Le­clan­ché steht un­ter Hoch­span­nung

SCHWEIZ Bat­te­rie­spe­zia­list be­ginnt bald mit in­dus­tri­el­ler Fer­ti­gung – CEO: «Wir sind auf Kurs» – Chan­cen im Markt für Spei­cher­lö­sun­gen – Tech­no­lo­gie als Trumpf

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Der Waadt­län­der Spe­zia­list für li­thi­um­ba­sier­te Bat­te­ri­en und elek­tri­sche Spei­cher­lö­sun­gen für er­neu­er­ba­re Ener­gi­en, Le­clan­ché, setzt zu ei­nem Sprung nach vorn an: Mitte 2012 soll die in­dus­tri­el­le Fer­ti­gung gross­for­ma­ti­ger Li­thi­um-ti­t­a­na­tZel­len in Will­stätt (D) be­gin­nen. Da­mit ein­her geht ei­ne Ver­dop­pe­lung der pro­du­zier­ba­ren Zell­grös­se auf un­ge­fähr For­mat A4. Durch die neue, hoch au­to­ma­ti­sier­te Mas­sen­pro­duk­ti­ons­an­la­ge wird die in­stal­lier­te Jah­res­ka­pa­zi­tät 1 Mio. Zel­len oder 76 MWH er­rei­chen. Die An­la­ge selbst ist hoch­fle­xi­bel und er­laubt es, die Ent­wick­lung der in den Zel­len ver­wen­de­ten Ak­tiv­ma­te­ria­li­en mit­zu­ma­chen.

Mit sei­nen gross­for­ma­ti­gen Zel­len will das 1909 ge­grün­de­te Un­ter­neh­men vor al­lem den Markt für in­dus­tri­el­le Netz- und Gross­spei­cher er­obern, die we­gen ih­res Be­darfs an ho­her Spei­cher­ka­pa­zi­tät nach gross­for­ma­ti­gen Zell­ty­pen ver­lan­gen. Le­clan­ché spricht da­bei von «con­tai­ner­gros­sen Mo­du­len». Da­ne­ben will das Un­ter­neh­men den Heim­an­wen­der­markt so­wie den Markt für Fahr­zeu­ge auf und ab­seits der Stras­se be­die­nen.

«Wett­be­werbs­vor­sprung»

Dem Markt für Spei­cher­lö­sun­gen – An­wen­dun­gen zur Netz­sta­bi­li­sie­rung im Zu­sam­men­hang mit er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en so­wie für in­dus­tri­el­le Ein­sät­ze fern vom Netz – räumt Bos­ton Con­sul­ting bis 2020 ein Po­ten­zi­al von 10 Mrd. € ein. In die­sem Markt sieht Le­clan­ché gros­se Chan­cen, zum ei­nen, weil er we­ni­ger um­kämpft ist als der Li­thi­um-io­nen-bat­te­ri­en­markt für Fahr­zeu­ge, in dem sich gros­se An­bie­ter und nam­haf­te Jo­int Ven­tures tum­meln, vor al­lem aber, weil das Un­ter­neh­men über ei­ne Tech­no­lo­gie ver­fügt, die ihm ge­mäss ei­ge­ner Ein­schät­zung ei­nen ent­schei­den­den Wett­be­werbs­vor­sprung gibt.

Die Tech­no­lo­gie – ein pa­ten­tier­ter ke­ra­mi­scher Bat­te­rie­se­pa­ra­tor – kam 2006 mit ei­nem Spin-off der Fraun­ho­fer-ge­sell­schaft zu Le­clan­ché; sie soll ei­ne ein­zig­ar­ti­ge ther­mi­sche Sta­bi­li­tät und ei­ne be­son­ders ho­he Si­cher­heit bie­ten, da­zu kos­ten­ef­fi­zi­ent sein und den Zel­len Lang­le­big­keit ver­lei­hen. Mit ihr soll Le­clan­ché auch den Au­to­mo­tive­be­reich be­die­nen kön­nen, ob­schon die­ser Zel­len mit an­de­ren Ei­gen­schaf­ten be­nö­tigt. Le­clan­ché N LE­CLAN­CHE ©N©

Zu den wich­ti­gen Kon­kur­ren­ten in Eu­ro­pa ge­hö­ren die ko­tier­te Saft Grou­pe (F) und Eu­ro­pean Bat­te­ries in Finn­land. Bei­de sind grös­ser als ihr Wett­be­wer­ber aus Yver­don-les-bains: Saft setz­te 2010 mit ei­nem brei­ten Bat­te­ri­en­an­ge­bot 591 Mio. € um, und Eu­ro­pean Bat­te­ries will 2012 ei­ne Ka­pa­zi­tät für gross­for­ma­ti­ge Zel­len von 300 MWH er­rei­chen. Grös­se sei ei­ne Sa­che, meint Ul­rich Eh­mes da­zu; die an­de­re und wich­ti­ge­re sei aber, das rich­ti­ge Pro­dukt für den rich­ti­gen Markt zu ha­ben.

