Pri­vat­ban­ken zieht es nach Os­ten

Golf­staa­ten ver­spre­chen ho­he Wachs­tums­ra­ten – Po­li­ti­sche Un­ru­hen in Nach­bar­staa­ten än­dern nichts an der po­si­ti­ven Ein­schät­zung

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - THO­MAS WYSS

Schwei­zer Gross­ban­ken und Ver­mö­gens­ver­wal­ter über­bie­ten sich ge­gen­sei­tig, wenn sie die Wachs­tums­per­spek­ti­ven in der Golf­re­gi­on be­schrei­ben. Für die UBS ge­hö­ren die Golf­staa­ten zu den «stra­te­gi­schen Wachs­tums­re­gio­nen», für Cre­dit Suis­se zu den «wich­tigs­ten stra­te­gi­schen Prio­ri­tä­ten». Ju­li­us Bär sieht in der Re­gi­on ei­nen «wich­ti­gen Markt», Sa­ra­sin «ei­nen der wich­ti­gen Wachs­tums­märk­te». Für Von­to­bel ha­ben die Golf­staa­ten «ei­ne ge­wis­se Be­deu­tung».

«Gel­der sind zu ha­ben»

In ei­ner neu­en Stu­die der Be­ra­tungs­ge­sell­schaft Booz & Com­pa­ny wird ein po­si­ti­ves Bild der Re­gi­on in Be­zug auf das Pri­va­te Ban­king ge­zeich­net: «Nach der Fi­nanz­kri­se, die die Ver­trau­ens­ba­sis vie­ler eta­blier­ter Kun­den­be­zie­hun­gen un­ter­spül­te, ist ein be­deu­ten­der Teil des auf 1000 bis 1200 Mrd. $ ge­schätz­ten Pri­va­teBan­king-Ge­schäfts zu ver­ge­ben.»

Mit Blick auf sol­che Zah­len er­staunt nicht, dass den Gross­ban­ken und Ver­mö­gens­ver­wal­tern das Was­ser im Mun­de zu­sam­men­läuft – ob­wohl die Au­to­ren der Booz-Stu­die war­nen, dass es sich zwar um ei­nen gros­sen, aber auch ei­nen schwie­ri­gen Markt han­delt. Es gel­te, ver­schie­de­ne Schlüs­sel­ele­men­te wie die star­ke Be­deu­tung der Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men und der Re­li­gi­on zu be­ach­ten.

Vor sol­chen Her­aus­for­de­run­gen schei­nen Schwei­zer Ban­ken nicht zu­rück­zu­schre­cken. Sie se­hen viel­mehr die Chan­cen – und das schon seit Jah­ren. UBS hat ei­ne lang­jäh­ri­ge Tra­di­ti­on (die ers­te Ver­tre­tung wur­de 1973 in Bah­rain er­öff­net) und ist ge­mäss Spre­cher Do­mi­ni­que Gers­ter dar­an, die Prä­senz «im Rah­men der re­gu­la­to­ri­schen Mög­lich­kei­ten» kon­ti­nu­ier­lich aus­zu­bau­en. «Wir se­hen mit­tel­fris­tig gu­tes Wachs­tums­po­ten­zi­al so­wohl auf dem Hin­ter­grund der sta­bi­len Ölein­nah­men als auch der Ent­wick­lung in an­de­ren Wirt­schafts­be­rei­chen und zu­neh­men­den Markt­li­be­ra­li­sie­run­gen.»

Nicht zu ver­ges­sen sei auch die Rol­le der Re­gi­on als Brü­cke zwi­schen Eu­ro­pa und Asi­en. His­to­risch ge­se­hen lag der Fo­kus in der Re­gi­on auf dem grenz­über­schrei­ten­den Ge­schäft. Die lo­ka­le Prä­senz in der Re­gi­on ge­win­ne zu­neh­mend an Be­deu­tung: «Wir ge­hen da­von aus, dass UBS ei­nen be­deu­ten­den Markt­an­teil im Rah­men der Ver­mö­gens­ver­wal­tung in den Golf­staa­ten hat.»

