­de Roh­wa­ren­prei­se und der star­ke Fran­ken tun ein Üb­ri­ges. Bei­de Pos­ten schmä­ler­ten das Be­triebs­er­geb­nis 2010 um 35 Mio. Fr. «Tei­le des Roh­stoff­mark­tes sind auf dem Weg in ei­ne Über­hit­zung», be­ob­ach­tet Bor­gas. Der Auf­wärts­trend für wich­ti­ge Stof­fe wie Palm­öl und Öl wer­de 2011 an­hal­ten. Ver­teue­run­gen im Ein­kauf kann Lon­za zwar über­wäl­zen, aber bloss ver­zö­gert. Das Um­rech­nungs­ri­si­ko will der Kon­zern durch Hed­ging ein­gren­zen. Das weit ge­fähr­li­che­re Trans­ak­ti­ons­ri­si­ko im Stamm­werk Visp muss da­ge­gen müh­sam mit hö­he­rer Pro­duk­ti­vi­tät be­kämpft wer­den.

Auf­grund die­ser Fak­to­ren er­war­ten wir 2011 ein leicht rück­läu­fi­ges (um Son­der­pos­ten be­rei­nig­tes) Er­geb­nis von 5.45 Fr. Gut ge­nutzt wa­ren im vier­ten Quar­tal die Bio­re­ak­to­ren mit ei­ner Aus­las­tungs­ra­te von 85%. Das wird ge­mäss Bor­gas so blei­ben. Bio­phar­ma­zeu­ti­ka ge­hö­ren zu den lu­kra­tivs­ten Pro­duk­ten.

Das Un­ter­neh­men ar­bei­tet seit län­ge­rem dar­an, das Port­fo­lio zu ver­brei­tern. Das soll die Ab­hän­gig­keit von ein­zel­nen Wirk­stof­fen re­du­zie­ren. Noch im­mer ent- fiel je­doch die Hälf­te des Um­sat­zes mit Bio­phar­ma­zeu­ti­ka auf sie­ben Gross­pro­duk­te. Mit­tel­fris­tig sol­len es dop­pelt so vie­le sein. Zum Ver­gleich: 2007 hat­ten drei Wirk­stof­fe drei Vier­tel des Um­sat­zes bei­ge­tra­gen. Statt ein Drit­tel des Ge­winns sol­len neu bis zu 40% an die Ei­g­ner aus­ge­schüt­tet wer­den. Das Ka­pi­tal­ein­la­ge­prin­zip er­laubt ei­ne steu­er­freie Di­vi­den­de.

Im Herbst 2009 hat­te Bor­gas die Mit­tel­frist­pro­gno­sen auf­ge­ho­ben und durch zu­rück­hal­ten­de­re Vor­ga­ben er­setzt (vgl. Ta­bel­le). Die­se be­kräf­tig­te er am Mitt­woch eben­so wie die Stra­te­gie. Be­son­ders für zwei Pos­ten se­hen wir aber Ri­si­ken, dass der an­vi­sier­te Ebit-Bei­trag ver­fehlt wer­den könn­te: Im Pep­tid­ge­schäft wur­de ein Schlüs­sel­pro­dukt be­reits zwei Mal von den Be­hör­den zu­rück­ge­wie­sen und ver­zö­gert sich bis min­des­tens Mit­te 2012. Un­si­cher ist auch, ob die neue An­la­ge in Sin­ga­pur ab 2012 den er­war­te­ten Bei­trag leis­ten wird. Sie nimmt im drit­ten Quar­tal den Be­trieb auf, wo­durch die Ka­pa­zi­tät sprung­haft um 40% steigt. Bor­gas strebt bis 2012

Am­bi­tio­nier­te Vor­ga­ben in dem Werk ei­ne Aus­las­tung von 70 bis 80% an. Zu Be­ginn wird sie 60% be­tra­gen.

Nach ei­ner Pha­se ho­her In­ves­ti­tio­nen will Lon­za sie in den nächs­ten Jah­ren auf 10% des Um­sat­zes be­gren­zen. Die frei­ge­setz­ten Mit­tel sol­len für klei­ne­re und mitt­le­re Tech­no­lo­gie­zu­käu­fe ge­nutzt wer­den. Auch im Seg­ment der Nah­rungs­mit­tel­zu­sät­ze sind ge­mäss Fi­nanz­chef Toralf Haag Ak­qui­si­tio­nen denk­bar. Als Kauf­sum­me nennt er ei­nen nied­ri­gen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag. «Ver­hand­lun­gen ha­ben wir noch nicht auf­ge­nom­men, aber wir sind da­bei, Über­nah­me­ob­jek­te zu eva­lu­ie­ren.» Nicht aus­ge­schlos­sen sei, dass es die­ses Jahr zu ei­nem Ab­schluss kom­me.

Mit­ge­gan­gen, mit­ge­han­gen

So­lan­ge die Aus­sich­ten des Phar­ma­sek­tors am Markt der­art kri­tisch be­ur­teilt wer­den wie zur­zeit, wer­den sich die Lon­za-Va­lo­ren die­sem Sog kaum ent­zie­hen kön­nen. His­to­risch be­trach­tet sind sie güns­tig be­wer­tet und auf­grund der in­tak­ten lang­fris­ti­gen Per­spek­ti­ven in­ter­es­sant. Be­son­ders im neu­en Feld Bio­si­mi­lars könn­ten die Bas­ler ganz vor­ne mit­spie­len. Der ers­te Um­satz steht in­des nicht vor 2014 an. Ei­nen zu­sätz­li­chen An­reiz schafft die hö­he­re Ren­di­te.

Lon­za-Chef Ste­fan Bor­gas setzt voll auf die Auf­trags­her­stel­lung und sieht dort ho­hes Po­ten­zi­al in neu­en Fel­dern.

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