Car­re­four ge­lingt mit En­ga­ge­ment von CEO Plas­sat Be­frei­ungs­schlag

FRANK­REICH Der Wunsch­kan­di­dat wird Chef der Su­per­markt­ket­te – Heim­markt steht im Mit­tel­punkt – Schwe­re Auf­ga­be für den Re­struk­tu­rie­rer– Ak­ti­en sind kein Kauf

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - JAN SCHWAL­BE

Er war der Wunsch­kan­di­dat. Ge­or­ges Plas­sat löst im Ju­ni den ehe­ma­li­gen Nest­léMann Lars Olofs­son als Chef von Car­re­four ab. Schon An­fang April wird Plas­sat das ope­ra­ti­ve Ge­schäft der fran­zö­si­schen Su­per­markt­ket­te füh­ren. Lan­ge hat­te er sich ge­ziert, den Job zu über­neh­men. Als es En­de No­vem­ber, nach der fünf­ten Ge­winn­war­nung in­ner­halb ei­nes Jah­res, klar wur­de, dass sich Olofs­son nicht hal­ten wird, soll er noch ab­ge­winkt ha­ben (vgl. FUW Nr. 95). Doch über die Fei­er­ta­ge hat er sei­ne Meinung of­fen­sicht­lich ge­än­dert.

Ge­or­ge Plas­sat ist der rich­ti­ge Mann für den Job, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Car­re­four zu ver­bes­sern. Er gilt als har­ter Re­struk­tu­rie­rer, was ihm den Spitz­na­men «Ge­or­ges le Net­toy­eur» ein­ge­bracht hat. Nach vier­zehn Jah­ren im Di­ens­te des Car­re­four-ri­va­len Ca­si­no (zu­letzt CEO Frank­reich) und zwei Jah­ren für Car­re­four Spa­ni­en, lie­fer­te er sein Meis­ter­stück 2004 für den Ein­zel­händ­ler Vi­var­te, zu dem die Schuh­mar­ke An­dré und die Mo­de­ket­te Koo­kai ge­hö­ren, ab. In nur zwei Jah­ren schaff­te er den Tur­naround. Die Er­fah­rung im Non-food-be­reich kommt Car­re­four ge­le­gen. In die­sem Seg­ment ver­liert die nach Wal-mart zweit­gröss­te Su­per­markt­ket­te im­mer mehr an Bo­den.

Druck von Ar­nault & Co.

Im Heim­markt, der noch im­mer fast die Hälf­te des Um­sat­zes aus­macht, ver­liert Car­re­four seit Jah­ren Markt­an­tei­le. Das hat sich auch un­ter Olofs­son, der 2009 die Füh­rung über­nom­men hat­te, nicht ge­än­dert. Vor al­lem die rie­si­gen Hy­per­m­ar­chés ent­wi­ckel­ten sich schlecht. Car­re­four ist zu­dem schwer­fäl­lig, was das Sor­ti­ment be­trifft. Wäh­rend die Kon­kur­renz wie Ca­si­no, Le­clerc , Sys­té­me U und In­ter­m­ar­ché auf re­gio­na­le Spe­zia­li­tä­ten ach­tet, wird das bei Car­re­four mit sei­nem zen­tra­li­sier­ten Ein­kauf oft ver­nach­läs­sigt. Zu­dem schnei­det die Ket­te in Preis­ver­glei­chen mit der Kon­kur­renz oft schlecht ab.

Plas­sat wird un­ter stren­ger Be­ob­ach­tung der Gross­ak­tio­nä­re Co­l­o­ny Ca­pi­tal und Grou­pe Ar­nault (der In­vest­ment-arm der Fa­mi­lie des LVMH-CHEFS) ste­hen. Die bei­den hal­ten ins­ge­samt 20% der Stimm­rech­te und wa­ren für den Ab­gang von Oloff­son mit­ver­ant­wort­lich. Um das Ru­der her­um­zu­reis­sen, sind ein­schnei­den­de Mass­nah­men nö­tig. Nur so kann Plas­sat ver­hin­dern, dass die Ak­ti­en, die seit 2007 65% ver­lo­ren ha­ben, wei­ter tau­chen.

Tes­co und Wal-mart bes­ser

Die Auf­ga­be ist schwie­rig. Frank­reich und Spa­ni­en, die Top­märk­te von Car­re­four, sta­gnie­ren. Das Hy­per­ma­ché-mo­dell muss über­ar­bei­tet wer­den. Im in­ter­na­tio­na­len Ge­schäft sind die Fran­zo­sen ge­gen­über Wal-mart und Tes­co ins Hin­ter­tref­fen ge­ra­ten. Aus ei­ni­gen Märk­ten hat sich Car­re­four gar ver­ab­schie­det.

Trotz der im Ver­gleich zur Kon­kur­renz stär­ke­ren Kurs­ver­lus­te sind die Ak­ti­en von Car­re­four nicht güns­tig. Das Kurs-ge­win­nVer­hält­nis auf Ge­winn­ba­sis 2012 be­trägt 12. Tes­co sind mit 9 deut­lich tie­fer be­wer­tet, Wal-mart Sto­res mit 13 nur leicht hö­her. Wer auf In­no­va­tio­nen setzt, soll­te Tes­co den Vor­zug ge­ben, wer von der Er­ho­lung der Us-wirt­schaft über­zeugt ist, Wal-mart. Car­re­four ist mit der Er­nen­nung von Plas­sat zwar ein Be­frei­ungs­schlag ge­glückt. Der Druck auf den Ak­ti­en wird den­noch gross blei­ben.

Car­re­four

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