Fahr­rad­bör­se für In­ves­to­ren

Das Elek­tro­rad ver­leiht dem klei­nen An­la­ge­seg­ment Fan­ta­sie – Der­by Cy­cle öff­net sich dem Pu­bli­kum – Ge­sell­schaft­li­che Trends spre­chen für das Ve­lo

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CHRIS­TI­AN BRAUN

Ein Fahr­rad ist nicht nur ein sinn - vol­les Fort­be­we­gungs­mit­tel und ein prak­ti­sches Sport­ge­rät, manch ei­nes ver­mag über sei­nen Nutz­wert hin­aus auch zu fas­zi­nie­ren – mit in­no­va­ti­ver Tech­nik, hoch­wer­ti­gen Kom­po­nen­ten, mit ge­schmei­di­gem Zu­sam­men­spiel von Mensch und Ma­schi­ne oder mit funk­tio­na­lem Mi­ni­ma­lis­mus. Die Bran­che ist viel­fäl­tig: Ihr Spek­trum reicht vom Mas­sen­ware­her­stel­ler und Auf­trags­fer­ti­ger über den Voll­sor­ti­men­ter bis zum Tech­no­lo­gie­pio­nier und schliesst Spe­zia­lis­ten eben­so mit ein wie tren­di­ge Kle­in­st­an­bie­ter.

An der Bör­se mö­gen Fahr­rad­her­stel­ler kein gros­ses The­ma sein; da­zu fehlt es dem stark frag­men­tier­ten In­dus­trie­zweig an Ge­wicht. Ko­tier­te Pro­du­zen­ten gibt es aber durch­aus. Un­ter ih­nen fin­den sich di­ver­se rei­ne An­bie­ter mit teil­wei­se grös­se­ren Mar­ken­port­fo­li­os. Zu die­ser Grup­pe will sich mit ei­nem für den 4. Fe­bru­ar ge­plan­ten Bör­sen­gang auch der deut­sche Bran­chen­ver­tre­ter Der­by Cy­cle ge­sel­len (vgl. Box). Über die rei­nen An­bie­ter hin­aus gibt es auch Her­stel­ler, die zu ko­tier­ten Misch­un­ter­neh­men wie Do­rel ge­hö­ren. Nicht zu ver­ges­sen ist des Wei­te­ren der ja­pa­ni­sche Kom­po­nen­ten­zu­lie­fe­rer Shi­ma­no.

Bes­ser als der Ge­samt­markt

Selbst die gröss­ten der rei­nen Her­stel­ler kom­men am Ak­ti­en­markt kaum über ein Small-Cap-Da­sein hin­aus. Das schliesst aber nicht aus, dass der ei­ne oder an­de­re von ih­nen nicht nur Ve­lo­in­ter­es­sier­te in sei­nen Bann zieht, son­dern auch un­ter In­ves­to­ren In­ter­es­se zu we­cken ver­mag. Di­ver­se Fahr­ra­dak­ti­en ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­mer­kens­wert ent­wi­ckelt (vgl. Charts). Dass die­se im Zei­t­raum ab 2006 den je­wei­li­gen Ge­samt­markt hin­ter sich ge­las­sen ha­ben, liegt nicht zu­letzt am ins­ge­samt gu­ten Ab­schnei­den der Bran­che in der jüngs­ten Re­zes­si­on. Gut in Sze­ne ge­setzt ha­ben sich na­ment­lich die Ak­ti­en des nie­der­län­di­schen Un­ter­neh­mens Ac­cell Group so­wie die Pa­pie­re der zwei tai­wa­ne­si­schen Her­stel­ler Gi­ant und (mit Ein­schrän­kun­gen) Me­ri­da.

Die Ac­cell Group, die 2009 986 000 Fahr­rä­der ab­setz­te, be­zeich­net sich selbst als eu­ro­päi­schen Markt­füh­rer – auch im Ge­schäft mit Tei­len und Zu­be­hör, das cir­ca ein Fünf­tel zum Um­satz bei­trägt. Rund 4% des Um­sat­zes ent­fällt zu­dem auf Fit­ness­ge­rä­te. Die Grup­pe um­fasst drei­zehn na­tio­na­le und in­ter­na­tio­na­le Ve­lo­mar­ken, vier Tei­le-und Zu­be­hör­mar­ken und zwei Fit­ness­ge­rä­te­mar­ken. Sie al­le be­die­nen das mitt­le­re und hö­he­re Markt­seg­ment. Das Ma­nage­ment setzt zum ei­nen auf or­ga­ni­sches Wachs­tum, wo­bei Markt­an­teils­ge­win­ne und Mehr­um­satz aus der Ein­füh­rung in­no­va­ti­ver Pro­duk­te im Vor­der­grund ste­hen. Dar­über hin­aus will die Ge­sell­schaft auch ak­qui­si­to­risch wach­sen.

