«Kun­den­da­ten blei­ben ge­schützt»

HONG­KONG Do­nald Tsang, Re­gie­rungs­chef Hong­kongs, über den Wett­be­werb zwi­schen den in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­zen­tren

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - ERNST HERB,

Hong­kongs welt­of­fe­ne Volks­wirt­schaft spiel­te in den ver­gan­ge­nen drei Jahr­zehn­ten ei­ne mass­geb­li­che Rol­le in der Öff­nung der chi­ne­si­schen Wirt­schaft. En­de 2010 be­lie­fen sich die In­ves­ti­tio­nen Hong­kongs in Fest­land­chi­na auf 456 Mrd. $. Die ehe­ma­li­ge bri­ti­sche Ko­lo­nie, die seit 1997 nach der Rück­ga­be an Chi­na für wei­te­re fünf Jahr­zehn­te den Sta­tus ei­ner wirt­schaft­lich au­to­no­men Son­der­ver­wal­tungs­re­gi­on be­sitzt und mit dem Hk-dol­lar über ei­ne ei­ge­ne Wäh­rung ver­fügt, ist durch die schritt­wei­se In­ter­na­tio­na­li­sie­rung des Yu­ans auch das Tor Chi­nas zu den glo­ba­len Fi­nanz­märk­ten ge­wor­den. 2011 wur­den 92% al­ler in Yuan no­tier­ten chi­ne­si­schen Wa­ren­ge­schäf­te mit dem Aus­land in Hong­kong ab­ge­wi­ckelt. Da­mit konn­te das Ter­ri­to­ri­um, in dem al­le eu­ro­päi­schen und ame­ri­ka­ni­schen Gross­ban­ken ih­ren asia­tisch-pa­zi­fi­schen Haupt­sitz ha­ben, sei­ne Stel­lung als wich­tigs­ter in­ter­na­tio­na­ler Fi­nanz­platz der Re­gi­on aus­bau­en.

Für Hong­kongs Re­gie­rungs­chef Do­nald Tsang ist es klar, dass trotz dem Er­reich­ten gros­se Her­aus­for­de­run­gen be­vor­ste­hen. Chi­na ist heu­te weit we­ni­ger von Hong­kong ab­hän­gig als noch vor we­ni­gen Jah­ren. Das zeigt sich et­wa dar­an, dass Hong­kong und Sin­ga­pur 2010 den Platz als welt­weit gröss­te Con­tai­ner­ha­fen an Schang­hai ab­tre­ten muss­ten. «Die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der zu über 90% vom Di­enst­leis­tungs­sek­tor ab­hän­gi­gen Volks­wirt­schaft kann nur dann er­hal­ten wer­den, wenn sie wei­ter die Wert­schöp­fungs­ket­te hin­auf­steigt», meint Tsang im In­ter­view mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Da­für ist das stark von ex­ter­nen Fak­to­ren ab­hän­gi­ge Ter­ri­to­ri­um trotz der sich ver­schlech­tern­den glo­ba­len Kon­junk­tur gut plat­ziert. Die Lau­san­ner Ma­na­ger­ka­der­schmie­de IMD hat Hong­kong in ih­rer letzt­jäh­ri­gen Er­he­bung zur wett­be­werbs­fä­higs­ten Volks­wirt­schaft der Welt ge­kürt.

Ban­ken ge­gen stren­ge Re­geln

Hong­kong hat die glo­ba­le Fi­nanz­kri­se denn auch weit bes­ser über­stan­den als die Ban­ken­plät­ze London, New York, Zü­rich oder Frank­furt. Der Ruf nach ei­ner stär­ke­ren Re­gu­lie­rung der Fi­nanz­in­dus­trie ist da­mit we­ni­ger laut als in Eu­ro­pa und den USA. Ei­ne gan­ze Rei­he gros­ser west­li­cher Ban­ken ha­ben schon ge­droht, im Fal­le von zu strik­ten Vor­schrif­ten ih­ren Haupt­sitz nach Asi­en zu ver­le­gen.

Tsang denkt aber nicht, dass zu la­xe Vor­schrif­ten im In­ter­es­se Hong­kongs lie­gen. Es müs­se als ein klei­nes, of­fe­nes Fi­nanz­zen­trum sei­ne Wett­be­werbs­vor­tei­le voll aus­spie­len kön­nen, doch gleich­zei­tig auch da­für sor­gen, das sein re­gu­la­to­ri­sches Re­gime den glo­ba­len Stan­dards ent­spre­che. «Wir neh­men da­bei un­se­re Rol­le als ver­ant­wor­tungs­vol­ler glo­ba­ler Bür­ger wahr», meint er.