Stra­te­gisch und in der zeit­li­chen Pla­nung lie­ge Le­clan­ché auf Kurs, er­klärt der CEO ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft». Eh­mes be­fand sich zu Wo­chen­be­ginn auf Road­show, um für die lau­fen­de Ka­pi­tal­er­hö­hung zu wer­ben. Der von der Bank am Bel­le­vue be­glei­te­ten Trans­ak­ti­on kommt ei­ne wich­ti­ge Rol­le zu (vgl. Box und FUW vom 25. Ja­nu­ar): Der an­ge­streb­te Er­lös von min­des­tens 21 Mio. Fr. dient der Fi­nan­zie­rung der Li­qui­di­täts­be­dürf­nis­se, na­ment­lich der Er­hö­hung des Net­to­um­lauf­ver­mö­gens im Zu­ge der Er­wei­te­rung der Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät; ein Teil da­von wird zu­dem ver­wen­det, um die letz­ten Teil­be­trä­ge für die Pro­duk­ti­ons­an­la­ge und de­ren An­pas­sung an die Fer­ti­gung des gros­sen Zel­len­for­mats zu fi­nan­zie­ren.

Mit Auf­nah­me der vol­len Be­triebs­tä­tig­keit der neue Mas­sen­pro­duk­ti­ons­an­la­ge neigt sich für Le­clan­ché ei­ne lan­ge Auf­bau­etap­pe ih­rem En­de zu. Die Neu­aus­rich­tung von ei­nem tra­di­tio­nel­len Bat­te­ri­en­her­stel­ler zu ei­nem An­bie­ter li­thi­um­ba­sier­ter Zel­len hat gros­se Geld­sum­men ver­schlun­gen. Die Er­folgs­rech­nun­gen der letz­ten Jah­re zei­gen ge­mes­sen am Um­satz ei­nen je­weils ho­hen Ver­lust; 2011 wird das nicht an­ders sein. Ent­spre­chend gross ist der Ka­pi­tal­be­darf ge­we­sen; meh­re­re Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen zeu­gen da­von.

Durch die Ka­pi­tal­er­hö­hung wird sich auch im Ak­tio­na­ri­at von Le­clan­ché ei­ni­ges ve­rän­dern: Die seit län­ge­rem en­ga­gier­ten Wag­nis­ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten The Ener­gy Hol­ding und Ger­ma­nin­cu­ba­tor Ers­te Be­tei­li­gungs Gm­bh wol­len sich schritt­wei­se zu­rück­zie­hen und ver­zich­ten des­halb er­neut dar­auf, ih­re Be­zugs­rech­te – 38,1% des To­tals – aus­zu­üben. Sie wer­den statt­des­sen von Star­let In­vest­ments, Nidau, über­nom­men, wo­mit das In­vest­ment­ve­hi­kel der Fa­mi­lie Max Mül­ler auf ei­nen An­teil von knapp 41% kommt.

Wei­ter­hin Ven­ture-cha­rak­ter

Der per En­de Sep­tem­ber 2011 ge­mel­de­te Auf­trags­be­stand von 29,8 Mio. € – das ent­spricht ei­ner Ver­vier­fa­chung im Ver­gleich zum sel­ben Zeit­punkt vor ei­nem Jahr – deu­tet an, dass zu­min­dest im Um­satz ab dem zwei­ten Halb­jahr 2012 ei­ne deut­lich stei­gen­de Ten­denz zu er­war­ten ist (auch wenn Tei­le des Auf­trags­a­be­stand erst 2015 aus­ge­lie­fert und zu Um­satz wer­den). Zur Er­geb­nis­ent­wick­lung und zum Geld­mit- tel­ver­brauch (Cash­burn Ra­te) will Le­clan­ché-chef Ul­rich Eh­mes heu­te al­ler­dings noch kei­ne An­halts­punk­te ge­ben.

Auch wenn die Ven­ture-ca­pi­tal-ge­sell­schaf­ten The Ener­gy Hol­ding und Ger­ma­nIn­cu­ba­tor Ers­te Be­tei­li­gungs Gm­bh ih­re je­wei­li­ge Be­tei­li­gung ab­bau­en und Le­clan­ché in die Pha­se der in­dus­tri­el­len Mas­sen­fer­ti­gung ein­tritt: Das Un­ter­neh­men hat nach wie vor Ven­ture-cha­rak­ter. Be­zo­gen auf sei­nen Neu­an­fang be­fin­det es sich noch in ei­ner frü­hen Pha­se der Ent­wick­lung; da­zu kommt, dass Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en ein grund­sätz­lich ris­kan­tes Ge­schäft sind – ein ein­ge­schla­ge­ner Weg kann sich plötz­lich als falsch er­wei­sen.

Für den durch­schnitt­li­chen Pri­vat­an­le­ger sind die Na­men­ak­ti­en von Le­clan­ché des­we­gen nur be­dingt ge­eig­net; für Fonds im Cle­an­tech-sek­tor so­wie für an­de­re pro­fes­sio­nel­le An­le­ger sind sie als Bei­mi­schung aber si­cher in­ter­es­sant.

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