Neu­er Zu­gang zu al­ter­na­ti­ven An­la­ge­lö­sun­gen

In­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren fra­gen zu­neh­mend al­ter­na­ti­ve In­vest­ment­lö­sun­gen nach – Pro­duk­te müs­sen spe­zi­el­len Be­dürf­nis­sen Rech­nung tra­gen

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - MICHAEL RIE­DER

Be­reits wäh­rend der Fi­nanz­kri­se ha­ben in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren ho­he Ein­bus­sen er­lit­ten. Doch nicht die Fi­nanz­kri­se, son­dern erst die Kom­bi­na­ti­on mit der ak­tu­el­len Schul­den­kri­se in den In­dus­trie­län­dern hat die pro­fes­sio­nel­len An­le­ger bis ins Mark er­schüt­tert. Da­her sind nun al­ter­na­ti­ve An­la­ge­lö­sun­gen ge­fragt.

Zu­nächst aber ein Blick auf das Gr­und­di­lem­ma: In­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger wie Ver­si­che­run­gen und Pen­si­ons­kas­sen müs­sen in der Re­gel ei­ne fest­ge­schrie­be­ne Min­dest­ren­di­te er­fül­len, um ih­ren Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men. Da für sie der Ka­pi­tal­er­halt obers­te Prio­ri­tät hat, steht ih­nen zur Er­wirt­schaf­tung die­ser Ren­di­te meist nur ein klei­nes Ri­si­ko­bud­get zur Ver­fü­gung, das sie in ri­si­ko­rei­che­re An­la­gen wie Ak­ti­en oder Be­tei­li­gun­gen al­lo­zie­ren.

In die­ser Si­tua­ti­on ste­hen die pro­fes­sio­nel­len In­ves­to­ren mo­men­tan von drei Sei­ten un­ter Druck. Die Zin­sen für Staats­an­lei­hen lie­gen der­zeit weit un­ter dem zu er­wirt­schaf­ten­den Ga­ran­tie­zins. Zu­dem ha­ben Staats­an­lei­hen ih­ren Nim­bus als si­che­rer Ha­fen ver­lo­ren und tau­gen nicht mehr un­ein­ge­schränkt als Lie­fe­rant nied­ri­ger, aber si­che­rer Ren­di­ten. Und nicht zu­letzt sind an den Ak­ti­en­märk­ten die Schwan­kun­gen trotz ak­tu­el­ler Auf­wärts­trends noch im­mer hoch, die An­fäl­lig­keit für Rück­schlä­ge schwingt stets mit.

Be­last­ba­re In­fra­struk­tur fehlt

Das ist be­son­ders pro­ble­ma­tisch, weil Buch­ver­lus­te bei Ak­ti­en min­des­tens jähr­lich bi­lan­ziert wer­den müs­sen. Die Ak­tie als Ga­rant für das Ren­di­tep­lus ge­gen­über dem rei­nen An­lei­hen­in­vest­ment ist al­so eben­falls in Be­dräng­nis.

Fol­ge­rich­tig steigt die Be­reit­schaft, ei­nen grös­se­ren Teil der Gel­der in die so­ge­nann­ten al­ter­na­ti­ven An­la­ge­klas­sen wie Roh­stof­fe oder In­fra­struk­tur zu in­ves­tie­ren. So hat ei­ne kürz­lich ver­öf­fent­li­che mo­nat­li­che Um­fra­ge der Bank of Ame­ri­ca Mer­rill Lynch ge­zeigt, dass im­mer mehr in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren ein Über­ge­wicht in Roh­stof­fen­ga­ge­ments auf­bau­en. Fast ein Fünf­tel al­ler Be­frag­ten gab ein Über­ge­wicht in die­sem Be­reich an, nach­dem es zu­vor nur 4% ge­we­sen wa­ren. Gleich­zei­tig stuf­te je­der Vier­te Gold mitt­ler­wei­le als über­teu­ert ein. Roh­stoff­an­la­gen ge­win­nen al­so an Be­deu­tung, aber es kommt mehr denn je auf ei­nen se­lek­ti­ven An­satz an – und der er­for­dert die rich­ti­gen Kom­pe­ten­zen.

