Klum­pen­ri­si­ko wird grös­ser

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - TH

Die Schwei­zer Ver­si­che­rungs­bran­che be­män­gelt das Vor­ge­hen der Fi­nanz­markt­auf­sicht Fin­ma zur Ein­füh­rung des neu­en Schwei­zer Sol­venz­tests (SST). «Ex­zes­si­ve Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen sind schlecht für die Ver­si­cher­ten, die Volks­wirt­schaft und den Fi­nanz­platz», sag­te Bru­no Pfis­ter an der Jah­res­kon­fe­renz des Bran­chen­ver­bands SVV. Der Chef des Le­bens­ver­si­che­rers Swiss Li­fe, der die Kri­tik ex­pli­zit als Ver­bands­mei­nung ver­stan­den wis­sen will, ver­langt ei­ne Ver­fei­ne­rung der Auf­sichts­re­geln ab kom­men­dem Ge­schäfts­jahr.

Das neue Auf­sicht­s­prin­zip, das nicht nur die Ka­pi­tal­an­la­gen, son­dern auch die Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen zu Markt­wer­ten ein­setzt und ab­gleicht, fän­de durch­aus die Un­ter­stüt­zung der Ver­si­che­rer, be­ton­te Ver­bands­prä­si­dent Erich Wal­ser, der zu­dem den Hel­ve­tia-Ver­wal­tungs­rat prä­si­diert. Die von der Auf­sicht vor­ge­schrie­be­ne Wer­ter­mitt­lung der Ver­pflich­tun­gen an­hand der Ren­di­te von Bun­des­an­lei­hen ver­schie­de­ner Lauf­zei­ten sei in­des man­gels ver­läss­li­cher Preis­an­ga­ben im ul­tra­l­an­gen Be­reich nicht taug­lich.

Bes­se­re Lö­sung ge­for­dert

Der SVV pro­pa­giert des­halb ein Ver­wen­den der so­ge­nann­ten Swap-Sät­ze, die auf den weit­aus vo­lu­men­rei­che­ren Zins­tausch­ge­schäf­ten am In­ter­ban­ken­markt be­ru­hen. «Da­mit wür­de ei­ne rea­li­täts­na­he und erst noch eu­ro­pa­taug­li­che Be­wer­tung der Ver­pflich­tun­gen mög­lich», er­gänz­te Pfis­ter. Die Fi­nanz­markt­auf­sicht hat­te ihr Vor­ge­hen am Di­ens­tag dar­ge­legt (vgl. Sei­te 17 der letz­ten FuW-Aus­ga­be).

Das in der EU ge­plan­te Auf­sichts­re­gime Sol­venz II, das auf dem glei­chen An­satz wie der Schwei­zer Sol­venz­test SST be­ruht und ei­ne Wer­ter­mitt­lung an­hand von Swap-Sät­zen vor­sieht, wird in den De­tails al­ler­dings erst noch er­ar­bei­tet und frü­hes­tens ab 2013 ein­ge­führt. Die Fin­ma sol­le des­halb ei­ne zu gros­se Wett­be­werbs­ver­zer­rung mit Rück­sicht auf die Schwei­zer Ver­si­che­rer und ih­re Kun­den ver­mei­den, mahnt der Bran­chen­ver­band.

Zu viel Vor­sor­ge­ge­schäft

Ein Stück weit ha­ben sich die Bran­chen­ver­ant­wort­li­chen selbst in die nun­mehr als ex­po­niert be­ur­teil­te Po­si­ti­on ge­bracht. Be­son­ders von der Re­gu­lie­rungs­ver­schär­fung be­trof­fen ist näm­lich das Vor­sor­geund Le­bens­ver­si­che­rungs­ge­schäft, das 2010 mit ge­schätz­ten 29,8 Mrd. Fr. Prä­mi­en gut 55% des schwei­ze­ri­schen Ver­si­che­rungs­markts von ge­samt­haft 54 Mrd. Fr. aus­macht. Das Pen­si­ons­ge­schäft (BVGKol­lek­tiv­ge­schäft) ist mit rund 20 Mrd. Fr. Jah­res­ein­nah­men ab­so­lut gröss­ter Ge­schäfts­zweig. We­gen der auch 2010 mit 4,5% star­ken Zu­nah­me ist die Spar­te Al­ters­vor­sor­ge zu ei­nem drü­cken­den Klum­pen­ri­si­ko ge­wor­den (vgl. Gra­fik).

Die Le­ben-Seg­men­te sind mit der An­la­ge enor­mer Ver­mö­gens­wer­te ver­bun­den, wes­we­gen sie äus­serst sen­si­bel auf die Wahl der Ab­zin­sungs­fak­to­ren re­agie­ren. Die Dif­fe­renz zwi­schen Bun­des­ob­li­und Swap-Sät­zen las­se auf die ge­sam­te Bran­che be­zo­gen der­zeit 5 bis 10 Mrd. Fr. Mehr-bzw. Min­der­be­darf an ri­si­ko­tra­gen­dem Ka­pi­tal kal­ku­lie­ren, schätzt Pfis­ter. In den Sach-und Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen bie­te das Schwei­zer Re­gu­la­tiv in­des gar vor­teil­haf­te Be­din­gun­gen. Nicht zu­letzt die­sem Um­stand ist wohl zu­zu­schrei­ben, dass sich in den letz­ten Mo­na­ten Ein­hei­ten meh­re­rer aus­län­di­scher Ver­si­che­rer – et­wa Ace, Am­lin und Cat­lin – trotz der Re­gu­lie­rungs­ver­schär­fung neu in der Schweiz an­sie­del­ten.

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