Das Ge­schäft der Ac­cell Group ist ge­mes­sen am Um­satz zu mehr als 90% auf Eu­ro­pa aus­ge­rich­tet, be­son­ders auf den Heim­markt (41%) und auf Deutsch­land (26%) – bei­des wich­ti­ge Ein­zel­märk­te. Der eu­ro­päi­sche Markt (EU-25) hat den Aus­füh­run­gen an ei­nem In­ves­to­ren­an­lass vom Ok­to­ber zu­fol­ge ei­ne Grös­se von et­wa 19 Mio. Fahr­rä­dern, wo­bei je­des Land ei­ge­ne Markt­cha­rak­te­ris­ti­ka hat. Meist han­delt es sich je­doch um ziem­lich sta­bi­le, rei­fe Märk­te mit ei­nem ste­ten Wachs­tum in den High-End-Seg­men­ten.

Das Pe­del­ec macht Tem­po

Die tai­wa­ne­si­sche Ge­sell­schaft Gi­ant Ma­nu­fac­tu­ring ist geo­gra­fisch brei­ter auf­ge­stellt als Ac­cell. Gut 30% ih­res Um­sat­zes stam­men aus Eu­ro­pa, rund 40% vom ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent und ein Vier­tel aus Asi­en, vor al­lem Tai­wan. In Asi­en, Eu­ro­pa und den USA be­treibt der 1972 als Auf­trags­fer­ti­ger ge­grün­de­te Her­stel­ler fünf Ent­wick­lungs­zen­tren und sechs Pro­duk­ti­ons­stand­or­te. Der Jah­res­ab­satz wird mit rund 6 Mio. Fahr­rä­dern an­ge­ge­ben, wo­bei das gan­ze Pro­dukt-und ein brei­tes Preis­spek­trum ab­ge­deckt wird. Die nach aussen un­ter der Mar­ke Gi­ant auf­tre­ten­de Ge­sell­schaft sieht sich selbst als den welt­weit füh­ren­den Bran­chen­ver­tre­ter.

Wie an­de­re An­bie­ter trägt Gi­ant dem Trend zu Rä­dern mit elek­tri­scher An­triebs-

Fahr­rad ist al­len An­for­de­run­gen ge­wach­sen. hil­fe Rech­nung. Dem Markt für Elek­tro­ve­los wird viel Wachs­tums­po­ten­zi­al ein­ge­räumt, wo­bei sich spe­zi­ell in Eu­ro­pa ei­ni­ges tut, auch an­ge­bots­sei­tig. Da­bei wird zwi­schen dem Pe­del­ec und dem EBi­ke un­ter­schie­den: Das Pe­dal Electric Cy­cle gibt nur dann elek­tri­sche Leis­tung ab, wenn in die Pe­da­le ge­tre­ten wird, das E-Bi­ke da­ge­gen funk­tio­niert auch oh­ne ei­ge­nes Zu­tun. In ei­ner von der «Bör­sen­Zei­tung» zi­tier­ten Stu­die der BHF-Bank – das In­sti­tut be­glei­tet den Bör­sen­gang von Der­by Cy­cle – wird für den eu­ro­päi­schen Elek­tro­fahr­rad­markt bis 2015 ein jähr­li­ches Wachs­tum von 25% er­war­tet.

Mit ei­nem sol­chen Ex­pan­si­ons­tem­po näh­me der An­teil elek­trisch be­trie­be­ner Ve­los in Eu­ro­pa von heu­te 3 auf 10% zu. Der Um­satz­an­teil wür­de we­gen der hö­he­ren Prei­se von Pe­del­ecs und E-Bi­kes auf ge­gen 40% stei­gen. Die hö­he­ren Prei­se ge­hen zu­gleich mit hö­he­ren Mar­gen ein- her, was die Be­deu­tung des Elek­tro­rads für die Her­stel­ler wei­ter ver­grös­sert. Der Bör­sen­aspi­rant Der­by Cy­cle ist im Ge­schäft mit Elek­tro­fahr­rä­dern gut po­si­tio­niert und sieht sich als Markt­füh­rer in Deutsch­land. Eu­ro­pa­weit liegt ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge je­doch die Ac­cell Group vorn.

Wach­sen­der Stel­len­wert

Im Be­reich der Elek­tro­rä­der we­ni­ger gut auf­ge­stellt sind die Mit­tel­deut­schen Fahr­rad­wer­ke Mi­fa. Der laut ei­ge­nen An­ga­ben ge­mes­sen am Ab­satz (2009: 614 000 Ve­los) gröss­te Fahr­rad­her­stel­ler Deutsch­lands war­tet mit ei­nem brei­ten An­ge­bot auf, be­dient aber vor al­lem das un­te­re bis mitt­le­re Preis­seg­ment; Bau-und Dis­count­märk­te sind wich­ti­ge Ab­neh­mer. In die­ser Po­si­tio­nie­rung tut sich die auf Ma­de in Ger­ma­ny (La­ckie­rung und End­mon­ta­ge) set­zen­den Ge­sell­schaft je­doch schwer: Im Jah­res­be­richt 2009 klagt Mi­fa über ei­nen hart ge­führ­ten Wett­be­werb. Die Mar­ge ist nied­rig und das seit 2004 wäh­ren­de Bör­sen­da­sein kei­ne Er­folgs­ge­schich­te.

