Zeit­punkt ist güns­tig für M&a-trans­ak­tio­nen

SCHWEIZ Käu­fer im Vor­teil dank Fran­ken­stär­ke

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - CO­RI­NA DRACK

Das M&a-jahr hat – glo­bal be­trach­tet – sehr ru­hig be­gon­nen; das glo­ba­le Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men ist im Ja­nu­ar nur halb so hoch ge­we­sen wie im Vor­jahr. Ganz an­ders in der Schweiz: Ro­che, ABB und Va­lo­ra ha­ben mit ih­ren Of­fer­ten für aus­län­di­sche Un­ter­neh­men für Auf­se­hen ge­sorgt und Schwung in den hie­si­gen Markt für M&A (Mer­gers & Ac­qui­si­ti­ons) ge­bracht.

Die Vor­aus­set­zun­gen für Schwei­zer Un­ter­neh­men sind der­zeit güns­tig. Sie sind so­li­de fi­nan­ziert und ver­fü­gen über ho­he Bar­geld­be­stän­de. Das trifft zwar auch auf vie­le aus­län­di­sche Kon­kur­ren­ten zu, doch die ein­hei­mi­schen Un­ter­neh­men be­sit­zen ei­nen ent­schei­den­den Vor­teil: Sie be­zah­len mit ei­ner übe­r­aus star­ken Wäh­rung. Der Fran­ken gilt ge­mes­sen an der Kaufkraftparität auch nach In­stand­set­zung der Kurs­un­ter­gren­ze als über­be­wer­tet.

Wich­ti­ge­re Grün­de für M&A

Ist der ho­he Schwei­zer Fran­ken ein Kauf­ar­gu­ment? Ja, aber höchs­tens ei­nes von vie­len. Die Su­che nach Wachs­tums­märk­ten, sin­ken­de Mar­gen in Heim­märk­ten und stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tung sei­en ge­wich­ti­ge­re Trei­ber für ei­ne Ak­qui­si­ti­on, er­läu­tert Pa­trik Ker­ler, Head of Mer­gers & Ac­qui­si­ti­ons und Part­ner des Be­ra­tungs­un­ter­neh­mens KPMG. Wäh­rungs­ein­flüs­se wür­den ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le spie­len, nur schon des­halb, weil der Cash­flow der über­nom­me­nen Ge­sell­schaft eben­falls in der re­la­tiv zum Schwei­zer Fran­ken wei­che­ren Wäh­rung an­fal­le, be­grün­det er.

So hat ABB den am Mon­tag an­ge­kün­dig­ten Kauf des ame­ri­ka­ni­schen Un­ter­neh­mens Tho­mas & Betts mit ho­hen Wachs­tums­er­war­tun­gen im Us-markt be­grün­det (vgl. Sei­te 5). Für die Han­dels­ket­te Va­lo­ra ist die Über­nah­me der deut­schen Con­ve­ni­ence Con­cept Teil der frü­her for­mu­lier­ten Stra­te­gie, zum füh­ren­den Mi­kro-re­tailer (Ki­o­s­ke) in Eu­ro­pa zu wer­den (vgl. Sei­te 9). Im Ge­sund­heits­sek­tor zwin­gen aus­lau­fen­de Pa­ten­te und dün­ne Pro- duk­t­e­pipe­lines die Un­ter­neh­men, mit Hil­fe von Ak­qui­si­tio­nen künf­ti­ges Wachs­tum zu si­chern (vgl. Text links).

Doch zwei­fel­los ist der Zeit­punkt ide­al, jetzt ein Über­nah­me­an­ge­bot zu lan­cie­ren. Die Fremd­ka­pi­tal­kos­ten sind nied­rig und die Ver­füg­bar­keit von Kre­di­ten ist gut. Zu­min­dest in der Schweiz kann von ei­ner Kre­dit­ver­knap­pung kei­ne Re­de sein, wie jüngs­te Um­fra­gen un­ter Schwei­zer Un­ter­neh­men zeig­ten. Und in den Preis­ver­hand­lun­gen ha­ben die Schwei­zer Un­ter­neh­men dank star­ker Wäh­rung mehr Spiel­raum als ih­re Kon­kur­ren­ten.

Be­reits in den Start­lö­chern

Es gibt meh­re­re Schwei­zer Un­ter­neh­men, die in den kom­men­den Mo­na­ten mit Über­nah­men Schlag­zei­len ma­chen könn­ten. No­var­tis wird auch ver­su­chen, die Pi­pe­line durch Ak­qui­si­tio­nen zu ver­stär­ken. ABB und Nest­lé ge­hö­ren zu den ak­ti­ven im M&a-markt, wo­bei die fi­nan­zi­el­le Schlag­kraft von ABB nach der jüngs­ten Gross­ak­qui­si­ti­on ab­ge­nom­men hat. Adec­co ist wei­ter­hin auf der Su­che nach Er­gän­zungs­käu­fen so­wie auch Sul­zer. Ka­ba und Schind­ler möch­ten eben­falls ex­tern wach­sen. Schind­ler sieht sich je­doch ei­ner ge­rin­gen Zahl ge­eig­ne­ter Kauf­ob­jek­te ge­gen­über.

Nicht nur Schwei­zer kau­fen, auch Aus­län­der stos­sen auf der Su­che nach vala­blen Kan­di­da­ten auf Schwei­zer Un­ter­neh­men, wie die Zah­len im «M&A Ye­ar­book» von KPMG zei­gen (vgl. lin­ke Gra­fik). Im ver­gan­ge­nen Jahr er­höh­te sich die Zahl der aus­län­di­schen Käu­fer deut­lich. Of­fen­bar wir­ken sich der ho­he Fran­ken­kurs und da­mit hö­he­re Prei­se auch um­ge­kehrt nicht ab­schre­ckend auf aus­län­di­sche In­ves­to­ren aus. Markt­po­si­ti­on, fi­nan­zi­el­le La­ge und stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen ha­ben mehr Ge­wicht. Trotz der Zu­nah­me wa­ren und sind die Schwei­zer wei­ter­hin Net­to­käu­fer, das heisst, sie ak­qui­rie­ren mehr im Aus­land als um­ge­kehrt. Das gilt üb­ri­gens auch für die Zeit vor der Fi­nanz­kri­se, als hier­zu­lan­de vom Aus­ver­kauf der Hei­mat die Re­de war.

Auf­tei­lung der Trans­ak­tio­nen

Ge­schätz­te zwei Drit­tel der Phar­ma­pro­duk­te wer­den von Bio­tech-un­ter­neh­men ent­wi­ckelt (im Bild La­bor der Ro­che-toch­ter Gen­en­tech).

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