Ähn­lich klingt die Cre­dit Suis­se, die im Na­hen Os­ten mit acht Nie­der­las­sun­gen in sechs Län­dern prä­sent ist. Die Aus­sich­ten für 2011 wer­den mit Blick auf die «lang­jäh­ri­ge Ge­schich­te und das Zu­sam­men­spiel im In­vest­ment Ban­king und As­set Ma­na-

Schwei­zer Pri­vat­ban­ken ge­ment ge­mäss Fir­men­spre­che­rin Sal­ly Ru­be­ry op­ti­mis­tisch be­ur­teilt. Was die Onund Off­s­hore-Stra­te­gie be­trifft, be­tont sie, dass Kun­den im Na­hen Os­ten im Rah­men des «Mul­tis­hore-An­ge­bots» der Bank auch ei­ne lo­ka­le Prä­senz schät­zen. Ins­ge­samt wird da­von aus­ge­gan­gen, dass das Neu­geld­wachs­tum im Pri­va­te Ban­king in der Re­gi­on Na­her Os­ten/In­di­en in der Pe­ri­ode 2009 bis 2012 jähr­lich 10 bis 15% be­trägt, das heisst 15 bis 20 Mrd. Fr.

«Sehr zu­frie­den»

Tho­mas Mei­er, Lei­ter des Nah­ost-und Asi­en­ge­schäfts von Ju­li­us Bär, weist dar­auf hin, dass das In­sti­tut als ers­te aus­län­di­sche Pri­vat­bank ei­ne Li­zenz für die Tä­tig­keit im Du­bai Fi­nan­ci­al Cent­re er­hal­ten hat. Er er­in­nert dar­an, dass die Golf­re­gi­on in den ver­gan­ge­nen Jah­ren durch in­dus­tri­el­le Di­ver­si­fi­zie­rung und den Auf­bau ei­ner Nicht-Öl-Ge­sell­schaft ei­ne be­deu­ten­de Trans­for­ma­ti­on durch­ge­macht hat. «Jen­seits des glo­ba­len Auf­schwungs und des schwie­ri­gen Markt­um­felds bie­tet die Re­gi­on wei­ter­hin wich­ti­ge Op­por­tu­ni­tä­ten in der Ver­mö­gens­ver­wal­tung. In­so­fern ist un­se­re lang­fris­ti­ge Pro­gno­se für das We­alth Ma­nage­ment in der Re­gi­on wei­ter- hin sehr op­ti­mis­tisch, und wir wer­den un­ser Ge­schäft wei­ter stär­ken und aus­bau­en.» Ju­li­us Bär kom­mu­ni­ziert zwar kei­ne Zah­len auf lo­ka­ler oder re­gio­na­ler Ebe­ne, ist ge­mäss Tho­mas Mei­er mit dem Neu­geld­zu­fluss aber «sehr zu­frie­den».

Zah­len für die­sen Teil der Welt sind von Sa­ra­sin er­hält­lich. Die ver­wal­te­ten Ver­mö­gen nach Kun­den­do­mi­zil be­lie­fen sich für die Re­gi­on Asi­en/Na­her Os­ten per Mit­te Ju­ni ge­mäss Spre­che­rin Fran­zis­ka Gump­fer-Kel­ler auf 19,3 Mrd. Fr. In den Staa­ten des Golf­ko­ope­ra­ti­ons­rats so­wie In­di­en ist Sa­ra­sin ge­mein­sam mit dem Jo­int-Ven­ture-Part­ner Al­pen Ca­pi­tal ak­tiv. Die Wachs­tums­aus­sich­ten sei­en «sehr gut».

Für Von­to­bel ha­ben die Golf­staa­ten ge­mäss Spre­cher Re­to Gi­u­di­cet­ti vor al­lem im in­sti­tu­tio­nel­len Ge­schäft ei­ne ge­wis­se Be­deu­tung. «Im in­sti­tu­tio­nel­len Ge­schäft ver­zeich­nen wir in der Re­gi­on Wachs­tums­ra­ten. Über die ge­sam­te Von­to­bel-Grup­pe ge­se­hen be­wegt sich der An­le­ger der ver­wal­te­ten Ver­mö­gen in der Re­gi­on im nied­ri­gen ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich», sagt er.

Dem An­le­ger kann die Be­geis­te­rung der Gross­ban­ken und Ver­mö­gens­ver­wal­ter für die Golf­re­gi­on mit Blick auf das Wachs­tums­po­ten­zi­al recht sein – ob­wohl die jüngs­ten Un­ru­hen in Nach­bar­län­dern zwei­fel­los ei­nen zu­sätz­li­chen Ri­si­ko­fak­tor dar­stel­len.

Ei­ne run­de Sa­che?

se­hen in der Golf­re­gi­on vor al­lem die wirt­schaft­li­chen Chan­cen, nicht die po­li­ti­schen Ri­si­ken.

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