Roh­stoff­hausse setzt ja­pa­ni­schen Stahl­mul­tis zu

Nip­pon Steel und JFE sen­ken Ge­winn­pro­gno­se um ein Fünf­tel – Be­schleu­nig­te Pro­duk­ti­ons­aus­la­ge­rung ins Aus­land – Steu­er­sor­gen

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MAR­TIN FRITZ,

Die ja­pa­ni­schen Stahl­mul­tis Nip­pon Steel und JFE fah­ren wie­der ho­he Ge­win­ne ein. In den drei Quar­ta­len seit April ver­dien­te Nip­pon Steel 104,5 Mrd. Yen (1,2 Mrd. Fr.) nach ei­nem Ver­lust von 45,9 Mrd. Yen in der Vor­jah­res­pe­ri­ode. Kon­kur­rent JFE kam auf 64,5 Mrd. Yen nach ei­nem Ver­lust von 1,4 Mrd. Der Um­satz wuchs auf 3 Bio. Yen (+22%) bzw. 2,4 Bio. Yen (+16%).

To­yo­ta zahlt nur 1% mehr

Im lau­fen­den Quar­tal ha­ben sich Ei­sen­erz und Koks­koh­le al­ler­dings stark ver­teu­ert. Nach den Über­schwem­mun­gen in Aus­tra­li­en müs­sen auch Nip­pon Steel und JFE ih­re Koh­le wo­an­ders teu­rer ein­kau­fen. Ja­pans Stahl­bran­che im­por­tiert 60% der von ihr ver­brauch­ten Koh­le aus Aus­tra­li­en. Dort zeich­net sich ein Preis­an­stieg von bis zu 70% ab. Doch mit dem Au­to­bau­er To­yo­ta konn­te Nip­pon Steel für das lau­fen­de Halb­jahr le­dig­lich ei­ne Preis­er­hö­hung von 1% aus­han­deln.

Nip­pon Steel und JFE senk­ten da­her am Frei­tag ih­re Pro­gno­se für den ope­ra­ti­ven Ge­winn im bis En­de März lau­fen­den Ge­schäfts­jahr um je ein Fünf­tel auf 165 bzw. 180 Mrd. Yen. Trotz der Ge­winn­war­nun­gen ha­ben sich die bei­den Stahl­ko­cher an- ge­sichts der har­ten Kon­kur­renz aus Schwel­len­län­dern wa­cker ge­schla­gen. Die süd­ko­rea­ni­sche Posco-Grup­pe, welt­weit die Num­mer drei, pro­fi­tiert so sehr von der im Ver­gleich zum Yen güns­ti­ge­ren Lan­des­wäh­rung Won, dass Ja­pans Im­por­te von süd­ko­rea­ni­schem Stahl 2010 um über 60% auf 7 Mio. t stie­gen. Ta­ta Steel aus In­di­en ver­fügt über ei­ge­ne Ei­sen­erz-und Koh­leres­sour­cen und ist da­durch von der Preis­ex­plo­si­on we­ni­ger be­trof­fen.

In die­sem Jahr zeich­net sich für Ja­pans Stahl­bran­che kei­ne wei­te­re Er­ho­lung ab. Der na­tio­na­le Stahl­ver­band rech­net mit ei­ner sta­gnie­ren­den Pro­duk­ti­on von 110 Mio. t. Im ver­gan­ge­nen Jahr stieg der Aus­stoss um ein Vier­tel auf 109,6 Mio. t – der ers­te Zu­wachs seit drei Jah­ren. Ja­pan ist der zweit­gröss­te Stahl­pro­du­zent der Welt, wenn auch mit in­zwi­schen wei­tem Ab­stand hin­ter Chi­na.

Vor ei­nem Jahr­zehnt stand Nip­pon Steel mit ei­ner Pro­duk­ti­on von 28,4 Mio. t noch an der Spit­ze der welt­gröss­ten Stahl­her­stel­ler. In­zwi­schen ist der Kon­zern mit er­war­te­ten 34,7 Mio. t (Fis­kal­jahr 2010/11) auf den vier­ten Platz hin­ter Ar­celor Mit­tal, Ba­os­teel (Chi­na) und Posco ab­ge­rutscht. Gleich da­nach folgt JFE mit 31,7 Mio. t.

Nip­pon Steel mit 40% Ex­port­an­teil und JFE mit 47% sind je­doch Nutz­nies­ser des Wirt­schafts­booms in Asi­en. Schon 2010 stieg der ja­pa­ni­sche Stah­l­ex­port in Ton­nen ge­rech­net 29,8%, der Heim­markt wuchs nur 17%. Doch we­gen ih­res teu­ren Stand­orts fällt der ope­ra­ti­ve Ge­winn je Ton­ne bei Nip­pon Steel und bei JFE ver­gleichs­wei­se nied­rig aus. Aus­ser­dem hängt ei­ne Son­der­steu­er auf Koh­len­di­oxid als Da­mokles­schwert über der Bran­che.

Nip­pon Steel und JFE ge­hen ihr Kos­ten­pro­blem mit ei­ner drei­glei­si­gen Stra­te­gie an. Ers­tens wol­len sie sich mehr ei­ge­ne Roh­stoff­quel­len si­chern. Der ja­pa­ni­sche Markt­füh­rer Nip­pon Steel deckt be­reits 35% des Erz­be­darfs und 25% des Koks­be- darfs aus Ab­bau­stät­ten, an de­nen er be­tei­ligt ist. Die An­tei­le sol­len für meh­re­re 100 Mrd. Yen auf 50% aus­ge­baut wer­den. Zwei­tens wol­len die bei­den Kon­zer­ne mehr Stahl aus­ser­halb Ja­pans ko­chen. Nip­pon Steel plant je ei­nen Hoch­ofen in Chi­na, In­di­en und in Thai­land, das sich zu ei­nem neu­en Schwerpunkt der ja­pa­ni­schen Au­to­pro­duk­ti­on ent­wi­ckelt. We­gen der be­grenz­ten Re­ser­ven an Cash­flow und Per­so­nal wür­den sie in­des nach­ein­an­der ge­baut, kün­dig­te Prä­si­dent Sho­ji Mu­neo­ka kürz­lich an. Bis 2015 wird die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät von Nip­pon Steel um 25 bis 50% auf 50 bis 60 Mio. t stei­gen.

Kar­tell­be­hör­de stellt sich quer

Drit­tens wol­len sich Nip­pon Steel und JFE auf hö­her­wer­ti­ge Er­zeug­nis­se wie rost­frei­en Stahl kon­zen­trie­ren. Hier müss­ten die vier gros­sen Her­stel­ler in Ja­pan ei­gent­lich stär­ker ko­ope­rie­ren, um kos­ten­güns­tig ein­zu­kau­fen und zu pro­du­zie­ren. Doch die ja­pa­ni­sche Kar­tell­be­hör­de sperrt sich ge­gen ei­ne Kon­so­li­die­rung der Bran­che.

Nach der Ge­winn­war­nung ver­lo­ren die Ak­ti­en von Nip­pon Steel 2,1% auf 285 Yen und von JFE 3,3% auf 2643 Yen. 2010 hat­ten die Ti­tel rund 15% ab­ge­ge­ben. Neue Im­pul­se sind le­dig­lich von ei­ner Yen-Ab­wer­tung zu er­war­ten.

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