So­li­des Schwei­zer Schaf­fen

An­ker, Amiet, Hod­ler & Co. sind gu­te Kunst­ka­pi­tal­an­la­gen – Über­schau­ba­res An­ge­bot mit Small-Cap-Cha­rak­ter

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - CHRIS­TI­AN VON FA­BER- CA­S­TELL

Als vor ei­nem Jahr Al­ber­to Gi­a­co­met­tis le­bens­gros­se Bron­ze­sta­tue «L’Hom­me qui mar­che I.» durch Sothe­by’s in London für 104,3 Mio. $ ver­stei­gert wur­de und da­mit für drei Mo­na­te zum teu­ers­ten Kunst­werk der Auk­ti­ons­ge­schich­te avan­cier­te, brach­te dies be­zeich­nen­der­wei­se nie­mand mit Schwei­zer Kunst in Ver­bin­dung. Ein in­ter­na­tio­na­ler Gross­künst­ler wie Al­ber­to Gi­a­co­met­ti hat in der trau­ten Ni­sche der Schwei­zer Kunst eben ge­nau­so we­nig Platz wie der in Afri­ka und New York ar­bei­ten­de Un­ter­en­ga­di­ner Not Vi­tal, der zu den bes­ten, auf je­den Fall aber in­ter­na­tio­nal best­be­kann­ten Schwei­zer Bild­hau­ern der Ge­gen­wart zählt.

Stär­ke­re Hei­mat­ge­füh­le als Al­ber­tos un­ver­trau­te Men­schen­bild­nis­se we­cken da eher Al­ber­tos Va­ter Gio­van­ni Gi­a­co­met­ti mit sei­nen Land­schaf­ten und sein On­kel Au­gus­to mit sei­nen Farb­kom­po­si­tio­nen. Hier­aus ein künst­le­ri­sches Wert­ur­teil ab­zu­lei­ten, ist al­ler­dings so frag­wür­dig wie Wert­ur­tei­le über Kunst über­haupt. Im­mer­hin steht die Markt­füh­rungs­rie­ge der tra­di­tio­nel­len Schwei­zer Kunst von Al­bert An­ker und Fer­di­nand Hod­ler über Fe­lix Val­lot­ton bis Cu­no Amiet und Me­ret Op­pen­heim ja ih­rer­seits für in­ter­na­tio­nal an­er­kann­te, gross­ar­ti­ge Kunst.

Für den Markt der Kunst al­lein ent­schei­dend ist, dass die Ni­sche der so­ge­nann­ten Schwei­zer Kunst of­fen­kun­dig lu­kra­tiv ist. An­dern­falls wür­de sie von den Kunst­mul­tis Chris­tie’s und Sothe­by’s kaum mit der bis­he­ri­gen Kon­se­quenz ge­pflegt. Zwar ha­ben die gros­sen Schwei­zer Ge­mäl­de­auk­ti­ons­häu­ser, an­ge­führt von der Ga­le­rie Korn­feld und dem Auk­ti­ons­haus Stu­ker in Bern, der Ga­le­rie Fischer in Lu­zern und Kol­ler Auk­tio­nen in Zü­rich, im­mer wie­der be­deu­ten­de Wer­ke von Schwei­zer Künst­lern ver­stei­gert. Es war je­doch die Zürcher Sothe­by’s-Nie­der­las­sung, bald ein­mal ge­folgt von Chris­tie’s, die in den Sieb­zi­ger-und Acht­zi­ger­jah­ren die Kraft des La­bels Swiss Art er­kann­te und in ei­ner Spe­zi­al­auk­ti­ons­rei­he um­setz­te.

Er­staun­li­cher Markt­er­folg

In­zwi­schen ge­hö­ren die Zürcher Spe­zi­al­auk­tio­nen Schwei­zer Kunst so­gar zu den am längs­ten er­folg­reich ab­ge­hal­te­nen Ver­stei­ge­rungs­se­ri­en solch na­tio­na­ler Prä­gung, die ja auch sonst ein er­folg­rei­ches Kunst­ver­mark­tungs­kon­zept bil­den. So ver­an­stal­ten heu­te die bei­den Markt­füh­rer Chris­tie’s und Sothe­by’s spe­zi­el­le Ita­li­an Sa­les, Scot­tish Sa­les, Rus­si­an Sa­les

ver­stei­gert am 6. De­zem­ber 2010 von 1918 (Öl auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 54×73 cm) für 2,43 Mio. (Fo­to: CFC) und ver­wand­te The­men­auk­tio­nen, in de­nen das Auk­ti­ons­gut nach sei­ner na­tio­na­len Her­kunft zu­sam­men­ge­fasst wird. Na­tür­lich han­delt es sich hier um rei­ne Mar­ke­ting­stra­te­gi­en jen­seits al­ler kunst­wis­sen­schaft­li­chen Über­le­gun­gen.

