Mo­bil­funk be­rei­tet Mi­cro­soft Mü­he

Dank Bu­si­ness-Soft­ware über­trifft der US-Kon­zern die Pro­gno­sen – We­nig Wachs­tums­fan­ta­sie – Va­lo­ren sind trotz­dem kau­fens­wert

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - FRANK HEI­NI­GER

Den Ti­tel «wert­volls­ter Tech­no­lo­gie­kon­zern der Welt» hat Mi­cro­soft be­reits im ver­gan­ge­nen Mai an App­le ab­ge­tre­ten. Auch ope­ra­tiv rückt der iPho­ne-Her­stel­ler dem trä­gen Soft­ware­gi­gan­ten im­mer nä­her: Nur noch mi­nim liegt Mi­cro­soft – ge­mes­sen am Quar­tals­ge­winn – vor­ne (vgl. Gra­fik). Doch nicht nur App­le setzt den von CEO Ste­ve Ball­mer ge­führ­ten Kon­zern ge­hö­rig un­ter Druck. Goog­le plant eben­falls, im­mer wei­ter in das Herr­schafts­ge­biet von Mi­cro­soft vor­zu­drin­gen (vgl. Text­box).

Die Macht­ver­hält­nis­se än­dern sich je­doch nicht über Nacht. So­lan­ge Mi­cro­soft wei­ter­hin Cash­flows in Mil­li­ar­den­hö­he er­zielt, blei­ben die Va­lo­ren auf dem ge­gen­wär­ti­gen Ni­veau ei­ne at­trak­ti­ve In­ves­ti­ti­on – Wachs­tums­fan­ta­sie müs­sen die An­le­ger al­ler­dings an­ders­wo su­chen.

Win­dows ent­täuscht leicht

In den am Don­ners­tag pu­bli­zier­ten Quar­tals­zah­len spie­gel­te sich, was be­reits die Er­geb­nis­se des Chip­gi­gan­ten In­tel an­deu­te­ten: Ei­ner star­ken IT-Nach­fra­ge sei­tens der Un­ter­neh­men steht ein ge­dämpf­tes In­ter­es­se der Kon­su­men­ten ge­gen­über. Dass Mi­cro­soft mit ei­nem Net­to­ge­winn von 6,6 Mrd. $ die Er­war­tun­gen über­traf, war pri­mär den Seg­men­ten Bu­si­ness und Ser­ver & Tools zu ver­dan­ken. So ver­kauf­te sich et­wa das Soft­ware­pa­ket Of­fice blen­dend. Goog­le scheint zwar mit sei­nen preis­güns­ti­ge­ren Ap­pli­ka­tio­nen bei klei­ne­ren Un­ter­neh­men ge­punk­tet zu ha­ben, bei Gross­kon­zer­nen aber noch kaum ei­ne Kon­kur­renz für Mi­cro­soft dar­zu­stel­len.

Win­dows ver­fehl­te hin­ge­gen die Er­war­tun­gen. Der Um­satz von 5 Mrd. $ un­ter­schritt die Kon­sens­pro­gno­se um rund 300 Mio. $. Die Zahl der ver­kauf­ten Li­zen­zen für PC-Her­stel­ler, die die Be­triebs­sys­te­me auf ih­ren Neu­ge­rä­ten in­stal­lie­ren, sank ge­gen­über dem Vor­jahr um 5% – was auch am La­ger­ab­bau im Ab­satz­ka­nal ge­le­gen ha­ben dürf­te. Ne­ben der kurz­fris­ti­gen Schwä­che ist Ball­mer auch lang­fris­tig ge­for­dert. Zwar liegt Mi­cro­soft wei­ter­hin un­an­ge­foch­ten an der Spit­ze. Welt­weit lau­fen über 90% al­ler PC auf Win­dows. Doch Goog­le will dem Kon­kur­ren­ten mit Chro­me OS An­tei­le ab­ja­gen. Erst­mals dürf­ten Mit­te 2011 Note­books mit dem Li­nux-ba­sier­ten Be­triebs­sys­tem auf den Markt kom­men. Chro­me OS weist ge­gen­über Win­dows den Vor­teil auf, dass es den PC-Her­stel­lern kei­ne Kos­ten ver­ur­sacht. Mi­cro­soft ist ge­for­dert: Win­dows trägt 25% zum Um­satz und über 30% zum Kon­zern­ge­winn bei (vgl. Ku­chen­gra­fik).

