Fi­nanz­märk­te fin­den kei­ne Ru­he

Auf­trieb an der Bör­se flacht ab – Eu­ro­pa­sor­gen rü­cken wie­der in den Brenn­punkt – Fra­gen zur Kon­junk­tur in den USA und in Chi­na

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CHRIS­TOPH GISIGER,

DSpiel mit dem Ri­si­ko

er Auf­trieb an der Bör­se hat an Kraft ver­lo­ren. Es fragt sich des­halb, wie es nach dem schwung­vol­len Start ins neue Jahr an den Fi­nanz­märk­ten wei­ter­geht. Ent­schei­dend sind da­bei die lau­fen­den Ver­hand­lun­gen zur Schul­den­kri­se in Eu­ro­pa, die Ver­fas­sung der ame­ri­ka­ni­schen Kon­junk­tur so­wie das Wachs­tums­tem­po in den auf­stre­ben­den Volks­wirt­schaf­ten.

«Am Mon­tag ver­hiel­ten sich die Märk­te so, als ob je­mand den Film ins Jahr 2011 zu­rück­ge­spult hät­te», meint Art Ca­shin, New Yor­ker Bör­sen­ve­te­ran in Di­ens­ten von UBS. «Wir ken­nen den Drill gut: War­ten auf ei­ne Über­ein­kunft zum Schul­den­schnitt in Grie­chen­land und fort­wäh­rend neue Ge­rüch­te über ei­ne bal­di­ge Lö­sung, die in­zwi­schen seit drei Wo­chen ver­spro­chen wird», schreibt er in ei­nem Markt­kom­men­tar. So pre­kär wie in den dun­kels­ten St­un­den des letz­ten Jah­res war die La­ge zu Wo­chen­be­ginn al­ler­dings nicht. Die Ak­ti­en­märk­te ga­ben zwar an brei­ter Front nach, zu Pa­nik­schü­ben wie im Herbst 2011 kam es je­doch nicht.

Dass In­ves­to­ren in den ver­gan­ge­nen Wo­chen mehr Mut ge­fasst und grös­se­ren Ri­si­ko­ap­pe­tit ent­wi­ckelt ha­ben, zeigt sich deut­lich im Us-fi­nanz­sek­tor. Nach­dem Ak­ti­en von ame­ri­ka­ni­schen Gross­ban­ken wie Bank of Ame­ri­ca, Ci­ti­group und Gold­man Sachs im letz­ten Jahr zu den gros­sen Ver­lie­rern ge­zählt hat­ten, sind sie seit An­fang Jahr be­reits weit vor­ge­prescht. Haupt­aus­lö­ser da­für ist die mäch­ti­ge Li­qui­di­täts­sprit­ze der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank, an den Märk­ten LTRO ge­nannt. Sie wur­de den wan­ken­den Fi­nanz­in­sti­tu­ten Eu­ro­pas (spe­zi­ell den ita­lie­ni­schen) im De­zem­ber ver­ab­reicht und hat ei­nen Kol­laps im Ban­ken­sys­tem ver­hin­dert. Ei­ne wei­te­re Cas­hInfu­si­on wird nun En­de Fe­bru­ar er­war­tet (vgl. ne­ben­ste­hen­den Ar­ti­kel). Die­se Mass­nah­men der EZB ha­ben die Si­tua­ti­on auch im Us-fi­nanz­sek­tor ent­spannt, zu­mal Ame­ri­kas Gross­ban­ken viel­schich­tig mit Eu­ro­pa ver­floch­ten sind. «Wir den­ken, dass ei­ne dro­hen­de Li­qui­di­täts­kri­se in der Eu­ro­zo­ne bis auf Wei­te­res kein The­ma mehr ist. Es wer­den künf­tig mehr als ge­nug Eu­ros im Sys­tem zir­ku­lie­ren», schreibt da­zu Wall­s­treet-au­gur Ja­mes Grant. Hoff­nungs­vol­le Nachrichten aus Eu­ro­pa ha­ben da­bei nicht nur Fi­nanz­wer­ten, son­dern dem ge­sam­ten Us-ak­ti­en­markt Auf­trieb ver­lie­hen. So hat der Leit­in­dex S&P 500 seit An­fang Jahr 4,4% an Ter­rain gut­ge­macht. Zu­sätz­li­che Un­ter­stüt­zung lie­fer­te letz­te Wo­che die US-ZEN­tral­bank mit ih­rer An­kün­di­gung, dass sie die Leit­zin­sen bis weit ins Jahr 2014 auf ul­tra­tie­fem Ni­veau be­las­sen will.

Wenn sich die La­ge in Eu­ro­pa wei­ter auf­hellt, wird die Ri­si­ko­lust der In­ves­to­ren noch mehr zu­neh­men. Da­von wer­den Ak­ti­en und be­son­ders Fi­nanz­wer­te pro­fi­tie­ren. Ei­ne si­che­re Wet­te ist das al­ler­dings nicht. Die fun­da­men­ta­len Pro­ble­me in Eu­ro­pa kön­nen mit dem Öff­nen der Geld­schleu­sen al­lein nicht ge­löst wer­den. Das zei­gen die zä­hen Ver­hand­lun­gen mit den Pri­vat­in­ves­to­ren um den Schul­den­schnitt für Grie­chen­land. Zu­dem stei­gen nun die Zin­sen auf por­tu­gie­si­sche Staats­an­lei­hen alar­mie­rend rasch.

«Die Ral­ly ge­nies­sen, so lan­ge sie an­hält», ra­ten des­halb die Ak­ti­en­stra­te­gen von Ci­ti­group: «Der Li­qui­di­täts­bal­sam der Zen­tral­ban­ken wird ri­si­ko­rei­chen An­la­ge­klas­sen vo­r­erst zwar wei­ter An­trieb ge­ben. Die lo­cke­re Geld­po­li­tik kann ei­ne Ver­lang- sa­mung des glo­ba­len Wirt­schafts­wachs­tums und das Ab­fla­chen der Un­ter­neh­mens­ge­win­ne je­doch nicht ver­hin­dern.»

Us-tre­a­su­ries bie­ten Schutz

Aus­ser Eu­ro­pa soll­ten In­ves­to­ren des­halb zwei wei­te­re Punk­te gut im Au­ge be­hal­ten. Wich­tig ist die Ent­wick­lung der chi­ne­si­schen Wirt­schaft, zu de­ren Ver­fas­sung am Mitt­woch der Ein­kaufs­ma­na­ger­index für die In­dus­trie neue An­halts­punk­te gibt. Eben­so ent­schei­dend ist, wie es mit der Us-wirt­schaft wei­ter­geht. Nach dem Still- stand im Som­mer hat sie an Dy­na­mik ge­won­nen. Das hat er­heb­lich da­zu bei­ge­tra­gen, dass die Us-bör­sen 2011 im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich gut ab­ge­schnit­ten ha­ben. Doch ob­schon kaum noch von ei­nem Rück­fall in die Re­zes­si­on ge­spro­chen wird, ist es zu früh, um de­fi­ni­tiv Ent­war­nung zu ge­ben (vgl. Sei­te 26). Das si­gna­li­siert auch der Markt für Us-staats­an­lei­hen. Wie im­mer, wenn die Ve­r­un­si­che­rung steigt, su­chen In­ves­to­ren dort Zuflucht. So auch am Di­ens­tag, als die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ries nach schwa­chen Kon­junk­tur­da­ten un­ter 1,85% sank.

An der New York Stock Ex­ch­an­ge sind die Händ­ler skep­tisch, weil die Auf­wärts­be­we­gung an Kraft ver­lo­ren hat.

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