Phi­lips will ganz blei­ben

NIE­DER­LAN­DE

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - HEL­MUT HET­ZEL,

Der nie­der­län­di­sche Elek­tro­nik­kon­zern Phi­lips soll in sei­ner heu­ti­gen Form be­ste­hen blei­ben. «Wir ha­ben nicht vor, das Un­ter­neh­men in drei Tei­le zu spal­ten», er­klär­te Frans van Hou­ten wäh­rend der Vor­la­ge des Ge­schäfts­be­richts 2011. Der Phi­lips-chef un­ter­strich: «Wir sind und blei­ben ei­ne di­ver­si­fi­zier­te In­dus­trie­grup­pe. Phi­lips hat gros­ses Po­ten­zi­al für die Zu­kunft.»

Al­ler­dings wer­de 2012 schwie­rig. Erst in der zwei­ten Jah­res­hälf­te wer­de sich vor­aus­sicht­lich ei­ne Er­ho­lung der Welt­wirt­schaft ab­zeich­nen, von der dann auch das Un­ter­neh­men pro­fi­tie­ren dürf­te, pro­gnos­ti­zier­te der seit neun Mo­na­ten am­tie­ren­de Phi­lips-vor­stands­chef. «Im lau­fen­den ers­ten Quar­tal zeich­net sich al­ler­dings noch kei­ne kon­junk­tu­rel­le Er­ho­lung ab», hielt van Hou­ten fest.

Schwa­che Wei­n­ach­ten

Das ers­te Jah­res­er­geb­nis, das Frans van Hou­ten als Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer (CEO) prä­sen­tier­te, war al­les an­de­re als ro­sig. Der Kon­zern­um­satz stieg le­dig­lich um ma­ge­re 1,3% auf 22,6 Mrd. €. Net­to muss­te Phi­lips ei­nen Ver­lust von 1,3 Mrd. € ver­bu­chen, wäh­rend 2010 noch ein Ge­winn von 1,5 Mrd. € er­wirt­schaf­tet wer­den konn­te.

So­gar im vier­ten Quar­tal 2011 schrieb Phi­lips mit ei­nem Fehl­be­trag von 160 Mio. € ro­te Zah­len – ob­wohl das Schluss­quar­tal we­gen des Weih­nachts­ge­schäfts tra­di­tio­nell die er­trag­reichs­te Pe­ri­ode der Nie­der­län­der ist. Phi­lips hat­te zwar be­reits am 10. Ja­nu­ar vor dem dro­hen­den Ver­lust ge­warnt. Doch ins­ge­samt fiel er hö­her aus als am Markt be­fürch­tet. Die Phi­lip­sAk­ti­en ver­lo­ren an der Bör­se Amsterdam zum Wo­chen­auf­takt 2,3% und san­ken auf 15.30 €. Van Hou­ten will den Ak­tio­nä­ren

In­dus­trie­kon­glo­me­ra­te tun sich schwer 2011 gleich­wohl ei­ne un­ver­än­der­te Di­vi­den­de von 0.75 € je Ak­tie aus­schüt­ten.

Die in­ter­na­tio­na­le Schul­den­kri­se – und be­son­ders die Kri­se des Eu­ro – wirkt sich be­las­tend auf die Phi­lips-ge­schäf­te in Eu­ro­pa aus. Hier san­ken der Um­satz im ver­gan­ge­nen Jahr um 5%. Da­her un­ter­zeich­ne­te van Hou­ten auch ei­nen Ap­pell von Ma­na­gern an die eu­ro­päi­schen Po­li­ti­ker, die Schul­den- und Eu­ro­kri­se rasch und ef­fi­zi­ent zu lö­sen.

Lichts­par­te lei­det be­son­ders

Be­son­ders hart ge­beu­telt wird der­zeit die Keim­zel­le der 1891 als Glüh­lam­pen­fa­brik ge­grün­de­ten heu­ti­gen Phi­lips Elec­tro­nics. Zwar stieg der Ver­kauf von Be­leuch­tungs­pro­duk­ten 2011 um 1,1% auf 7,6 Mrd. €, doch das Be­triebs­er­geb­nis vor Steu­ern rutsch­te mit ei­nem Ver­lust von 362 Mio. € tief in die ro­ten Zah­len. 2010 hat­te Phi­lips hier noch 695 Mio. € ver­dient.

Im Me­di­zi­nal­tech­nik­ge­schäft, wo Phi­lips mit Sie­mens und Ge­ne­ral Electric kon­kur­riert (vgl. Text­box un­ten), stieg der Ver­kaufs­er­lös 2011 um 1,4% auf 8,9 Mrd. €. Der Ge­winn ver­rin­ger­te sich von 992 Mio. auf spär­li­che 93 Mio. €.

Trotz­dem hält Frans van Hou­ten an sei­nen mit­tel­fris­ti­gen Um­satz- und Er­trags­zie­len fest. Durch das Re­or­ga­ni­sa­ti­ons­pro­gramm «Ac­ce­le­ra­te» sol­len bis En­de 2014 rund 800 Mio. € ein­ge­spart und welt­weit 4500 der ins­ge­samt über 120 000 Stel­len ge­stri­chen wer­den. Der Um­satz soll jähr­lich 4 bis 6% wach­sen und das Ebit­daEr­geb­nis zwi­schen 10 und 12% zu­le­gen.

Die Ti­tel sind für 2012 auf­grund der ak­tu­el­len Ana­lys­ten­schät­zun­gen mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis von 14 be­wer­tet. Phi­lips ist der­zeit ei­ne gros­se Bau­stel­le, die in die­sem Jahr auf­ge­räumt wer­den muss. Die we­nig ro­si­gen Aus­sich­ten lo­cken nicht zu ei­nem En­ga­ge­ment.

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