Doch nicht nur das Elek­tro­fahr­rad lässt auf wei­te­res Bran­chen­wachs­tum hof­fen. Auch an Be­deu­tung ge­win­nen­de The­men wie Um­welt­schutz, Ver­kehrs­über­las­tung in den Städ­ten und Ge­sund­heit spre­chen für das Rad, egal ob mit oder oh­ne elek­tri­sche Hil­fe. Der wach­sen­de Stel­len­wert als Mo­bi­li­täts­mit­tel zeigt sich an di­ver­sen Bei­spie­len: In meh­re­ren EU-Län­dern wird das Fahr­rad ge­för­dert, auch mit fi­nan­zi­el­len Mass­nah­men, und Gross­städ­te wie London und Paris ma­chen sich ve­lo­freund­li­cher. Da­zu kommt – un­ter Ge­sund­heits-und Spas­saspek­ten – die Nut­zung als Sport-und Frei­zeit­ge­rät.

Die­se Art der Nut­zung ist vor al­lem in Nord­ame­ri­ka ein wich­ti­ger Markt­fak­tor – was er­klärt, wes­halb das Elek­tro­rad dort von ge­rin­ge­rer Be­deu­tung ist als in Eu­ro­pa. Gleich­wohl hat es auch der ei­ne oder an­de­re nord­ame­ri­ka­ni­sche An­bie­ter im An­ge­bot. Ein Bei­spiel ist die US-Tra­di­ti­ons­mar­ke Schwinn. Sie ge­hört zu Do­rel In­dus­tries, ei­nem ka­na­di­schen Misch­un­ter­neh­men, das sich im Fahr­rad­ge­schäft als welt­wei­te Kraft eta­blie­ren will.

Auf Trans­pa­renz ach­ten

Das Fahr­rad­port­fo­lio von Do­rel In­dus­tries um­fasst sie­ben Mar­ken, dar­un­ter Can­non­da­le; schon heu­te zählt es zu den gröss­ten der Bran­che. Zu­sam­men mit ve­lo­na­hen Pro­duk­ten und Fit­ness­ar­ti­keln bil­det es die er­folg­rei­che Spar­te Re­crea­tio­nal/Lei­su­re, die rund ein Drit­tel zum Ge­samt­um­satz bei­steu­ert. In den ers­ten neun Mo­na­ten 2010 wa­ren es 569 Mio. $, da­zu kam ein Be­triebs­er­geb­nis von 42 Mio. €. Aus­ser Fahr­rä­dern bie­tet Do­rel über Mar­ken wie Ma­xi-Co­si auch Pro­duk­te aus dem Be­reich Au­to­kin­der­sit­ze und Kin­der­wa­gen an (Um­satz­an­teil: 45%) und hat dar­über hin­aus als drit­tes Stand­bein noch ei­ne Mö­bel­spar­te.

Die B-Ak­ti­en von Do­rel In­dus­tries sind mass­voll be­wer­tet. Weil die Wachs­tums­per­spek­ti­ven des Misch­un­ter­neh­mens in­takt sind, dür­fen sie als aus­sichts­reich gel­ten. Rei­ne Fahr­ra­dak­ti­en sind sie aber nicht. Shi­ma­no ha­ben da ei­nen en­ge­ren Be­zug zur Bran­che, sind aber statt­lich be­wer­tet. Un­ter den rei­nen Fahr­rad­wer­ten kom­men ein­zig Ac­cell Group in Fra­ge. Das Un­ter­neh­men ist gut auf­ge­stellt, des­halb er­folg­ver­spre­chend und trans­pa­rent. Die Ak­ti­en sind zwar nicht güns­tig, al­les in al­lem ist ih­re Be­wer­tung aber an­ge­mes­sen. Ih­nen stellt sich mit Der­by Cy­cle bald ei­ne in­ter­es­san­te Al­ter­na­ti­ve zur Sei­te.

Kei­ne Al­ter­na­ti­ve sind da­ge­gen Mi­fa. Sie eig­nen sich höchs­tens als spe­ku­la­ti­ve Wet­te auf ei­ne si­gni­fi­kant ver­bes­ser­te Er­trags­la­ge. Zu­dem ist die Fi­nanz­be­richt­er­stat­tung der Ge­sell­schaft für An­le­ger un­zu­rei­chend. Ein In­for­ma­ti­ons­de­fi­zit be­steht auch bei den tai­wa­ne­si­schen An­bie­tern: Öf­fent­li­che In­for­ma­tio­nen in eng­li­scher Spra­che sind kaum ver­füg­bar. An­ders als Gi­ant wer­den Me­ri­da von Ana­lys­ten je­doch mehr­heit­lich emp­foh­len.

Als Mit­tel zur Fort­be­we­gung, für die Frei­zeit, als Sport-und Fit­ness­ge­rät und selbst für ar­tis­ti­sche Ein­la­gen: Das

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