An die­ser Stel­le of­fen­bart sich das nächs­te Pro­blem: Es man­gelt an be­last­ba­ren Zu­gän­gen zu al­ter­na­ti­ven In­vest­ments. Denn ge­ra­de im Be­reich der Al­ter­na­ti­ves sind viel­fach klei­ne, spe­zia­li­sier­te Bou­ti­quen füh­rend, die ih­ren je­wei­li­gen Markt sehr ge­nau und seit vie­len Jah­ren ken­nen. Doch ge­nau die­se Bou­ti­quen ha­ben nicht die Grös­se und die be­last­ba­ren Struk­tu­ren ei­nes eta­blier­ten Kon­zerns im Rü­cken. Des­we­gen fällt es ih­nen schwer, die An­for­de­run­gen der in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren an Trans­pa­renz, Re­porting­stan­dards und Kun­den­be­treu­ung zu er­fül­len.

Bit­te an­do­cken

Für die An­le­ger ist dies nicht sel­ten ein K.-o.-Kri­te­ri­um. Für bei­de Sei­ten kann das nicht zu­frie­den­stel­lend sein. Die In­ves­to­ren er­hal­ten nicht den best­mög­li­chen Zu­gang zum ge­wünsch­ten In­vest­ment, und den per­for­man­ce­star­ken Bou­ti­quen flies­sen kei­ne Gel­der der in­sti­tu­tio­nel­len An­le­ger zu.

Als ge­eig­ne­te Lö­sung für die­se Pro­blem­stel­lung bie­tet sich ei­ne Platt­form an, an der In­ves­to­ren und Bou­ti­quen an­do­cken kön­nen und auf der die Be­dürf­nis­se bei­der Sei­ten mit­ein­an­der in Ein­klang ge­bracht wer­den, oh­ne dass sich ei­ne der bei­den Sei­ten von ih­ren Grund­sät­zen ent­fer­nen muss. Die Al­ti­ra Group hat mit der Al­ti­ra Adi­v­so­ry ei­ne ei­ge­ne Ge­sell­schaft ge­grün­det, die die­sen An­spruch er­fül­len soll. Die Haupt­auf­ga­be der Al­ti­ra Ad­vi­so­ry ist die Be­reit­stel­lung ei­ner ver­läss­li­chen in­sti­tu­tio­nel­len In­fra­struk­tur, auf der al­le Non-In­vest­ment-Be­rei­che wie Funk­tio­nen der Kun­den­be­treu­ung und des Ver­triebs ge­bün­delt wer­den. Auf die­se Wei­se kön­nen Spe­zia­lis­ten für die je­wei­li­gen Be­rei­che auf der Ebe­ne der in­sti­tu­tio­nel­len da­für sor­gen, dass die «Hy­gie­ne­fak­to­ren» für die Zu­sam­men­ar­beit mit in­sti­tu­tio­nel­len An­le­gern pro­fes­sio­nell er­füllt wer­den.

So stel­len bei­spiel­wei­se Re­portin­gEx­per­ten re­gel­mäs­sig al­le not­wen­di­gen Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen zu­sam­men, oder Ver­triebs­pro­fis küm­mern sich um die Ein­wer­bung neu­er Gel­der. Ge­ra­de Letz­te­res kann durch die Be­reit­stel­lung von Seed-Ka­pi­tal mass­geb­lich un­ter­stützt wer­den. Das hat den po­si­ti­ven Ne­ben­ef­fekt, dass die In­ter­es­sen des Ver­mö­gens­ver­wal­ters, der Seed-Ka­pi­tal be­reit­stellt, und der In­ves­to­ren in die glei­che Rich­tung lau­fen. Die Schaf­fung höchs­ter Trans­pa­renz­stan­dards wird selbst­ver­ständ­lich. Wie wich­tig das ist, zei­gen die vie­len Bei­spie­le von Fehl­an­rei­zen und In­ter­es­sen­kon­flik­ten, die im Zu­ge der Fi­nanz­kri­se be­kannt­ge­wor­den sind.

