Un­kraut ver­dirbt nicht

EDEL­ME­TAL­LE Sti­mu­lie­ren­de Wirt­schafts­po­li­tik för­dert die be­ste­hen­den Struk­tur­schwä­chen

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CHRIS­TOPH BUCH­MANN,

Die höchs­ten No­tie­run­gen er­reich­ten die Edel­me­tal­le zu Be­ginn der Be­richts­wo­che. An­schlies­send brö­ckel­ten die Kur­se – un­ter­bro­chen durch kur­ze Luft­sprün­ge – gra­du­ell ab. Die Be­we­gung war ein­ge­bet­tet in sta­bi­le Zin­sen am lan­gen En­de und leicht hö­he­re Ak­ti­en­kur­se. Gold bleibt zwar fun­da­men­tal in­ter­es­sant, die An­la­gen in Ak­ti­en und Ob­li­ga­tio­nen mu­ten je­doch at­trak­ti­ver an und ver­lei­ten zu Um­schich­tun­gen. Pünkt­lich zum Jah­res­be­ginn schei­nen die un­ge­lös­ten struk­tu­rel­len öko­no­mi­schen Pro­ble­me ver­ges­sen zu sein. Wirkt sich das un­ge­heu­re Aus­mass an mo­ne­tä­rer und fis­ka­li­scher Sti­mu­lans end­lich po­si­tiv aus?

Die Gärt­ner un­ter uns er­in­nert dies an die Be­sei­ti­gung von Un­kraut (struk­tu­rel­le Pro­ble­me). Die schweiss­trei­ben­de Ar­beit kann von Hand er­fol­gen (Spa­ren). Ei­ne viel an­ge­neh­me­re und schnel­le­re Me­tho­de be­steht je­doch im Zu­de­cken des Un­krauts mit Holz­schnit­zeln ( Ver­ga­be neu­er Kre­di­te). Kurz­fris­tig sieht al­les hübsch aus. Lang­fris­tig ver­fau­len die Holz­schnit­zel zu Hu­mus (In­fla­ti­on). Hu­mus ist die bes­te Pflan­zen­nah­rung, auch für Un­kraut. Das wird sich dank der Hu­mus­be­hand­lung vi­el­leicht schon die­sen Som­mer er­neut ma­ni­fes­tie­ren. Die klet­tern­den

Die wich­tigs­ten Fu­tures auf Roh­stof­fe und Edel­me­tal­le Kon­su­men­ten­prei­se re­sul­tie­ren nicht aus stei­gen­den Löh­nen, die zu ei­ner über­bor­den­den Nach­fra­ge füh­ren, wie da­mals in den Sieb­zi­ger­jah­ren. Die Be­grün­dung liegt in der im­por­tier­ten In­fla­ti­on, al­so schwa­chen Wäh­run­gen und stei­gen­den In­put­prei­sen.

Die Po­li­ti­ker und Zen­tral­ban­kiers ken­nen die Zu­sam­men­hän­ge. Ih­re Hän­de sind aber ge­bun­den. Als Bei­spiel mag die Wirt­schafts­po­li­tik von Gross­bri­tan­ni­en die­nen. Die In­fla­ti­on be­trägt 3,7%, die kurz­fris­ti­gen Zin­sen 0,7% und die Ar­beits­lo­sen­quo­te 8 bis 20%, je nach Mess­me­tho­de. Aus Sicht der In­fla­ti­ons­be­kämp­fung müss­te die Zen­tral­bank die Zin­sen er­hö­hen. Aus kon­junk­tu­rel­ler Sicht ent­fällt die­se Op­ti­on. Die In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer wer­den stär­ker ge­wich­tet als je­ne der Spa­rer. Ent­spre­chend flüch­ten sie in Re­al­an­la­gen, wie z. B. Edel­me­tal­le.

Auch Chi­na, In­di­en und Bra­si­li­en wei­sen be­reits mar­kant stei­gen­de In­fla­ti­ons­ra­ten auf. Es ist kein Zu­fall, dass 2010 die gröss­ten Gold-und Sil­ber­käu­fe aus Chi­na und In­di­en stamm­ten. Aus den bis­her er­sicht­li­chen Im­port­sta­tis­ti­ken geht her­vor, dass Chi­na 2010 rund 250 Ton­nen Gold im­por­tier­te, 2009 wa­ren es 45 Ton­nen. Die jähr­li­che Schürf­men­ge be­trägt seit zehn Jah­ren gut 2500 Ton­nen.

Der Ein­fluss der phy­si­schen Lang­frist­in­ves­to­ren ist auch in der ge­gen­wär­ti­gen Kon­so­li­die­rung zu be­ob­ach­ten. Die Fi­nanz­in­ves­to­ren tren­nen sich von ih­rem Gold. Die Zu­käu­fer sind In­di­en, Chi­na und Russ­land. Bis­her hat­ten die­se Län­der ei­nen sehr lan­gen Atem in ih­ren Gold­und Sil­ber­dis­po­si­tio­nen. Ih­re Käu­fe mo­de­rie­ren heu­te die Kon­so­li­die­rung und füh­ren mor­gen da­zu, dass beim nächs­ten Kurs­an­stieg Gold noch knap­per sein wird als in den bis­he­ri­gen Preis­haus­sen.

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