Otc-de­ri­va­te: Ei­ne Er­folgs­ge­schich­te

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Der pri­vat zwi­schen zwei Ge­gen­par­tei­en ab­ge­wi­ckel­te Han­del mit Zins- und an­de­ren De­ri­va­ten ist schwie­rig zu fas­sen. Den­noch er­fül­len sol­che Kon­trak­te ei­ne wich­ti­ge öko­no­mi­sche Funk­ti­on. Sie er­lau­ben es, Markt­teil­neh­mern un­er­wünsch­te Ri­si­ken wei­ter­zu­ge­ben.

So kön­nen bei­spiels­wei­se Ge­sell­schaf­ten ih­re Zins- oder Wäh­rungs­ri­si­ken mit dem ent­spre­chen­den De­ri­vat – meist Swaps – ab­si­chern. De­ri­va­te kön­nen heu­te fast al­le er­denk­li­chen Ri­si­ken mass­ge­schnei­dert ab­si­chern. Die­se gros­se Fle­xi­bi­li­tät er­klärt den Sie­ges­zug der In­stru­men­te. Der durch­schla­gen­de Er­folg wird durch das Wachs­tum des so ge­nann­ten Over-the-coun­te­ro­der kurz Otc-ge­schäfts im letz­ten Jahr­zehnt ver­deut­licht (vgl. Gra­fi­ken oben).

Ge­mäss der ak­tu­ells­ten Sta­tis­tik (per En­de Ju­ni 2011) der Bank für in­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich sum­mier­te sich der No­mi­nal­wert al­ler aus­ste­hen­den OTC-KON­trak­te auf 707 569 Mrd. $ (vgl. Gra­fik). Das ent­spricht in et­wa dem 1280-Fa­chen des Schwei­ze­ri­schen Brut­to­in­land­pro­dukts. Der Markt­wert die­ser Ver­trä­ge be­lief sich auf 19 518 Mrd. $. Auch die Fi­nanz­kri­se ver­moch­te das Ge­schäft nur vor­über­ge­hend zu dämp­fen.

Die­se Zah­len sind In­di­ka­tor da­für, wie wich­tig das Ge­schäft auch für die Ban­ken ist. Sie fun­gie­ren am Markt als Ge­gen­par­tei für Kun­den, die Ri­si­ken ab­si­chern wol­len.

Kon­kre­te Zah­len über die Be­deu­tung des Otc-markts gibt es aber we­ni­ge, da die Ban­ken das Ge­schäft nicht ge­son­dert aus­wei­sen und sich nicht in die Kar­ten bli­cken las­sen. Der für den re­nom­mier­ten Think Tank Coun­cil on For­eign Re­la­ti­ons (Da­vid Ro­cke­fel­ler Stu­dies Pro­gramm) tä­ti­ge Öko­nom Benn Steil be­zif­fer­te den jähr­li­chen Er­trag vor ei­nem Se­nats­aus­schuss im Früh­jahr 2011 aber auf bis zu 55 Mrd. $. Ei­ni­ge der gros­sen Play­er in die­sem Ge­schäft er­ziel­ten bis zu 16% ih­res Er­trags mit dem Han­del von Otc-pro­duk­ten, schätzt Steil.

Do­mi­niert wird der Markt von den welt­weit zehn bis fünf­zehn gröss­ten In­vest­ment Ban­ken. Dar­un­ter auch die UBS und die Cre­dit Suis­se. Die­se Kon­zen­tra­ti­on auf we­ni­ge Markt­teil­neh­mer macht das Sys­tem an­fäl­lig. Ri­si­ken er­ge­ben sich vor al­lem durch die ho­he In­ter­de­pen­denz der gros­sen Otc-häu­ser. Rund 40% der aus­ste­hen­den Otc-kon­trak­te wer­den zwi­schen den gros­sen In­vest­ment­ban­ken ge­han­delt. Die­se Ri­si­ko­kon­zen­tra­ti­on soll nun durch die Re­gu­lie­rung auf­ge­bro­chen wer­den.

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