In ei­ner auf sich al­lein ge­stell­ten Bou­tique da­ge­gen wür­den al­le In­fra­struk­tur­auf­ga­ben im In­vest­ment Team an­fal­len, was fast zwangs­läu­fig zu Män­geln in der Wert­schöp­fungs­ket­te führt. Ent­we­der lei­den der Kun­den­ser­vice und die Trans­pa­renz oder die Per­for­mance. Wer­den aber die zen­tra­len Funk­tio­nen auf ei­ner in­sti­tu­tio­nel­len In­fra­struk­tur ge­bün­delt, pro­fi­tie­ren bei­de Sei­ten. Der In­ves­tor er­hält die ge­wünsch­ten Stan­dards in Be­zug auf Trans­pa­renz, Re­porting und Ser­vice, und der In­vest­ment-Ma­na­ger hat Zeit, über­durch­schnitt­li­che Ren­di­ten zu er­wirt­schaf­ten. Das Mo­dell er­weist sich zu­neh­mend auch als at­trak­ti­ve Mög­lich­keit für er­folg­rei­che In­vest­ment­spe­zia­lis­ten, die ab­seits star­rer Kon­zern­struk­tu­ren das Bes­te aus sich und ih­rem In­vest­ment­an­satz her­aus­ho­len möch­ten.

Mit der Schaf­fung des rich­ti­gen Rah­mens ist je­doch erst die not­wen­di­ge Be­din­gung für den Er­folg vor­han­den, nicht aber die hin­rei­chen­de. Ent­schei­den­des Kri­te­ri­um für je­den In­sti­tu­tio­nel­len ist näm­lich die Qua­li­tät der Pro­dukt­lö­sung. Pro­fes­sio­nel­le In­ves­to­ren er­war­ten nicht nur ei­nen er­fah­re­nen Ma­na­ger mit ei­ner be­last­ba­ren und er­prob­ten Stra­te­gie und In­fra­struk­tur. Sie ver­lan­gen auch, dass die­se Stra­te­gie um­ge­setzt wird in ei­nem Pro­dukt­man­tel, des­sen Rechts-und Kos­ten­struk­tu­ren die An­for­de­run­gen der in­sti­tu­tio­nel­len Ka­pi­tal­an­la­ge re­flek­tie­ren.

«Mit» statt «für»

Das reicht von Aspek­ten wie dem Ka­pi­tala­b­ruf bei ge­schlos­se­nen Be­tei­li­gun­gen über die Hö­he und die Fäl­lig­keit von Ma­nage­ment und Per­for­mance Fees bis hin zu pro­gnos­ti­zier­ten Ren­di­te-und Aus­schüt­tungs­pro­fi­len. An­ge­sichts ei­ner sol­chen Fül­le an Pa­ra­me­tern ist es von gros­ser Be­deu­tung, Pro­duk­te im kon­ti­nu­ier­li­chen Dia­log mit den In­ves­to­ren auf de­ren Nach­fra­ge zu­zu­schnei­den. Statt Pro­duk­te «für» In­ves­to­ren zu ent­wi­ckeln, wer­den As­set-Ma­na­ger künf­tig ver­mehrt Lö­sun­gen «mit» ih­ren Kun­den auf­set­zen.

Der Weg zu mehr Kri­sen­fes­tig­keit führt für die in­sti­tu­tio­nel­len An­le­ger nur über ein stär­ke­res En­ga­ge­ment in al­ter­na­ti­ven In­vest­ments. Die In­ves­to­ren er­ken­nen dies zu­neh­mend, doch sie kön­nen den Weg nicht al­lein ge­hen. Hier ist Raum für ei­ne neue Form der In­ter­me­dia­ti­on: Die Platt­form, die die Be­dürf­nis­se der pro­fes­sio­nel­len An­le­ger und das In­vest­ment­K­now-how der er­folg­reichs­ten Fonds­ma­na­ger zu­sam­men­bringt, könn­te sich als Er­folgs­mo­dell im in­sti­tu­tio­nel­len As­set Ma­nage­ment durch­set­zen. Michael Rie­der ist CEO der deut­schen Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft Al­ti­ra Group in Frank­furt.

Das An­do­cken an ei­ne In­ves­ti­ti­ons­platt­form kann freie Fahrt für die Per­for­mance be­deu­ten.

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