Ban­ken sind wild auf Bra­si­li­en

Ver­mö­gens­ver­wal­ter und Ver­si­che­rer su­chen Chan­cen in Latein­ame­ri­ka – In­dus­trie ex­pan­si­ons­freu­di­ger als Fi­nanz­bran­che

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - MO­NI­CA HEGG­LIN

USuch­auf­trä­ge

nter den Ex­per­ten für Fu­sio­nen und Über­nah­men (M&A) herrscht nach dem Auf­schwung im letz­ten Jahr Op­ti­mis­mus, was die Ak­ti­vi­tä­ten 2011 auf dem Schwei­zer Markt an­geht. Auf­fäl­lig ist aber – das er­gab ei­ne Um­fra­ge von Ernst & Young –, dass die Un­ter­neh­men der Fi­nanz­in­dus­trie sich ins­ge­samt deut­lich zu­rück­hal­ten­der äus­sern als Ver­tre­ter an­de­rer Bran­chen.

Die Schwei­zer Bank­ma­na­ger er­trin­ken in An­lei­tun­gen für das grenz­über­schrei­ten­de Ge­schäft und Fatca-Fra­gen, stel­len Be­ra­ter von E&Y fest. Der re­gu­la­to­ri­sche Auf­wand ver­ur­sacht zu­neh­men­den Pes­si­mis­mus, was wei­te­re stra­te­gi­sche Vor­ha­ben dämpft. «M&A-Trans­ak­tio­nen sind in den Hin­ter­grund ge­tre­ten», er­klär­te Ste­phan Haag­mans, Trans­ak­ti­ons­ex­per­te von E&Y, an ei­nem Me­di­en­ge­spräch. Trotz­dem su­chen Ver­si­che­run­gen und vor al­lem Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ban­ken in­ten­siv nach Ein­tritts­mög­lich­kei­ten in Schwel­len­län­der. Ab­so­lu­te Prio­ri­tät ha­be der bra­si­lia­ni­sche Markt. «Es sind al­le un­ter­wegs», re­sü­mier­te Haag­mans in Be­zug auf die Markt­teil­neh­mer. Um nach Über­nah­me­zie­len in neu­en Märk­ten Aus­schau zu hal­ten, wer­den an E&Y kon­kre­te Such­auf­trä­ge er­teilt.

In die­sem Zu­sam­men­hang sind Fra­gen zu be­ant­wor­ten, ob ein Un­ter­neh­men das On-und/oder das Off­s­hore-Ban­king be­trei­ben und wel­che Li­zen­zen es er­wer­ben soll. Die Gold­grä­ber­stim­mung sei in Bra­si­li­en der­art aus­ge­prägt, sagt Haag­mans, dass man­che In­ter­es­sen­ten aus Preis­grün­den in Me­xi­ko, Ar­gen­ti­ni­en und Chi­le nach Al­ter­na­ti­ven such­ten.

Grün­dungs­fie­ber

In Er­in­ne­rung ist in die­sem Zu­sam­men­hang die UBS. Sie hat­te 2009 Ka­pi­tal­be­darf und muss­te ih­re Be­tei­li­gung an der bra­si­lia­ni­schen Pac­tu­al mit Mil­li­ar­den­ver­lust ver­kau­fen, nur um mit­an­zu­se­hen, wie sich der Wert von Pac­tu­al dar­auf­hin in Kür­ze ver­viel­fach­te. Im ver­gan­ge­nen April er­warb UBS den bra­si­lia­ni­schen Fi­nanz­dienst­leis­ter Link In­ve­sti­men­tos für 120 Mio. Fr., um im Land wie­der stär­ker Fuss zu fas­sen. Auf wei­te­re Bra­si­li­en-Trans­ak­tio­nen von Schwei­zer Fi­nanz­dienst­leis­tern darf man trotz der er­wähn­ten Zu­rück­hal­tung ge­spannt sein.

Haag­mans pro­gnos­ti­zier­te aus­ser­dem, dass die Schwei­zer Fi­nanz­bran­che wei­te­re Neu­grün­dun­gen ver­zeich­nen wer­de: «Der Ap­pe­tit auf Schwei­zer Bank­li­zen­zen ist zu­rück. Wir ver­zeich­nen im­mer wie­der An­fra­gen von po­ten­zi­el­len Bank­grün­dern.» Im Ge­spräch sind/wa­ren be­son­ders chi­ne­si­sche und rus­si­sche In­ter­es­sen­ten. Al­ler­dings sei die Fi­nanz­markt­auf­sicht «sehr kri­tisch» in der Er­tei­lung von Be­wil­li­gun­gen an Ban­ken aus Schwel­len­län­dern. «Der Re­gu­la­tor will nicht vie­le Bric-Ban­ken», be­ton­te Haag­mans.

Kas­sen ge­füllt

Trans­ak­ti­ons­freu­di­ger als die Fi­nanz­bran­che prä­sen­tiert sich die üb­ri­ge Wirt­schaft. Al­ler­dings gab die im Ok­to­ber durch­ge­führ­te Um­fra­ge kei­nen Hin­weis auf ei­nen Boom. Der Auf­schwung im vier­ten Quar­tal im M&A-Markt (vgl. Gra­fik) sei vor al­lem auf die Zu­nah­me klei­ne­rer Deals (un­ter 50 Mio. $) zu­rück­zu­füh­ren, sag­te Jürg Stu­cker, M&A-Ex­per­te von E&Y. Es herr­sche «ver­hal­te­ner Op­ti­mis­mus». Vie­le In­dus­trie­un­ter­neh­men sei­en sehr li­quid, nicht nur Nest­lé nach dem Ver­kauf von Al­con. «Die Kas­sen für Über­nah­men sind ge­füllt», be­ur­teilt Stu­cker. Der Druck auf Kon­zern­chefs und Ver­wal­tungs­rä­te stei­ge, die Li­qui­di­tät zu in­ves­tie­ren.

Hö­he­re Kur­se, mehr Deals

Je hö­her der Ak­ti­en­kurs des ei­ge­nen Un­ter­neh­mens, des­to deal­freu­di­ger ist die Füh­rungs­eta­ge. Im ver­gan­ge­nen Jahr ver­zeich­ne­ten In­dus­trie­gü­ter­un­ter­neh­men die stärks­te Per­for­mance – und am zweit­meis­ten Trans­ak­tio­nen.

In­wie­fern sich die Fran­ken­stär­ke aus­wir­ken wird, ist ge­mäss den Ex­per­ten noch un­klar. Ei­ner­seits wer­den Käu­fe im Aus­land güns­ti­ger, an­der­seits ver­dirbt ein eu­ro­be­ding­ter Margendruck man­chem ex­port­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men die Ex­pan­si­ons­freu­de.

Gold­rausch: Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­ter wol­len un­be­dingt am bra­si­lia­ni­schen Markt teil­ha­ben; sie su­chen Über­nah­me­ob­jek­te.

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