Fitch er­war­tet Staats­plei­ten

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - DM,

Die Ra­ting­agen­tur Fitch sieht ein sub­stan­zi­el­les Ri­si­ko ei­ner oder meh­re­rer Staats­in­sol­ven­zen im Eu­ro­raum in den nächs­ten Jah­ren. Dies be­deu­te je­doch nicht das Zer­bre­chen der Wäh­rungs­uni­on, be­ru­higt Jens Schmidt-Bür­gel, Ge­schäfts­füh­rer von Fitch Deutsch­land. Es hand­le sich um ei­ne sys­te­mi­sche Kri­se, da die Schul­den­pro­ble­ma­tik ein­zel­ner Pe­ri­phe­rie­län­der mit teils un­ter­schied­li­cher Ur­sa­che das Ver­trau­en in die Eu­ro­zo­ne an­ge­knackst und die Re­fi­nan­zie­rung für wei­te­re Staa­ten ver­teu­ert ha­be. Noch feh­le ei­ne dau­er­haf­te, über­zeu­gen­de Lö­sung.

Zum Wen­de­punkt könn­te der EU-Gip­fel En­de März wer­den, auf dem ein ge­plan­ter Eu­ro-Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus so­wie ein Ban­ken­re­struk­tu­rie­rungs­ge­setz kon­kre­ti­siert wer­den sol­len. Zu­min­dest bis dann dürf­te die Vo­la­ti­li­tät auf den Märk­ten hoch blei­ben, mein­te Schmid­tBür­gel auf dem Eu­ro­pean Cre­dit Out­look am Mitt­woch in Frank­furt.

Grie­chen­land in­sol­vent

Da­vid Ri­ley, Glo­bal He­ad So­ver­eign Ra­tings, sagt, Grie­chen­land sei oh­ne Hil­fen des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) und der EU nicht mehr als zah­lungs­fä­hig zu be­wer­ten. Pro­ble­ma­tisch sei ei­ne trotz der Hil­fen dro­hen­de Fi­nan­zie­rungs­lü­cke ab 2012, soll­te der Ka­pi­tal­markt­zu­gang ab­ge­schnit­ten blei­ben. Kei­nen Aus­weg bie­te ein Rück­kauf grie­chi­scher Staats­an­lei­hen am Markt un­ter No­mi­nal­wert.

Dies brin­ge nur vor­über­ge­hend ein bes­se­res Fäl­lig­keits­pro­fil der aus­ste­hen­den Schul­den. Das Pro­blem sei­en viel­mehr die ho­he Schul­den­last und die da­zu not­wen­di­gen enor­men Haus­halts­ein­schnit­te so­wie das Feh­len von Wachs­tums­dy­na­mik. Ab­ge­schwächt gel­te dies auch für an­de­re Eu­ro-Pe­ri­phe­rie­län­der. Für Por­tu­gal geht Fitch von ei­ner Be­wäh­rungs­pro­be im April und Ju­ni aus, wenn ins­ge­samt fast 10 Mrd. € re­fi­nan­ziert wer­den müs­sen. «Die Leu­te in Lis­s­a­bon wer­den auf der Stras­se tan­zen, wenn dies oh­ne Hil­fe von EU und IWF ge­hen soll­te», sag­te der Chef­ana­lyst.

Pfand­brie­fe un­ter Druck

Punk­to Spa­ni­en, des­sen mög­li­che Zuflucht un­ter den Ret­tungs­schirm we­gen der Grös­se der Volks­wirt­schaft als ech­te Her­aus­for­de­rung gilt, äus­sert sich Fitch zu­rück­hal­tend. Fra­ge­zei­chen be­ste­hen punk­to Ka­pi­tal­be­darf im Spar­kas­sen­sek­tor (vgl. Sei­te 29). Die spa­ni­sche Re­gie­rung pro­gnos­ti­ziert ei­nen zu­sätz­li­chen Be­darf von 20 Mrd. €, ei­ni­ge Öko­no­men ge­hen aber von bis zu 100 Mrd. € aus. Dann wä­re, so Fitch, ei­ne In­an­spruch­nah­me des Ret­tungs­schirms nicht aus­zu­schlies­sen. Ri­ley at­tes­tiert der Eu­ro­zo­ne aber, sie ste­he im Ver­gleich zu den USA, dem am Don­ners­tag von S&P ab­ge­stuf­ten Ja­pan und Gross­bri­tan­ni­en bes­ser da.

Dass auch im Eu­ro-Mus­ter­land Deutsch­land nicht al­les zum Bes­ten steht, zeigt ein Blick auf Bun­des­län­der und Ge­mein­den – wo Fitch hofft, neue Ra­ting­auf­trä­ge zu er­gat­tern. Bis 2013 wer­de die Ver­schul­dung der Län­der von ca. 520 auf 600 Mrd. € stei­gen. Die Re­fi­nan­zie­rung ge­sche­he kurz­fris­ti­ger und zu­neh­mend auch via Kas­sen­kre­di­te. Wenn die Zin­sen stei­gen, wird sich hier der Druck auf die Bud­gets er­hö­hen.

Die sich ver­schlech­tern­de Haus­halts­la­ge in vie­len eu­ro­päi­schen Län­dern so­wie künf­ti­ge Ri­si­ken, die aus ei­nem Zins­an­stieg re­sul­tie­ren, trü­ben die Per­spek­ti­ven im Pfand­brief­markt (Co­ve­r­ed Bonds) deut­lich ein. Hier rech­net Fitch mit un­gu­ten Über­ra­schun­gen.

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