Spä­tes­tens seit Spit­zen­wer­ke der Schwei­zer Kunst sechs-und sie­ben­stel­li­ge Prei­se er­zie­len, mö­gen sich Samm­ler die­ser Rich­tung fra­gen, wor­auf der Markt­er­folg die­ses Small Cap des in­ter­na­tio­na­len Kunst­mark­tes be­ruht. Die Su­che nach ei­ner Ant­wort wird er­leich­tert, wenn man sich ver­ge­gen­wär­tigt, was kaum in den ent­spre­chen­den Spe­zi­al­auk­tio­nen auf­taucht und er­folg­reich ab­ge­setzt wird. In ers­ter Li­nie sind dies näm­lich Ar­bei­ten le­ben­der Schwei­zer Künst­ler.

Zwar be­mü­hen sich so­wohl Chris­tie’s als auch Sothe­by’s re­gel­mäs­sig, ih­ren Zürcher Ver­stei­ge­run­gen durch die Auf­nah­me ei­ni­ger zeit­ge­nös­si­scher Wer­ke ein we­nig Avant­gar­de­fee­ling zu ver­lei­hen. Be­vor die­se Ali­bi­lo­se üb­li­cher­wei­se ge­gen En­de der Ver­stei­ge­rung zum Aus­ruf kom­men, hat sich der Auk­ti­ons­saal aber fast im­mer schon weit­ge­hend ge­leert. Ein An­ker-, Hod­ler-oder Amiet-Lieb­ha­ber mag als Kon- trast­pro­gramm vi­el­leicht noch et­was so­li­de Eta­blier­tes wie ei­ne Skulp­tur von Max Bill oder ei­ne Ma­schi­ne von Je­an Tin­gue­ly kau­fen, nur sel­ten je­doch ei­nen Mar­tin Dis­ler, Da­ni­el Spo­er­ri oder Rolf Ise­li. Die Nach­fra­ge nach zeit­ge­nös­si­scher Schwei­zer Kunst ist hier meis­tens so dünn, dass die­se Spe­zi­al­auk­tio­nen Schwei­zer Kunst so­gar schon wie­der ei­nen Ge­heim­tipp für den preis­güns­ti­gen Er­werb in­ter­es­san­ter Schwei­zer Ge­gen­warts­kunst dar­stel­len.

Si­cher­heit dank SIK

Was die er­folg­rei­chen Auk­ti­ons­an­ge­bo­te an Schwei­zer Kunst als Ge­mein­sam­keit aus­zeich­net, das sind die Ver­ständ­lich­keit, Ein­gän­gig­keit und Ge­fäl­lig­keit der meis­ten Wer­ke, et­was, was nur Kunst­snobs mit Ba­na­li­tät gleich­set­zen. Da­zu kommt, dass das An­ge­bot an markt­gän­gi­ger Schwei­zer Kunst ver­gli­chen mit der ge­han­del­ten Kunst­pro­duk­ti­on an­de­rer Län­der wohl­tu­end über­schau­bar ist. Das ver­mit­telt dem Käu­fer und Samm­ler ein ge­wis­ses Si­cher­heits­ge­fühl, in­dem er weiss, was er hat und wo die­se Wer­ke in­ner­halb des Schwei­ze­ri­schen Kunst­schaf­fens an­zu­sie­deln sind.

Nicht zu un­ter­schät­zen ist schliess­lich das welt­weit ein­zig­ar­tig ho­he Mass an Echt­heits­si­cher­heit, das die Klas­si­ker der Schwei­zer Kunst ih­ren Be­sit­zern bie­ten. Die­se Si­cher­heit ist nicht zu­letzt dem Schwei­ze­ri­schen In­sti­tut für Kunst­wis­sen­schaft SIK und sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Er­fas­sung des Ge­samt­auf­kom­mens an Schwei­zer Kunst zu ver­dan­ken. Um in den Ge­nuss die­ser Echt­heits­si­cher­heit zu kom­men, soll­te man grund­sätz­lich für je­des Werk ei­nes Schwei­zer Künst­lers mög­lichst noch vor dem Kauf ei­nen Ar­chiv­aus­zug aus dem Ar­chiv des SIK an­for­dern.

Ernst­haf­ten Samm­lern schwei­ze­ri­scher Kunst emp­fiehlt sich dar­über hin­aus die Mit­glied­schaft im Ver­ein zur För­de­rung des SIK (www.sik-isea.ch). Zum ei­nen spart dies Kos­ten bei der In­ven­ta­ri­sie­rung grös­se­rer Bil­der­be­stän­de. Zum an­dern ver­ein­facht es den Zu­gang zu den wei­te­ren SIK-Di­enst­leis­tung für Kunst­samm­ler. Sie rei­chen von der Ka­ta­lo­gi­sie­rung, Do­ku­men­ta­ti­on und Schät­zung gan­zer Samm­lun­gen über die wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chung und Re­stau­rie­rung ein­zel­ner Wer­ke bis zur Be­ra­tung beim An-und Ver­kauf von Kunst­wer­ken.

Sothe­by’s-Zü­rich-Di­rek­to­rin Clau­dia St­ein­fels et vio­let»

Fé­lix Val­lot­tons «Cou­cher de So­leil à Gra­ce, Ciel oran­ge

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