Kein über­zeu­gen­der Start

We­nig er­freu­lich ist auch, dass es Mi­cro­soft bis­her kaum ge­schafft hat, sich im ra­pi­de wach­sen­den Smart­pho­ne-und Tablet-PC-Markt zu eta­blie­ren. Der Gross­teil der por­ta­blen Ge­rä­te läuft auf Be­triebs­sys­te­men wie dem iOS von App­le oder der An­dro­id-Fa­mi­lie von Goog­le. Das für Han­dys kon­zi­pier­te Win­dows Pho­ne 7 ( WP7) hat bis­lang ent­täuscht – auch wenn Dau­er­op­ti­mist Ball­mer das an­ders be­ur­teilt. Ge­ra­de ein­mal 2 Mio. Mo­bil­te­le­fo­ne wur­den seit Ok­to­ber mit Mi­cro­softs Be­triebs­sys­tem aus­ge­lie­fert. Wie vie­le da­von tat­säch­lich bei End­kun­den lan­de­ten, gab der Kon­zern nicht be­kannt. Der Rück­stand, der ge­gen­über der Kon­kur­renz auf­ge­holt wer­den muss, ist be­trächt­lich: Zur­zeit sind für WP7 6500 An­wen­dun­gen er­hält­lich – für An­dro­id-Han­dys hin­ge­gen 200 000, für das iPho­ne über 300 000.

Auch im Tablet-PC-Markt ist Mi­cro­soft kaum prä­sent. Zwar hat der Kon­zern vor kur­zem er­klärt, ei­ne op­ti­mier­te Win­dows- Ver­si­on zu ent­wi­ckeln, die mit den meis­ten Mo­del­len kom­pa­ti­bel sein wird. Sie dürf­te aber erst 2012 Markt­rei­fe er­lan­gen.

Er­folg ver­zeich­ne­te Mi­cro­soft hin­ge­gen mit Kinect. Vom Steu­er­ge­rät für die haus­ei­ge­ne Kon­so­le Xbox 360, das die Spiel­kon­trol­le über Kör­per­be­we­gun­gen er­laubt, wur­den bis­lang 8 Mio. Stück ab­ge­setzt. Dass der Er­folg der En­ter­tain­ments­par­te da­zu führt, Mi­cro­soft beim jün­ge­ren Pu­bli­kum den «Cool­ness-Fak­tor» zu­rück­zu­ge­ben, wie das Ball­mer ver­sprach, darf an­ge­zwei­felt wer­den. Zu­dem läuft im Vi­deo­spiel­markt nicht al­les rund: Im har­zi­gen Kon­sum­kli­ma ha­ben güns­ti­ge­re Spiel­for­men, et­wa in In­ter­net-Netz­wer­ken, an Be­liebt­heit ge­won­nen.

Mi­cro­soft wer­den von der Bör­se nicht mehr als Wachs­tum­s­ti­tel be­trach­tet. Über das letz­te Jahr­zehnt wie­sen die Va­lo­ren ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) auf, das im Schnitt 15% über dem S&P 500 lag. Mit ei­nem KGV 2011 von 12 wer­den Mi­cro­soft nun mit 15% Ab­schlag zum Ge­samt­markt ge­han­delt. Den ge­schil­der­ten Her­aus­for­de­run­gen zum Trotz scheint die­ser Dis­count nicht ge­recht­fer­tigt – zu­mal das Un­ter­neh­men ei­ne stock­soli­de Bi­lanz be­sitzt und dank ei­ner ri­gi­den Kos­ten­kon­trol­le die Mar­gen aus­wei­ten dürf­te.

Im an­ge­sag­ten Smart­pho­ne­markt hat Mi­cro­soft bis­lang kaum bril­liert, doch CEO Ste­ve Ball­mer zeigt sich wie im­mer zweck­op­ti­mis­tisch.

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