Exxon und Co. sind nicht sor­gen­frei

USA Gas­prei­se tief – Raf­fi­ne­rie­mar­gen schmel­zen – Quar­tals­er­geb­nis­se dank ho­her Öl­prei­se trotz­dem re­spek­ta­bel – Chev­ron at­trak­tiv

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - MAR­TIN GOLLMER

Die in­te­grier­ten ame­ri­ka­ni­schen Ölund Gas­mul­tis ha­ben ge­gen­wär­tig zwei Pro­ble­me: Gas­prei­se und Raf­fi­ne­rie­mar­gen. Weil bei­de tief sind, lit­ten die Re­sul­ta­te im vier­ten Quar­tal 2011. Jetzt ge­ben die Kon­zer­ne Ge­gen­steu­er: Sie stop­pen die Gas­pro­duk­ti­on teil­wei­se und stos­sen Öl­ver­ar­bei­tungs­an­la­gen ab.

In­te­grier­te Ener­gie­un­ter­neh­men sind All­roun­der. Sie sind so­wohl in der Ex­plo­ra­ti­on und Pro­duk­ti­on von Öl und Gas tä­tig (Upst­ream) als auch in der Raf­fi­nie­rung und im Mar­ke­ting (Down­stream). Dank stei­gen­den Öl­prei­sen flo­riert das Upst­ream­ge­schäft. So klet­ter­te Chev­rons Ge­winn aus Ex­plo­ra­ti­on und Pro­duk­ti­on im vier­ten Quar­tal ge­gen­über der Vor­jah­res­pe­ri­ode 18% auf 5,7 Mrd. $. Ein Fass Öl konn­te in die­sem Zei­t­raum für ei­nen durch­schnitt­li­chen Preis von 101 $ ver­kauft wer­den – 33% mehr als zwi­schen Ok­to­ber und De­zem­ber 2010. Der mitt­le­re Ver­kaufs­preis für 1000 Ku­bik­fuss Gas be­trug im vier­ten Quar­tal 3.62 $ – 3 Cent we­ni­ger als im Vor­jah­res­ab­schnitt.

Zwei­schnei­di­ges Schwert

Die No­tie­rung für Gas be­fin­det sich auf ei­nem Zehn­jah­res­tief. Grund ist ei­ne Gas­schwem­me, aus­ge­löst durch neue För­der­tech­ni­ken, mit de­nen der Ener­gie­trä­ger auch aus Schie­fer­ge­stein (Sha­le Gas) und dich­tem Sand­stein ( Tight Gas) ge­holt wer­den kann.

Die tie­fen Raf­fi­ne­rie­mar­gen for­dern da­ge­gen ih­ren Tri­but im Down­stream­ge­schäft von Chev­ron. Es ver­zeich­ne­te ei­nen Ver­lust von 61 Mio. $ im vier­ten Quar­tal. In der Vor­jah­res­pe­ri­ode wur­den da­ge­gen noch 742 Mio. $ ver­dient. Das Raf­fi­ne­rie­ge­schäft zeigt, dass ho­he Öl­prei­se für in­te­grier­te Ener­gie­kon­zer­ne ein zwei­schnei­di­ges Schwert sein kön­nen: Der Upst­ream­teil des Un­ter­neh­mens pro­fi­tiert, wäh­rend der Down­stream­be­reich lei­det. Ein ho­her Öl­preis be­deu­tet ei­nen ho­hen Ein­stands­preis für die Ver­ar­bei­tung des schwar­zen Gol­des zu Ben­zin, Die­sel, Flug­pe­trol, Heiz­öl usw. Wenn der Ein­kaufs­preis für Öl nicht an die Käu­fer raf­fi­nier­ter Pro­duk­te wei­ter­ge­ge­ben wer­den kann – et­wa weil die Kon­junk­tur schwä­chelt und die Nach­fra­ge sinkt –, schmä­lern sich die Raf­fi­ne­rie­mar­gen.

Das ist zur­zeit der Fall. So nahm et­wa die Mar­ge für die Öl­ver­ar­bei­tung an der Us-golf­küs­te im vier­ten Quar­tal 2011 ge­gen­über dem Vor­quar­tal um 43% auf durch­schnitt­lich 7.16 $ pro Fass und für das Ge­samt­jahr 2011 ge­gen­über dem Vor­jahr um 17% auf 11.86 $ ab.

Ein ähn­li­ches, wenn auch et­was bes­se­res Bild zeigt sich bei Co­no­co­phil­lips. Wäh­rend der be­rei­nig­te Viert­quar­tals­ge­winn im Upst­ream­ge­schäft ge­gen­über der

Wich­tigs­te Öl­mul­tis in Zah­len glei­chen Pe­ri­ode des Vor­jah­res 27% avan­cier­te, muss­te im Down­stream­ge­schäft ein Rück­gang von 3% hin­ge­nom­men wer­den. Im Fall von Exxon Mo­bil stieg der Ge­winn aus Ex­plo­ra­ti­on und Pro­duk­ti­on im vier­ten Quar­tal 18%. Bei Raf­fi­nie­rung und Mar­ke­ting re­sul­tier­te je­doch ein Rück­gang des Über­schus­ses von 63%.