So­mit spricht er sich nicht für ei­ne en­ge De­fi­ni­ti­on des klas­si­schen Bank­ge­heim­nis­ses aus. Als ein Bei­spiel nennt er die Geld­wä­sche­rei, die nicht ge­schützt wer­de. An­de­rer­seits ver­weist er aber auch dar­auf, dass Hong­kon­ger Ban­ken von Ge­set­zes we­gen da­zu ver­pflich­tet sind, die Da­ten ih­rer Kun­den ver­trau­lich zu be­han­deln. In Fäl­len, in de­nen da­ge­gen ver­stos­sen wer­de, könn­ten die Ge­rich­te an­ge­ru­fen wer­den. Als Schlüs­sel zum Er­folg Hong­kongs nennt Tsang die un­ab­hän­gi­ge Jus­tiz, ei­ne kor­rup­ti­ons­freie Re­gie­rung so­wie den frei­en Fluss von Ka­pi­tal und In­for­ma­tio­nen.

Da­bei müs­se im­mer auch das öf­fent­li­che In­ter­es­se in Be­tracht ge­zo­gen wer­den. Hong­kon­ger Ban­ken sei­en zur Ver­mei- dung von Sys­tem­ri­si­ken im Fi­nanz­sek­tor da­zu ver­pflich­tet, eng mit den Auf­sichts­be­hör­den zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. «Hong­kong wird bei der Er­ar­bei­tung von Nor­men eng mit an­de­ren Län­dern ko­ope­rie­ren. Das wird un­ver­meid­bar auch ei­nen ge­wis­sen Grad von zu­sätz­li­cher Of­fen­le­gung von In­for­ma­tio­nen mit sich brin­gen.» Es lä­ge im lang­fris­ti­gen In­ter­es­se des Fi­nanz­plat­zes, wenn das re­gu­la­to­ri­sche Re­gime mit dem an­de­rer Län­der im Ein­klang ste­he.

Hong­kong macht mit all dem auch ak­ti­ve Stand­ort­för­de­rung. Die Re­gie­rung, die staat­li­che In­ves­ti­ti­ons­agen­tur wie auch der Bör­sen­be­trei­ber wer­ben in in­ter­na­tio­na­len Road­shows um die Nie­der­las­sung aus­wär­ti­ger Fi­nanz­in­sti­tu­te. Als Bei­spiel für die welt­wei­te Aus­rich­tung Hong­kongs nennt er die Zu­sam­men­ar­beit der Hong Kong Mo­ne­ta­ry Aut­ho­ri­ty – der Qua­siZen­tral­bank – mit der Ci­ty of London in der Ent­wick­lung ei­nes Off­s­hore-markts in der chi­ne­si­schen Lan­des­wäh­rung.

Bör­se ist an­zie­hend

Im Vor­jahr sei es nicht zu­letzt we­gen re­gu­la­to­ri­scher Re­for­men ge­lun­gen, Un­ter­neh­men aus der Schweiz, Ita­li­ens und der dass Hong­kong kei­ne Ein­bahn­stras­se sei. Ei­ne wach­sen­de Zahl chi­ne­si­scher Un­ter­neh­men wür­de von hier aus in aus­län­di­sche Märk­te ex­pan­die­ren.

Im­mer wie­der wird spe­ku­liert, ob die zu­neh­men­de wirt­schaft­li­che In­te­gra­ti­on Hong­kongs mit Fest­land­chi­na auch ei­ne Än­de­rung des Hong­kon­ger Wech­sel­kurs­re­gimes mit sich brin­gen wird. Der HKDol­lar ist seit 1986 fest an den Us-dol­lar ge­kop­pelt, al­so ähn­lich wie der Schwei­zer Fran­ken seit Sep­tem­ber an den Eu­ro. Da­mit muss das Ter­ri­to­ri­um aber auch die Zins­po­li­tik der ame­ri­ka­ni­schen No­ten­bank nach­voll­zie­hen, und das ob­wohl sei­ne Wachs­tums­zy­klen zu­neh­mend stark mit je­nen Chi­nas kor­re­lie­ren. Tsang be­steht aber dar­auf, dass sich der Dol­lar-peg be­währt ha­be und sich da­mit auch kein Wech­sel auf­drän­ge. «Die USA blei­ben durch ih­ren star­ken Ein­fluss auf die Welt­wirt­schaft und die glo­ba­len Märk­te für Hong­kong ein sehr wich­ti­ger Fak­tor», meint Tsang. Das ha­be sich ge­ra­de 2008 wäh­rend der Fi­nanz­kri­se ge­zeigt. Ei­ne An­bin­dung an den Yuan sei auch des­halb nicht mög­lich, weil die chi­ne­si­sche Lan­des­wäh­rung nicht frei kon­ver­tier­bar sei.

Bör­se Hong­kong: Die Hong Kong Stock Ex­ch­an­ge wur­de im ver­gan­ge­nen Jahr Welt­meis­ter für Neu­emis­sio­nen von Ak­ti­en (IPO).

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