Weil die Öl­mul­tis nicht so schnell ei­ne Bes­se­rung er­war­ten, re­agie­ren sie. Am kon­se­quen­tes­ten macht das Co­no­co. Sie la­gert den ge­sam­ten Raf­fi­ne­rie- und Mar­ke­ting­be­reich in ei­ne neue Ge­sell­schaft – Phil­lips 66 – aus, um sich voll auf das ein­träg­li­che­re und we­ni­ger vo­la­ti­le Su­chen und För­dern von Öl und Gas kon­zen­trie­ren zu kön­nen. Der im Ju­li 2011 an­ge­kün­dig­te Spin-off soll im kom­men­den Mai voll­zo­gen sein. Wei­ter stoppt sie die Pro­duk­ti­on von 100 Mio. Ku­bik­fuss Gas pro Tag. Zu­dem wer­den In­ves­ti­tio­nen vom Gas­be­reich ins Öl­ge­schäft, spe­zi­ell in die ra­sant wach­sen­de För­de­rung von Öl aus Schie­fer­ge­stein (Sha­le Oil) um­ge­lei­tet.

Er­trags­stei­ge­rung als Ziel

Chev­ron hat im Down­stream­be­reich ei­nen Mehr­jah­res­plan zur Ver­bes­se­rung des Er­trags lau­fen. Im Rah­men die­ses Plans wur­den 2011 Raf­fi­ne­rie- und Mar­ke­ting-ak­ti­va in Gross­bri­tan­ni­en und Ir­land ver­kauft und das Ver­triebs­ge­schäft in fünf Län­dern Afri­kas so­wie in sech­zehn Staa­ten der Ka­ri­bik und Latein­ame­ri­kas ab­ge­stos­sen. Exxon kün­dig­te am ver­gan­ge­nen Sonn­tag an, den gröss­ten Teil ih­rer Be­tei­li­gung am ja­pa­ni­schen Raf­fi­ne­rie­ge­schäft für 3,9 Mrd. $ an To­nenge­ne­ral Se­kiyu zu ver­kau­fen. Der Us-mul­ti hat­te sich zu­vor schon von meh­re­ren an­de­ren Down­stream As­sets ge­trennt.

Auch wenn die Gas­prei­se tief sind und die Raf­fi­ne­rie­mar­gen schmel­zen, fie­len die Quar­tals­er­geb­nis­se der Us-ener­gi­e­mul­tis dank der ho­hen Öl­no­tie­run­gen re­spek­ta­bel aus. Exxon er­wirt­schaf­te­te ei­nen Um­satz von 122 Mrd. $ (+16% ge­gen­über letz­tem Vier­tel­jahr 2010) und ei­nen Ge­winn von 9,4 Mrd. $ (+2%). Chev­ron kam auf Ein­nah­men von 60 Mrd. $ (+11%) und ei­nen Über­schuss von 5,1 Mrd. (–4%). Co­no­co schliess­lich wies ei­nen Er­trag von 62,4 Mrd. $ (+17%) und ei­nen Pro­fit von 3,4 Mrd. $ (+66%) aus. Ein­drück­lich ist die Er­geb­nis­ver­bes­se­rung bei al­len drei Kon­zer­nen im Ge­samt­jahr 2011 (vgl. Ta­bel­le).

Die An­le­ger wird der Geld­se­gen freu­en. Sie dürf­ten von Ak­ti­en­rück­käu­fen und Di­vi­den­den­er­hö­hun­gen pro­fi­tie­ren. Zu emp­feh­len sind die Ti­tel von Chev­ron, die ei­ne ein­drück­li­che Pro­jekt­pipe­line auf­weist, die ein über­durch­schnitt­li­ches zu­künf­ti­ges Pro­duk­ti­ons­wachs­tum er­war­ten lässt. Der Bran­chen­lea­der Exxon setzt im Sek­tor tech­ni­sche und fi­nan­zi­el­le Mass­stä­be; sei­ne Va­lo­ren sind des­halb mit ei­nem Auf­schlag be­wer­tet. Sie eig­nen sich für kon­ser­va­ti­ve, lang­fris­tig dis­po­nie­ren­de In­ves­to­ren. Die Pa­pie­re von Co­no­co ha­ben spe­ku­la­ti­ven Cha­rak­ter, denn ob das Un­ter­neh­men nach der Aus­glie­de­rung des Down­stream­be­reichs tat­säch­lich pro­fi­ta­bler wird, ist noch nicht klar.

Exxon Mo­bil

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